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Sie alle lieben ihr Indersdorfer Volksfest: Beim Einzug marschieren jedes Jahr mehr als 40 Vereine mit.  

Nachbarin beschwert sich über Lautstärke

Die Gemeinde steht hinter dem Indersdorfer Volksfest

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Heute Abend treffen sich einige Indersdorfer zur Bierprobe fürs Volksfest. Doch eine Geschichte könnte die Stimmung trüben: Eine Volksfestanwohnerin hat sich bei der Gemeinde vehement über das Fest beschwert. Es sei viel zu laut. Doch Bürgermeister Franz Obesser betont: Das Volksfest bleibt, wie es ist. Denn es gehört einfach zu Indersdorf dazu.

Indersdorf – Einige Indersdorfer machen sich Sorgen, dass ihr Volksfest heuer ein anderes sein wird, als sie es seit vielen Jahrzehnten kennen. Eines, bei dem man nicht mehr so ausgelassen feiern kann, eines, das seinen Charakter wegen zu vielen Regelungen verliert. Der Grund: Sie haben mitbekommen, dass sich eine Anwohnerin im vergangenen Jahr massiv bei der Gemeinde über das Fest beschwert hat. Vor allem sei es ihr zu laut, sagen Veranstalter Josef Schuster junior und der Geschäftsleiter der Gemeinde, Klaus Mayershofer.

Was Mayershofer und Bürgermeister Franz Obesser damals überraschte: Es war keine neue Anwohnerin, die sich beschwerte, sondern jemand, der bereits seit vielen Jahren dort am Volksfestplatz lebt. „Das ist schon eigenartig, schließlich findet das Volksfest dort ja seit Jahrzehnten statt“, sagt Klaus Mayershofer. „Es gehört einfach zur Indersdorfer Tradition“, betont auch Bürgermeister Franz Obesser.

Auch Veranstalter Josef Schuster ist enttäuscht. Vor allem, weil die Anwohnerin nie mit ihm persönlich habe sprechen wollen. „Das hat sie leider immer abgelehnt, obwohl der Bürgermeister mehrmals angeboten hat, dass wir uns doch alle zusammen setzen könnten.“ Mit der übrigen Nachbarschaft pflege er ein gutes, entspanntes Verhältnis – „bei auftretenden Problemen setzt man sich zusammen und versucht, eine vernünftige Lösung herbeizuführen“.

„Das Volksfest gehört zu uns wie die Kosterkirche und der Faschingsumzug.“ Bürgermeister Franz Obesser

Doch die Gemeinde positioniert sich ganz klar für das Volksfest. „Das gehört zu uns wie die Klosterkirche und der Faschingsumzug“, betont Franz Obesser. Er selbst schätzt die Tradition dieses Festes. „Man muss sich nur umschauen, wie viele Feste es in der Umgebung früher mal gab und wie viele jetzt weggefallen sind. Da sind wir doch stolz, dass sich so ein friedliches Fest bei uns etabliert hat. Ich stehe persönlich voll zum Volksfest.“ Zudem betont Obesser, dass sich solche Traditionsfeste auch weiterentwickeln müssen, um für Besucher interessant zu bleiben. „Jeder hier spricht von unserem Volksfest – das soll auch so bleiben.“ Beim Volksfesteinzug marschieren jedes Jahr über 40 Vereine mit. Deshalb gibt Obesser Entwarnung: „Das Volksfest wird nicht anders werden als in den anderen Jahren.“ Trotzdem nimmt die Gemeinde das Ruhebedürfnis der Anwohnerin ernst – aber im gesetzlichen Rahmen eben. Im Rahmen der sogenannten Freizeitlärmrichtlinie ist es nämlich möglich, an Tagen vor dem Wochenende und an Tagen vor Feiertagen die Nachtzeit (in der bestimmte Lärmverordnungen gelten) zwei Stunden nach hinten zu schieben. Und das will die Gemeinde auch weiterhin so genehmigen und steht bewusst hinter der Entscheidung. „Natürlich geht es nicht ohne Regeln – auch Nachbarn haben ein wichtiges Schutzbedürfnis – aber die fünf Tage im Jahr, an denen es mal länger laut sein kann, das sollte man als Nachbar auch aushalten können. Schließlich kommen täglich Tausende, die das Volksfest lieben“, sagt Mayershofer. Die restliche Zeit im Jahr werde die private Festwiese ohnehin für keine Veranstaltungen genutzt. „Ich hätte die Möglichkeit, den Festplatz im Rahmen der gesetzlichen Richtlinien unter dem Jahr für weitere Veranstaltungen zu nutzen“, erklärt Schuster. „Darauf habe ich bislang verzichtet, um die Anwohner möglichst zu schonen.“

Heuer hat er das Sicherheitspersonal extrem aufgestockt

Zudem tut Schuster laut Obesser ohnehin alles, damit es zu so wenig Beeinträchtigungen wie möglich für die Nachbarn kommt. Heuer hat er das Sicherheitspersonal extrem aufgestockt, „so dass das Areal vor dem Festplatz so schnell wie möglich geräumt werden kann und die Besucher dort nicht verweilen“, so Schuster. Zudem hat er mehrmals am Abend Lärmmessungen in Auftrag gegeben, um bei Überschreitungen sofort reagieren zu können.

Josef Schuster sieht die Sache realistisch: „Einzelne Beschwerden von Anwohnern wegen des Volksfestes gab es immer schon. Aber ich muss sagen, dass der Großteil der Anwohner sich überaus verständnisvoll und tolerant zeigt. Viele gehen selbst aufs Volksfest und wissen, dass sich der große Trubel eh nur auf wenige Tage am Wochenende oder vor dem Feiertag beschränkt und dann wieder für das ganze Jahr Ruhe einkehrt.“ So lange bestimmte Auflagen nicht den Charakter des Fests verändern, oder bewirken, dass es für Festwirt und Schausteller nicht mehr rentabel ist, will Schuster das Fest weiter veranstalten – aber eben nicht länger.

Am Ende hofft Schuster immer noch auf ein persönliches Gespräch mit der Anwohnerin, die sich beschwert hat. „Es wäre mir eine Freude, besagte Anwohnerin einmal persönlich auf dem Volksfest begrüßen zu dürfen, dass sie sich auf ein Getränk und eine Brotzeit zu uns setzt und man ihr in der Praxis veranschaulichen kann, dass das doch alles halb so schlimm ist.“

Heute Abend auf der Bierprobe im Sudhaus wird er den Gästen erzählen, was es heuer neues gibt – zumindest eine Überraschung dürfte dabei sein.

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