Mann Bank Schauspieler Marterl
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Hier nimmt alles seinen Anfang: Neben dem Marolds-Marterl erwacht der Mönch im Jahr 2020 – gespielt von Gerhard Seemüller.

Besonderer Beitrag zum Kloster-Jubiläum

Cooler neuer Heimatfilm: Wenn ein Mönch Indersdorf neu lieben lernt

  • vonChristiane Breitenberger
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Viel war geplant für das Indersdorfer Kloster-Jubiläum. Aber: Wegen der Pandemie viel alles aus. Doch ein paar Indersdorfer wollten nicht einfach Trübsal blasen, sondern: etwas schaffen! Sie produzierten den Marold-Film. Ein Werk, das zeigen soll: Darum, und zwar genau darum, ist es hier so schön. Ab dem 17. Dezember ist der Film zu sehen, und so viel sei versprochen: Wer ihn anschaut, wird überrascht sein, wer alles mitspielt!

Indersdorf – Der Marold, der hätte sich so ein Jubiläumsfest zum 900-jährigen Bestehen des Indersdorfer Klosters wahrlich auch anders vorgestellt – also sofern er sich als Indersdorfer Lokalheiliger das Ganze vom Himmel aus hätte anschauen können. Ein Jahr voller Veranstaltungen und wegen einer weltweiten Pandemie muss alles ausfallen. Klar, dass das viele traurig machte. Und deshalb hatte Christian Hofstetter einen Wunsch: etwas finden, das trotz Pandemie möglich ist.

So entstand die Idee für den Marold-Film. Und wie das so ist mit guten Ideen – selten entwickelt man sie ganz allein. Als klar war, wie das Filmgerüst aussehen soll, kam Bernhard Schilcher der Einfall: Der Protagonist, dafür eignet sich doch perfekt Indersdorfs Ortsheiliger – wenn man denn schon einen hat. Das Konzept ist also: Marold (siehe Infobox unten) erwacht im Jahr 2020 wieder zum Leben – logisch, neben seinem Marterl, wo sonst. „Gott hat einen speziellen Auftrag für ihn: Er soll innerhalb von 24 Stunden rausfinden, warum es auch heute noch so schön ist, in Indersdorf zu leben“, erklärt Hofstetter, Regisseur des Films.

Irgendein baaz-fader, steifer Film, das war aber nichts für Hofstetter (54). „Es sollte ein moderner, lustiger Film werden, einer, den sich junge Leute genauso gerne anschauen wie ältere.“ Das Film-Metier ist nicht ganz neu für Hofstetter, drehte er bereits früher hobbymäßig einige Musikvideos.

Die Filmemacher, darunter auch Johannes Böller, Regina Stranninger und Gerhard Seemüller, mussten also überlegen: Wen soll Marold auf seiner kleinen Entdeckungstour durch Indersdorf alles treffen? Sie machen also eine erste Liste. Und stellen fest: „Da stehen ja nur alte Männer drauf!“, erzählt Hof-stetter und lacht. Also disponierte das Filmteam ein wenig um. „Rausgekommen ist eine ganz bunte Mischung.“

Wer niemanden überraschen dürfte, ist Bürgermeister Franz Obesser, aber auch Indersdorfer Originale, „wie die Frau vom Wertstoffhof und viele andere, kommen vor“, verrät Hofstetter. Besonders spannend an dem Projekt war, dass keiner wusste, was wirklich dabei rauskommt. „Wir wussten ja nicht, was die Leute erzählen würden, wir haben ja nichts vorgegeben“, erklärt der Regisseur.

Marold, gespielt von Gemeinderat Gerhard Seemüller, besuchte also eine Menge Leute und ließ sich von ihnen die kleinen und großen Besonderheiten rund um Indersdorf erzählen. In weißem Mönchsgewand und Römer-sandalen, versteht sich. Da kam’s natürlich etwas, sagen wir mal, ungelegen, als er vor der Klosterbäckerei stand und seine Eltern vorbeikamen. Den Kommentar des Vaters „Des ist doch der Gerhard“, wischte die Mama schnell beiseite mit „Na! Unser Bua dad doch nia so rumlaffa!“ Na ja, tat er doch. Aber eben alles nur für den Film. Gerhard Seemüller machte das Ganze so viel Spaß, dass er sich gut vorstellen kann, auch künftig wieder bei einem Filmprojekt dabei zu sein.

Hofstetter und Seemüller haben aber nicht nur bei dem Film zusammengearbeitet – sie haben auch einen eigenen Marold-Song komponiert und geschrieben – mit der Lobes-Komposition des Geistlichen Rats Balthasar Ranner, der von 1936 bis 1948 in der Klosterkirche als Seelsorger wirkte, hat das Lied aber wenig bis nichts zu tun. Der neue Marold-Song ist ein lustiger Rap. „Das hat mir fast noch mehr Spaß gemacht als das Schauspielern“, sagt Seemüller und lacht.

Viele, die bisher von „Bruder Marold – der Film“ gehört haben, seien begeistert gewesen, erzählt Hofstetter. Er und sein Team hoffen, dass sie die Indersdorfer mit ihrem Werk in der jetzigen Zeit mit ein bisschen Witz unterhalten können.

Bruder Marold der Film:

Der selige Marold

Wer in Indersdorf zur Grundschule ging, der kennt sie: Die Geschichte des seligen Marolds. Bei der Klostergründung vor 900 Jahren lebte er dort als Mönch. Er half Armen und Kranken und wurde später seliggesprochen. Kein Wunder, schenkt man den Geschichten Glauben. Er versorgte verbotenerweise Kranke in Siechenhäusern bei Straßbach mit Essen. Er sammelte für diese Menschen Reste von Brot und Wein, die im Kloster übrig geblieben waren, und Speisen, die er sich selbst vom Mund abgespart hatte. Andere Ordensbrüder schwärzten ihn an, befürchteten Schaden für das Stift. Doch als der Probst einmal zur Kontrolle in Marolds Essens-Korb sah, waren nur Lauge und Späne darin, so die Geschichte. Marold soll so überrascht von diesem Wunder gewesen sein, dass er dem Probst die Wahrheit sagte und dieser: Soll ihm von da an seine guten Taten erlaubt haben, da er ja mit eigenen Augen gesehen hat, dass Marold von Gott gesegnet war. Marold starb 1172 nahe Straßbach – in den Moment sollen alle Glocken geläutet haben. Heute erinnert ein Marterl an den Wohltäter. cb

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