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In der Ausstellung präsentieren Robert Gasteiger r.) und Hans Kornprobst (l.) alles zu alter und aktueller Tracht im Landkreis wie der von Maria Hillreiner (Mitte).

Neue Ausstellung im Augustiner Chorherren Museum

Die Trachten-Protzerei

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Wie zeigt man, dass man gscheit Geld hat, wenn alle das selbe Festtagsgewand tragen? Die Frage haben sich früher alle gestellt, die auch in Tracht ordentlich protzen wollten. Brauchtumsexperte Robert Gasteiger kennt die Antworten. In einer neuen Ausstellung verrät er, mit was die Leute früher ihre Trachten aufgemaschelt haben.

Indersdorf – Er ist auf dem Gebiet ein Kenner. Nur ein Blick auf ein Schmuckstück genügt, und Robert Gasteiger kann genau sagen, wen er da vor sich hat. Einen Protzer, einen armen Bauern oder einen Traditionsliebhaber. Diesmal geht’s bei den Schmuckstücken aber nicht darum, welche Farbe vor bösen Geistern schützt oder mehr Lebensenergie bringt, wie bei der letzten Ausstellung im Indersdorfer Heimatmuseum „Glaube-Aberglaube“, sondern ums Thema: „Statussymbol Trachtenschmuck“.

Tracht gehörte früher dazu, wie das Bild aus dem alten Album von Familie Josef Schwarz aus Stangenried  zeigt.

Für die neue Ausstellung hat Robert Gasteiger wieder tief in seiner persönlichen Schatzkiste gekramt. 600 Exponate präsentiert er zusammen mit Hans Kornprobst diesmal den trachteninteressierten Besuchern. Knöpfe, Hutnadeln, Schuberketten, Charivaris, Kropfketten, Taschenuhren, Anhänger, Mantelschließen – egal, mit was die Leute früher und heute ihre Tracht aufgepeppt haben, Robert Gasteiger zeigt es im Indersdorfer Heimatmuseum – und Geschichten kann er auch dazu erzählen.

Gasteiger weiß zum Beispiel, dass die Tracht für manche hervorragend geeignet war, um zu zeigen: „I hob a Goid dahoam.“ Bisschen eben wie der Ferrari vor, statt in der Garage. Zum Beispiel: Dachauer Tracht ist Dachauer Tracht, könnte man meinen. I wo! Da gibt’s ja himmelweite Unterschiede, wenn man früher zeigen wollte, dass man zu den Geldigeren im Landkreis gehörte. Da geht’s schon los bei den Knöpfen. Jacke, Weste, Mantel, überall sind die Dinger dran. Aber allein bei der Frage, wie viele man trägt, kann man zeigen, wie dick der Geldbeutel ist. „Je mehr die Leute auf sich gehalten haben, umso mehr Knöpfe haben sie sich dran machen lassen“, sagt Gasteiger. Dann kommt’s natürlich, wie so oft, auf die Größe an. „Klar, je größer die Knöpfe, umso teurer waren sie. Wer wollte, konnte da ordentlich protzen.“

Zu sehen gibt es zum Beispiel Schuberketten  und Trachten-Uhren (siehe rechts).

Gasteiger weiß auch, dass aus manchen Gegenständen, die eigentlich eine simple Funktion hatten, wahre Statussymbole wurden. „Man muss sich nur die Miederketten anschauen“, sagt der Trachtenexperte und Brauchtumsreferent der Stadt Dachau. „Eigentlich hat da ein Seidenband oder eine einfache Kette den Zweck erfüllt, aber je reicher die Damen waren, mit umso mehr Ketten haben sie sich das Mieder geschnürt.“ Und damit nicht genug. Wer richtig klotzen wollte, hat sich auch noch zahlreiche Münzen an die Ketten gehängt. Und noch was weiß Gasteiger: Die wirklich Reichen im Landkreis „die hätten nie eine Dachauer Tracht angezogen“.

Wer die anderen Geschichten über unterschiedlichen Trachtenschmuck und die Trachten selbst erfahren will, ist in „Statussymbol Trachtenschmuck bestens aufgehoben. Für die Indersdorfer unter den Besuchern hat Mitorganisator Hans Kornprobst noch eine Überraschung: Er hat geforscht und weiß jetzt genau, wann und ob die Indersdorfer auch die Dachauer Tracht getragen haben – oft hört man nämlich im Ort, dem sei nicht so (Bericht folgt).

Und wer die Infos aus der Ausstellung gern immer wieder parat hätte – um beim Stammtisch zum Beispiel ein bissl mit Detailwissen aufzutrumpfen – für den haben die Organisatoren wieder alle Exponate in einem Buch festgehalten und detailliert beschrieben.

Buch und Ausstellung

Die Ausstellung Statussymbol Trachtenschmuck wird am Samstag, 22. April, um 18.30 Uhr offiziell im Indersdorfer Augustiner Chorherren Museum eröffnet. Bei schönem Wetter gibt es draußen Festreden, Freibier und Canapés. Zur Unterhaltung zeigen die Glonner Trachtler ein paar Tänze. Jeder ist zur Eröffnung willkommen. Zudem gibt es das neue Buch zur Ausstellung zu 18 Euro kaufen, 450 Stück liegen bereit – 130 sind bereits vorbestellt. Die Ausstellung geht bis 23. September.

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