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Hat schon einiges erlebt: Petra Süsens (55) ist die neue Leiterin des Indersdorfer Standes- und Ordnungsamtes.  

Interview mit der neuen Leiterin des Indersdorfer Standes- und Ordnungsamts

Verhaftung statt Vermählung

  • vonChristiane Breitenberger
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Indersdorf – Im Indersdorfer Rathaus gibt es eine Neuerung: Seit einem Monat ist Petra Süsens (55) die neue Leiterin des Standes- und des Ordnungsamtes. Die Dachauerin erzählt im Interview, wie ihr der erste Monat in Indersdorf gefallen hat, warum einmal die Polizei bei ihr im Trauungssaal stand und warum sie in über 25 Jahren noch niemals ihre Hochzeitsrede rausgegeben hat.

 -Wo haben Sie vorher gearbeitet?

Eigentlich habe ich fast die ganze Zeit bei der Stadt Westerstede in Niedersachsen gearbeitet. Dort habe ich meine Ausbildung gemacht und war später als Standesbeamtin und beim Ordnungsamt tätig. 2015 habe ich bei der Gemeinde Hausham im Landkreis Miesbach angefangen.

- Wer so lange als Standesbeamtin arbeitet, erlebt sicher einiges. An welche besonders kuriosen Momente erinnern Sie sich?

In Westerstede lebte eine ältere Frau in einem Mehrfamilienhaus. Sie hatte dort eine Beziehung mit einem jüngeren und einem älteren Mann. Nach viel hin und her hat sie sich schließlich entschieden, den Jüngeren zu heiraten. Dann ließ sie sich aber wieder scheiden und kam letztendlich doch wieder mit dem Älteren zusammen. Und dann war da noch die Sache mit der vietnamesischen Mafia.

- Die Sache mit der vietnamesischen Mafia?

Ja. Auch das Thema Scheinehe gehört zum Aufgabengebiet von Standesbeamten. In Westerstede hatten wir einen Fall, da steckte die vietnamesische Mafia dahinter. Wir bekamen im Vorfeld einen Tipp von dem benachbarten Standesamt. Also haben wir die Polizei informiert und Nachforschungen angestellt. Gegen den Bräutigam lag ein Haftbefehl vor. Ich habe also der Polizei gesagt, wann die die Anmeldung der Eheschließung stattfinden soll. Im Vorfeld war ich zwar etwas nervös, ob etwas passiert, hab’ mich aber entschieden, das Ganze durchzuziehen. Die Beamten haben den Mann dann im Standesamt verhaftet.

- Was sind die schönsten Momente als Standesbeamtin?

Wenn sich die Leute mit Briefen für die schönen, passenden Worte bedanken. Einmal hat der Bräutigam während der ganzen Trauung gelacht. Später wollte ich wissen, wieso. Er meinte, er konnte einfach nicht fassen, wie perfekt meine Worte gepasst haben.

-Ihre Reden scheinen etwas Besonderes zu sein. Kommt es vor, dass Paare sie vor oder nach der Trauung haben wollen?

Ja, sehr oft, aber ich habe sie in all den Jahrzehnten noch nie rausgegeben. Bei mir dürfen die Reden auch nicht gefilmt werden. Nur grob das Ja-Wort.

-Wieso machen Sie ein Geheimnis daraus?

Ganz einfach: Den Moment der Trauung gibt es nur ein einziges Mal. Die Gefühle und die Stimmungen, die in dieser Zeit da sind, kann man nicht nachstellen. Würde man das Ganze im Nachhinein anschauen oder nachlesen, wäre der Zauber weg.

-Wie kamen Sie nach Indersdorf?

Ich fand die Stellenbeschreibung sehr interessant und habe mich beworben. Ich stelle mich gerne neuen Aufgaben und versuche bei Problemen stets Lösungen und Kompromisse zu finden. Es ist typisch für mich, einfach immer etwas über den Tellerrand hinaus zu schauen.

- Was sind Ihre neuen Aufgaben?

Unser Standesamt ist zuständig für rund 30 000 Einwohner der Gemeinden Indersdorf, Vierkirchen, Petershausen, Weichs und Röhrmoos. Wir bearbeiten alle Sterbefälle, Geburten und Trauungen. Ich bin die neue Leiterin des Standesamts und des Ordnungsamts. Darunter fallen zum Beispiel die Feste und Märkte oder der Faschingsumzug. Zudem bin ich auch für das Bürgerbüro verantwortlich.

- Für wen sind Sie Ansprechpartner?

Ich habe hier sechs Mitarbeiter und bin für alle Ansprechpartnerin. Besonders bei verzwickteren Fällen.

- Wie war Ihre erste Trauung in Indersdorf?

Sehr schön. Auch wenn ich selbst nach so langer Zeit aufgeregt war, in einem neuen Trauzimmer zu stehen. Mittlerweile habe ich hier bereits vier Paare getraut. Der erste Monat war allgemein sehr schön in Indersdorf.

-Ein Blick in die Zukunft: Könnten noch weitere Aufgaben hinzukommen?

Ja, künftig werde ich wohl noch die Rentenberatung übernehmen. Dazu werde ich aber erst noch auf eine Schulung gehen.

Das Interview führte:

Christiane Breitenberger

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