Junge Frau mit drei Gläsern in der Hand
+
Lebensmittel kaufen ganz ohne umweltschädliche Plastikverpackungen: Das ist in Jessica Schilchers Unverpackt-Laden am Indersdorfer Marktplatz möglich. Der Name ihres Geschäfts ist dabei Programm: „Ohne Schmarrn“.

„Ohne Schmarrn“ einkaufen

Neuheit im Landkreis Dachau: Unverpackt-Laden eröffnet nächstes Jahr in Indersdorf

  • vonChristiane Breitenberger
    schließen

Mitten in der Corona-Krise fasst Jessica Schilcher aus Weichs einen Entschluss. Sie kündigt ihren Job und will ein Geschäft eröffnen: einen Unverpackt-Laden.

  • Mitten in der Corona-Krise hat Jessica Schilcher ihren Job gekündigt.
  • Die Weichserin hat nämlich einen Traum, den sie nun verwirklichen möchte.
  • Nächstes Jahr will sie einen Unverpackt-Laden in Indersdorf eröffnen.

Weichs/Indersdorf – Ein halbes Kilo Karotten für eine Person? Paprika nur im Dreier-Pack, alles dazu in Plastik eingeschweißt. In vielen Läden sind die meisten Lebensmittel in größeren Mengen abgepackt. Jessica Schilcher schüttelt den Kopf. Ist doch alles Schmarrn. Zum einen ist es Lebensmittelverschwendung, mehr zu kaufen, als man eigentlich braucht, zum anderen weiß ja mittlerweile jeder, wie schlecht Plastik für die Umwelt ist.

Aber vom Kopfschütteln allein ändert sich ja bekanntlich wenig, die Welt wird sicher nicht besser. Also will die Weichserin etwas tun, das auch wirklich etwas bringt. Sie hat ihren festen Job als Erzieherin zum Januar gekündigt, um etwas Neues zu wagen. Die Krise lähmt viele. Viele fühlen sich ohnmächtig vor Angst. Nicht Jessica Schilcher. Die 26-Jährige hat einen Entschluss gefasst: Sie will ihr eigenes Geschäft eröffnen! Und das, obwohl sie bisher vom Einzelhandel keinen Plan hatte – und dafür erst mal eine Menge Neues lernen musste.

Es wird ein Geschäft, das vieles besser machen soll. Der Name wird hier Programm sein: „Ohne Schmarrn“. Also: Ohne Plastik oder wenn’s geht: ganz ohne Verpackung. Ein sogenannter Unverpackt-Laden soll’s werden.

Unverpackt-Laden in Indersdorf: Das erste Geschäft im Landkreis Dachau

Die Idee ist nicht neu: Wie Pressesprecherin Shabnam Beus mitteilt, zählt der Verband der Unverpackt-Läden derzeit 314 Geschäfte, 60 davon allein in Bayern. 233 weitere sind in Planung. Doch im Landkreis Dachau wird Schilcher mit ihrem „Ohne Schmarrn“ die Erste sein. In Dachau ist laut Verband aber ebenfalls schon ein Unverpackt-Laden in Planung.

Schilcher beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Nachhaltigkeit, damit, wie sie Müll im Alltag vermeiden kann. Alles hat mit einem Shampoo angefangen, ein festes, eben ohne Plastikverpackung. „Da hab ich mir gedacht, das probier’ ich mal aus, und: fand das ganz cool“, erzählt Schilcher. Less is more, steht in schwarzen Buchstaben auf ihrem weißen T-Shirt: Weniger ist mehr.

Da hab ich mir gedacht, das probier’ ich mal aus.

Jessica Schilcher

Sie ist sich sicher: Ohne die Corona-Krise würde sie heute nicht kurz davor sein, ein Geschäft zu eröffnen. Im März kam der erste Lockdown und Schilcher, die Erzieherin im Kindergarten in Weichs ist, hat plötzlich Zeit. „Also hab’ ich mich weiter mit der Nachhaltigkeit beschäftigt.“ Schnell war ihr klar: Gerade im Bereich Lebensmittel will sie Verpackungen einsparen und Mengen kaufen können, die sie auch wirklich braucht. Sie stößt auf Unverpackt-Läden. Freising, Fürstenfeldbruck, München – das ist alles zu weit zu fahren. Ihr ist schnell klar: Ohne Verpackungen einzukaufen, das muss praktikabel sein.

Erster Unverpackt-Laden im Landkreis Dachau: Im Frühjahr will Jessica Schilcher eröffnen

Deswegen traf sie einen Entschluss: Sie will ihren eigenen Unverpackt-Laden eröffnen. Am Indersdorfer Marktplatz. Im Frühjahr soll’s losgehen. Die 26-Jährige ist sich sicher: Trotz Krise ist es genau die richtige Zeit für so einen Laden. Viele Leute, denen sie von ihrer Idee erzählt hat, sagten: „Das war mal nötig!“ Nachhaltig, umweltbewusst zu leben – das liegt bei vielen im Trend.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Hi, ich bin Jessi und ich habe Großes vor! Schon seit langem beschäftige ich mich damit wie ich in meinem Leben Plastik einsparen kann und außerdem gesünder und bewusster zu leben. In den vergangenen Monaten hatte ich nun (coronabedingt) noch mehr Zeit mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Dabei bin ich immer wieder über Unverpacktläden gestolpert, aber leider sind sie mir für den wöchentlichen Einkauf alle zu weit weg. Da spart man dann zwar Verpackungen, verfährt aber Sprit ohne Ende - auch nicht Sinn und Zweck des Ganzen. Was also tun? Die zündende Idee hatte ich im Frühjahr diesen Jahres: Ich mach's einfach selbst. Mein eigener Unverpackt Laden in Markt Indersdorf! 🌟 Vom Einzelhandel bisher keinen Plan machte ich mich auf dazuzulernen, mit Kursen, Austausch mit vielen lieben anderen Ladnerinnen und professioneller Unterstützung nimmt meine Vorstellung nun Gestalt an. Es wird Wirklichkeit. Ein großes Stück Arbeit liegt auch noch vor mir und ich freue mich darauf euch nächstes Jahr in meinem Laden "Ohne Schmarrn" begrüßen zu können. Bis bald 👋🏼

Ein Beitrag geteilt von Ohne Schmarrn (@ohne.schmarrn.unverpackt) am

Wenn Jessica Schilcher an Februar denkt, kann sie schon deutlich sehen, was es künftig im „Ohne Schmarrn“ so alles geben soll. Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Reinigungsmittel, Shampoo, Spülung, Deo, Seife, Zahnpasta. Nehme man nur Mal das Thema Zahnpasta ohne Plastikverpackung, sieht man, „dass es in allen Bereichen viele, viele Möglichkeiten gibt: als Pulver, als Tabs zum Zerkauen oder Zahncreme im Glastiegel“.

Fest steht dabei: Im „Ohne Schmarrn“ wird es nichts geben, was Jessica Schilcher nicht selber gut findet. Trockene Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Mehl wird es in großen Gläsern geben, der Kunde kann sich, so viel er davon braucht, in mitgebrachte Gefäße abfüllen. Schilcher ist nicht naiv, sie weiß: Wer unverpackt einkaufen will, muss etwas mehr planen, das geht oft nicht super-spontan. Das fängt eben damit an, dass man entsprechende Behälter mitnehmen muss. Aber sie ist sich sicher: Wer bewusst einkaufen will, der nimmt „diesen kleinen Mehraufwand gerne in Kauf. Im Prinzip ist das Unverpackte nicht schwieriger, man muss sich einfach nur davor mehr Gedanken machen“.

Unverpackt-Laden „Ohne Schmarrn“ in Indersdorf soll ein Ort zum Austausch sein

„Ohne Schmarrn“ soll nicht nur ein Laden zum Einkaufen werden. Es soll ein Ort zum Austausch werden, ein Platz, „an dem man sich ganz viele Tipps für eine nachhaltige Lebensweise holen kann“. So wie Jessica Schilcher auch immer auf der Suche nach Tipps war: Zum Beispiel: wie man seine Zahnpasta selber machen kann mit nur drei Zutaten. Vielleicht wird es auch ab und an Workshops oder Vorträge in einer Sitzecke geben. Preislich soll das Sortiment nicht über einem Bioladen liegen. Was Jessica Schilcher am wichtigsten ist: Ihr Laden soll ein Ort für alle werden, Jung, Alt, Familien. „Ich bin mir sicher, dass sich alle angesprochen fühlen. Früher war’s zum Beispiel völlig normal, dass nicht jeder Schmarrn in Plastik eingepackt war.“

Mehr Informationen

zu Jessica Schilcher und ihren Unverpackt-Laden „Ohne Schmarrn“ in Indersdorf gibt es auf ihrer Facebook-Seite.

Auch interessant

Kommentare