1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Markt Indersdorf

Therapeut auf vier Pfoten: Labrador Merlin verzückt die Patienten

Erstellt:

Kommentare

Ein eingespieltes Team: Labrador Merlin mit Hundeführerin Franziska Hörl (l.) und Neuropsychologin Sandra Gruber.
Ein eingespieltes Team: Labrador Merlin mit Hundeführerin Franziska Hörl (l.) und Neuropsychologin Sandra Gruber. © Helios

Indersdorf – Die Helios Amper-Klinik Indersdorf hat einen neuen Mitarbeiter: Labrador Merlin ist zweimal im Monat in der tiergestützten Aktivierung im Einsatz. Er hilft älteren Patienten, ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten zu trainieren.

Treue Augen, weiches braunes Fell und eine feuchte Nase: Wenn Labrador Merlin den Therapieraum der Helios Amper-Klinik Indersdorf betritt, strahlen die Patientinnen und Patienten. „Merlin? Wie der Zauberer?“, fragt eine Patientin voller Vorfreude auf die Sitzung. Der dreijährige Vierbeiner sucht sofort den Kontakt. Er schnüffelt an den Händen und fordert sie mit einem sanften Stupser auf, mit ihm zu spielen. Was er besonders mag: auf Kommando Pfötchen geben oder Tricks vorführen. Noch besser findet er es, wenn jemand aus der Gruppe einen Ball wirft oder Leckerlis versteckt – und natürlich die Streicheleinheiten nach jeder Übung.

Merlin verzaubert mit seinem liebenswerten und friedlichen Wesen. Kein Wunder also, dass der dreijährige Rüde einen besonders wichtigen Job hat: Er ist ein Therapiebegleithund.

Die Reha-Patienten der Amper-Klinik Indersdorf, die sich auf Altersmedizin spezialisiert hat, haben den tierischen Kollegen in ihr Herz geschlossen. Sie befinden sich oft für einen längeren Zeitraum in der Klinik. Neben Behandlungen wie Physio- oder Ergotherapie ist der Besuch von Merlin eine willkommene Abwechslung: „Da vergisst man die Krankheit für kurze Zeit“, sagt eine Patientin sichtlich berührt nach der Sitzung.

Zweimal im Monat ist der Labrador gemeinsam mit Hundeführerin Franziska Hörl in der tiergestützten Aktivierung im Einsatz. Dabei handelt es sich um ein bewusst geplantes Angebot mit Tieren. Die Patientinnen und Patienten können dem Vierbeiner Kommandos geben und ihm Tricks beibringen.   

Streicheln gegen Stress und Angst

   Die tiergestützte Aktivierung soll die körperliche und seelische Verfassung verbessern, zum Beispiel bei Menschen mit Demenz, aber auch bei Patienten mit anderen geriatrischen Krankheitsbildern. „Jede Sitzung aktiviert unsere Patienten multimodal, die motorischen und kognitiven Fähigkeiten werden gesteigert, die Mobilität gefördert, Ängste abgebaut und Stress vermindert“, erklärt Neuropsychologin Sandra Gruber, die die Gruppensitzungen in der Klinik begleitet. Zu den Übungen gehört das Werfen eines Balls oder das Öffnen und Schließen des Reißverschlusses an der Tasche, in der sich die Belohnungen für den Hund befinden. „Plötzlich lächelt der Patient wieder und besinnt sich auf seine Fähigkeiten“, beobachtet Gruber.

Labrador Merlin kann zwar keine klassische Therapie ersetzen, bietet aber eine passende Ergänzung und kann den Erfolg einer Behandlung fördern. Hunde wirken sich nachweislich positiv auf die Gefühlswelt von Menschen aus. Beim Streicheln des Tieres wird das körpereigene Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das sich positiv auf den Körper auswirkt und Stress reduziert.

Eine Sitzungdauert 45 Minuten

Neuropsychologin Gruber ist überzeugt: „Merlin ist als Hund unvoreingenommen und nimmt den Patienten unabhängig von seiner psychischen oder körperlichen Verfassung bedingungslos an.“

An einer 45-minütigen Sitzung nehmen maximal sechs Patientinnen und Patienten teil. Wichtig ist, dass der Patient offen ist für die tiergestützte Aktivierung, nicht allergisch reagiert und sich vorher mit dem Besuch des Hundes einverstanden erklärt hat. Grundsätzlich ist das Mitführen von Tieren in einer Klinik nicht erlaubt.

Für Merlin gelten strenge Hygieneauflagen. So wird für ihn ein tierärztliches Gesundheitsattest benötigt, und er muss mit seiner Halterin in der Indersdorfer Klinik eine klar geregelte Wegeführung einhalten.  dn

Auch interessant

Kommentare