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Ortstermin Gewerbegebiet: Homayun (l.) und Khatool Abd vor der Halle.

Ortstermin mit dem Verwaltungsgericht München

Aus der Vergnügungsstätte wird wohl nichts

Die Gastronomen Homayun und Khatool Abd wollten eine Halle im Indersdorfer Gewerbegebiet zu einer Veranstaltungsstätte für Hochzeiten und Geburtstage umbauen. Doch die Gemeinde und die Nachbarn haben etwas dagegen.

Indersdorf– Es ist ein außergewöhnlicher Gerichtstermin am frühen Donnerstagmorgen mitten im Indersdorfer Gewerbegebiet: Richter Johann Oswald vom Münchner Verwaltungsgericht steht mit rund 20 Vertretern des Verwaltungsgerichts, Gemeinde, Anwälten und Klägern vor einer heruntergekommenen, rund 60 Meter langen, weißen Wellblechhalle an der Lorenz-Braren-Straße. Um die Halle dreht sich der Ortstermin: Homayun (58) und Khatool Abd (42), Gastronomen aus München haben das Gebäude vor fünf Jahren gekauft und wollen es zu einer Gaststätte mit 413 Sitzplätzen und 39 Autostellplätzen umbauen – mit einem Saal für große Familienfeiern und Geburtstage. Dagegen haben die Gemeinde und die Nachbaren Alfred, Franz und Katharina Geretshauser geklagt.

Die Baugenehmigung wurde bereits im Oktober 2015 erteilt. Das Problem der Gemeinde: „Wenn bis zu 400 Personen kommen, sind 39 Parkplätze einfach zu wenig“, sagte Bürgermeister Franz Obesser (CSU). Es handle sich nicht nur um eine Gaststätte, sondern um eine Vergnügungsstätte, weil viele Veranstaltungen stattfinden sollen. In der Stellplatzsatzung der Gemeinde seien für eine Vergnügungsstätte mindestens 84 Stellplätze vorgesehen. Der Verkehr laufe aus dem Ruder, wenn die Halle so umgebaut würde, so Obesser.

Auch Alfred Geretshauser hat mit seiner Mutter Katharina und Bruder Franz Geretshauser gegen die Baugenehmigung geklagt. Sie haben Bedenken wegen des Brandschutzes und des nachbarschaftlichen Rücksichtnahmegebots. Denn sie betreiben neben der Halle eine Innenausbau-Firma, darin sind Ausstellungsräume und Büros untergebracht. „Wenn an der Halle ein Feuer ausbricht, dann könnte es sofort auf unser Gebäude übergreifen“, sagt er.

Außerdem wohnt Franz Geretshauser dort in einer Betriebsleiterwohnung. „Wir hätten eine ewige Lärmbelästigung, wenn dort jedes Wochenende Veranstaltungen mit rund 400 Leuten stattfinden“, sagt Alfred Geretshauser. Zudem kritisiert er die zu wenigen Stellplätze: „Wir haben hier sowieso schon ein Parkplatzproblem.“

Nachdem die drei Richter sowohl die mögliche Veranstaltungshalle von außen und die Büros der Innenausbau-Firma von innen besichtigt haben, ziehen sie sich zu einer viertelstündigen Beratung zurück. Sowohl für Alfred Geretshauser und die Eheleute Abd sind es bange Minuten. „Wir haben für die Halle einen hohen Kredit aufgenommen“, sagt Khatool Abd. 

Die drei Richter kommen zu der Erkenntnis, dass es sich bei der geplanten Gaststätte nicht nur um eine Wirtschaft mit Essen und Trinken handelt, sondern um eine Vergnügungsstätte mit häufigen Veranstaltungen am Wochenende. Dafür müsste die Gemeinde wegen des bestehenden Bauplanungsrechts eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Das will sie nicht, wie Bürgermeister Obesser auf dem Termin mitteilt.

Zudem gebe es keine Betriebsbeschreibung in der Baugenehmigung, so Richter Oswald, wie zum Beispiel ein Lärmschutzgutachten für das gesamte Gebäude. Die Büros neben der Halle seien aber als zu schützende Räume aufzunehmen, sagt der Richter.

Zudem erkennt die Kammer, dass es an Stellplätzen fehle: „39 Stellplätze reichen für 400 Besucher einfach nicht aus.“ Der Anwalt der Abds reagiert darauf bissig: „Wir hatten schon das Gefühl, dass der Gemeinderat von den Nachbarn ziemlich beeinflusst wurde“, sagt er.

Das schriftliche Urteil steht aus, es wird den Beteiligten zugestellt.

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