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Der Vorhang bleibt unten: Auf der Bühne im Barocksaal ist heuer kein Indersdorfer Theater zu sehen.

Technische Probleme

Zwangspause: Heuer gibt es kein Theater in Indersdorf

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Das trifft vor allem die eingefleischten Fans hart: Es wird heuer kein Theater im Barocksaal geben. Die Indersdorfer Schauspieler müssen eine Zwangspause einlegen. Erst zum zweiten Mal innerhalb von 47 Jahren entfällt eine Spielzeit.

Eins steht fest: Gefallen tut ihnen die Entscheidung nicht. Sein muss es trotzdem. Die Indersdorfer Theaterer mussten ihre Vorstellungen für heuer absagen. 

Einer gefällt diese Zwangspause gar nicht. Aber Theatervereinsvorsitzende Gabriele Seidl-Böller weiß, dass es heuer schlicht nicht zu stemmen gewesen wäre. „Organisatorische und technische Gründe“, so Seidl-Böller, sind Schuld, warum die Theaterfans heuer kein Stück im Barocksaal sehen können. Heißt konkret: Die Lichtanlage, die im Kloster über der Bühne des Barocksaals angebracht war, ist veraltet und kaputt.

 „Eine neue Anlage anzuschaffen, wäre so kurzfristig nicht zu machen gewesen. Die kostet unwahrscheinlich viel Geld“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Sie ist seit fast 20 Jahren im Geschäft, die schlimmste Krise, durch die die Indersdorfer Theaterer durch müssen, ist die heurige. Auch einen externen Beleuchter zu bezahlen, wäre nicht drin gewesen. „So oft, wie wir den brauchen, hätte das der Verein nicht bezahlen können“, sagt die Vereinsvorsitzende. Zudem arbeitet der Theaterverein gut mit Realschule und Kloster zusammen, die auch Interesse an einer neuen Anlage haben, es dazu aber noch keine genauen Ideen gab, als die Schauspieler planen mussten. Ein weiteres Problem heuer: Der Theaterverein hätte den Strom von außen beziehen müssen – „da ist organisatorisch einfach zu viel zusammengekommen“. 

Derweil war heuer schon alles geritzt. Das Stück stand fest, die Rollen waren verteilt, genug Schauspieler gab es auch. Die Theaterer wollen ein sozialkritisches Stück präsentieren, etwas Aufwändiges, bei dem man nicht nur die Hauptbühne, „sondern auch die beiden Seitenbühnen komplett bespielen und entsprechend herrichten muss“, wie Gabriele Seidl-Böller erklärt. Deshalb musste irgendwann eine Entscheidung her, als im Juni klar war: Mit dieser Lichtanlage geht es nicht mehr. 

Nach intensiven Beratungen im Verein war schnell deutlich: „Das schaffen wir heuer einfach nicht alles.“ Denn wenn die Indersdorfer spielen, wollen sie es richtig machen. Da muss alles stimmen. Der Anspruch, den Schauspieler und Regisseur an sich selbst haben, ist hoch. Die Fans reichen längst nicht nur über die Gemeinde- sondern über die Landkreisgrenze hinaus. Gabriele Seidl-Böller betont: „Wir wollen auch keinen enttäuschen, sondern das abliefern, was die Leute von uns gewohnt sind.“ 

Gerade deshalb fällt die Zwangspause besonders schwer. „Das zu entscheiden, ist nicht einfach. Das zehrt schon an den Nerven“, weiß die Vorsitzende. Auch die Schauspieler seien sehr traurig. Erst zum zweiten Mal seit 1970 entfällt eine Spielzeit der Indersdorfer Theaterer. 2012 musste der Verein die Vorstellungen absagen, da sich ein Hauptdarsteller kurzfristig beim Fußballspielen das Bein gebrochen hatte. 

Einfach woandershin ausweichen konnte und wollte der Theaterverein nicht. Die Kulisse gehört zur besonderen Qualität der Gruppe, zudem ist ein Vorhang für den Auftritt unverzichtbar. 

Die gute Nachricht am Ende: Die Zwangspause soll nur für diese Spielsaison gelten. Gabriele Seidl-Böller ist optimistisch, dass der Verein 2018 wieder im Barocksaal auftritt.

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