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Hören schweren Herzens auf: Jim und Sonja Moser.

Das Geschäftssterben nimmt kein Ende

Sonja und Jim Moser schließen schweren Herzens ihr Lebensmittelgeschäft in Indersdorf

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Innerhalb des vergangenen Jahres haben bereits das Gasthaus Funk, die Kfz-Werkstätte Vogel, das Bekleidungshaus Regenbogen und Bäckermeister Pest dicht gemacht, und nun schließen zum Jahresende auch Sonja und Jim Moser schweren Herzens ihr Lebensmittelgeschäft an der Dachauer Straße im Indersdorfer Ortsteil Karpfhofen.

21 Jahre waren die Mosers dort Krämer mit Leib und Seele. Bei ihnen kauften nicht nur der Durchgangsverkehr, sondern auch viele aus der gesamten Marktgemeinde gerne ein. Nun wollen sich Sonja (62) und Jim (63) zur Ruhe setzen. Sie haben zwar zwei Söhne, aber keiner will ihr Geschäft übernehmen. Was mit dem Haus, das einem Verwandten der Mosers gehört, künftig geschieht, steht noch in den Sternen.

In dem Haus gibt es bereits seit 104 Jahren Lebensmittel. Den ersten Laden betrieb Rosa Hack 49 Jahre lang, dann waren es 34 Jahre lang Anna und Gottfried Isemann, Tante und Onkel der Mosers, die dort ihr Handwerk verstanden und den Betrieb schließlich den Mosers übergaben.

Rückblickend auf die vergangenen 21 Jahre resümiert Geschäftsfrau Sonja Moser: „Es war eine schöne Zeit, wir haben viele Freundschaften geschlossen, das Positive in den 21 Jahren überwiegt deutlich.“ Die Mosers konnten sich ihrer Aussage nach auf sehr gute regionale Lieferanten verlassen. Das waren Bäcker, Metzger, Bauern, Gärtner, Imker, eine Mühle und drei verschiedene Brauereien, denen sie danken wollen. Mehr als zufrieden waren die Mosers auch mit ihren fünf Teilzeitmitarbeiterinnen.

Was das Einkaufen bei den Mosers so beliebt machte, war das Vollsortiment, das vom Tesafilm bis hin zu italienischem Käse reichte, ohne lange anzustehen und warten zu müssen. Gut kamen auch die französischen und italienischen Wochen an. Auch beim Garnieren von Canapés und dem Herrichten von Platten sowie Geschenkkörben für die Vereine waren die Mosers eine gefragte Adresse. Obendrauf gab’s immer einen kleinen Ratsch.

Ist bald Geschichte: der Lebensmittelladen von Jim und Sonja Moser in Karpfhofen.

So wird zum Jahresende auch ein Stück Einkaufskultur in der Marktgemeinde zu Ende gehen, denn die Mosers waren auch bei den Kindern sehr beliebt. Das Paar belieferte nämlich alle Schulen in Indersdorf, das Haus der Kinder und sogar die Indersdorfer Feuerwehr mit ihren gesunden Lebensmitteln.

Privat erkannten die Kinder den Geschäftsmann Moser nicht so leicht, aber immer wenn sie ihn im weißen Kittel sahen, wurde schnell nach „Jim“ gerufen. „Wir haben junge Familien von Anfang an, bis zur Hochzeit ihrer Kinder begleitet“, so Sonja Moser.

Die ersten Jahre seien die Mosers von Tante Anni und dem bereits verstorbenen Onkel Gottfried gut ins Geschäft eingeführt geworden, doch die Freizeit war von Anfang an knapp bemessen.

So freuen sich die Mosers nun umso mehr aufs neue Jahr. Von Donnerstag, 2., bis Samstag, 4. Januar, erfolgt zwar noch der Ausverkauf mit reduzierten Preisen, doch dann ist endgültig Schluss. Selbstverständlich werden zudem noch die Fischbestellungen fürs Weihnachtsfest und Silvester angenommen.

„In den ersten Tagen meines Ruhestandes möchte ich zu Hause klar Schiff machen, denn durch das Geschäft ist im Privaten doch vieles zurückgestellt worden“, sagte Sonja Moser über ihre Zukunftspläne. Ehemann Jim möchte sich als Zither- und Gitarrespieler wieder seinem Musikerhobby widmen, und da beide passionierte Theaterspieler sind, schließen sie nicht aus, in den nächsten Jahren wieder auf der Bühne des Indersdorfer Theaters zu stehen. Auch das Schwimmen im Sommer in Ainhofen und im Winter im Indersdorfer Hallenbad, das oft des Geschäfts wegen zu kurz kam, möchte Sonja Moser in Zukunft wieder genießen.

Besondere Bedeutung soll bei den Mosers künftig auch das Bankerl vor ihrem Wohnhaus haben. Denn da haben sie sich jetzt schon, selbst wenn sie müde von der langen Arbeit im Geschäft waren, den Sommer über gerne mit Nachbarn und Freunden für einen gemütlichen Ratsch getroffen.

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