„Eine Epoche geht zu Ende“

Verabschiedung von Indersdorfs Realschulrektor Anton Wagatha 

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Viele Gäste haben ihn bei einer Feierstunde in endlose Ferien entlassen: Indersdorfs Realschulrektor Anton Wagatha geht nach 41 Jahren in seinen wohlverdienten Ruhestand. Da war selbst der erfahrende Schulleiter etwas aufgeregt, denn: Die Schule war für ihn immer mehr als nur ein Arbeitsplatz.

Indersdorf – „Eine Epoche geht zu Ende“, sagte der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath. „Das ist nicht wirklich eine Feierstunde“, bekannte Landrat Stefan Löwl, und der Indersdorfer Bürgermeister Franz Obesser sagte: „Eine Indersdorfer Institution geht in den Ruhestand.“ Anton Wagatha, seit 41 Jahren an der erzbischöflichen Vinzenz-von-Paul-Realschule in Indersdorf, wurde am Donnerstag in „endlose Ferien“ verabschiedet – und das gebührend.

Aufgeregt war er schon ein bisschen: „Ab zwei Uhr habe ich nicht mehr schlafen können“, sagte Anton Wagatha vor den Feierlichkeiten. Das war auch kein Wunder, denn nach 41 Jahren seinen Arbeitsplatz zu verlassen, das ist schon ein großer Schritt.

Für Wagatha war es zudem mehr als ein Arbeitsplatz: Es war seine zweite Familie. Die Schulfamilie, wie er es immer nannte. Und dann waren da ja auch noch die vielen Gäste, die extra zu seiner Abschiedsfeier gekommen waren, wie die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeld, Landrat Stefan Löwl, die Landtagsabgeordneten Martin Güll und Bernhard Seidenath, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, die Vertreter der Erzdiözese München und Freising, die des Realschullehrerverbandes, und, und, und... Aufregung war da also durchaus angebracht.

Seit 1976 ist Anton Wagatha an der altehrwürdigen Schule, seit 2003 leitet er sie. In dieser Zeit hat er viel miterlebt, wie die Öffnung der ehemaligen Mädchenschule für Buben, den Neubau und die Einführung der sechsstufigen Realschule. Und er hat auch selbst viel erreichen können: So kann sich der Indersdorfer die Angliederung der FOS im Jahr 2016 sowie die heuer fertig gestellte Generalsanierung auf die Fahne schreiben.

Der 65-Jährige hinterlässt deutliche Spuren in Indersdorf, das würdigten alle Laudatoren. „Es geht mehr als ein Schulleiter, es geht der Schulvater der Schulfamilie“, sagte schon Pater Michael de Koninck beim Festgottesdienst in der Schulturnhalle. Beim eigentlichen Festakt im wunderschönen Barocksaal der Realschule schloss sich eine Rede der nächsten an. „Diese Realschule ist Dein Werk“, sagte beispielsweise Bernhard Seidenath. SPD-Schul-Experte und ehemaliger Rektor der Indersdorfer Mittelschule, Martin Güll, lobte vor allem die Initiative aus Wagathas Anfangszeit, dass alle Schulen, egal welcher Art, in Indersdorf zusammenarbeiten sollten. Landrat Löwl verwies auf die rund 2000 Schüler, die allein während Wagathas Zeit als Schulleiter hier ihren Abschluss machten. Und er sagte abschließend schmunzelnd zum Löwen-Fan Wagatha: „Zu deiner Verabschiedung spielen die 60er endlich auch im Landkreis Dachau.“

Der Münchner Architekt Roland Jesse, der mit Wagatha die Generalsanierung absolvierte, sprach vom „Baumeister Toni“, der eine „unbändige Lust zu bauen“ verspüre. Das wird er übrigens jetzt in seiner freien Zeit auch machen. Denn das Haus der Familie Wagatha sei in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen, wie er selbst zugibt. Schüler und Lehrer untermalten den Festakt mit muskalischen Darbietungen und einem Sketch.

Am Schluss überreichte Lehrer Andreas Neumann dem „Realschuldirektor im Kirchendienst“ die Geschenke der Schule. Eines davon: Das Musikzimmer wird in Anton-Wagatha-Zimmer unbenannt. Als Wagatha mit seinen Präsenten von der Bühne schritt, stellte sich minutenlanger, stehender Applaus für den scheidenden Rektor ein. Anton Wagatha geht wehmütig, wie er selbst zugibt. „Ich werde meine Schüler und Lehrer vermissen. Das Schönste war, jeden Tag mit den Kindern zu verbringen. Die Schulfamilie war mir immer absolut das Wichtigste.“

Aber er ist ja nicht aus der Welt, und vor allem für seinen Nachfolger Klaus Fortner wird er in der Anfangszeit stets erreichbar sein. „Er hat mir erstmal Urlaubsverbot verordnet, so dass ich ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.“ Zudem ist der 65-Jährige weiterhin als Vorsitzender des Heimatvereins aktiv. Aber bei einer Sache wird er sich zukünftig auf jeden Fall raushalten – hofft zumindest Ehefrau Petra: „Wenn nachts der Brandalarm in der Schule losgeht – da muss er nicht mehr raus und herfahren.“

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