Antrag der SPD im Gemeinderat 

Wollen die Indersdorfer eine Gemeindepartnerschaft?

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Die SPD wünscht sich eine Partnerschaft mit einer anderen Gemeinde. Auch die anderen Fraktionen im Gemeinderat stehen dem Vorschlag offen gegenüber. Ob daraus was wird, liegt jetzt an den Indersdorfern.

Indersdorf – Früher, da hatten Gemeindepartnerschaften vor allem ein Ziel: Sie sollten die Menschen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg wieder näher zusammenbringen. Gerade eine Freundschaft zwischen französischen und deutschen Gemeinden war wichtig und beliebt. Jahrzehnte zogen ins Land, Europa rückte wieder zusammen. Doch eine Entwicklung der vergangenen Jahre macht dem Indersdorfer Fraktionsvorsitzenden der SPD, Hubert Böck, Sorgen: „In der letzten Zeit ist leider der Nationalgedanke bei vielen wieder stärker geworden. Das zeigt: Solche Partnerschaften sind wieder notwendig geworden.“

Böck hält nichts von nationaler Eigenbrödlerei, er wünscht sich zusammen mit seiner Fraktion eine Gemeindepartnerschaft für Indersdorf. „Unsere Jugend soll andere Länder kennenlernen, es ist nicht gut, dass der Nationalismus wieder so aufkommt“, sagte er in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Mittwochabend.

Deshalb hat die SPD einen Antrag gestellt: Die Gemeinde soll eine Gemeindepartnerschaft errichten. Welche andere Gemeinde aus welchem Land sich dabei gut für einen Austausch mit Indersdorf eignet, sollen die Leute vor Ort entscheiden. Der Meinung sind auch die meisten Gemeinderatskollegen. Eine Partnerschaft sei grundsätzlich toll, doch darüber solle nicht der Gemeinderat bestimmen. Helmut Ebert von den Freien Wählern betonte: „Das darf nicht von oben herab aufgesetzt werden.“ Deshalb wollen die Gemeinderäte herausfinden: Wer hat bereits Beziehungen zu anderen Gemeinden, wo gibt es Verbindungen zu Indersdorf und was ist nicht zu weit weg? Die Gemeinde ist offen für alle Vorschläge von Bürgern oder Vereinen.

Manche Gemeinderäte wie Ebert oder Thomas Loderer vom Niederrother Bürgerblock machen sich Sorgen, dass gerade Jüngere bei so einer Partnerschaft nicht richtig mitziehen würden. Doch Martina Tschirge und Anita Engelbrecht (beide SPD) berichteten von ihren positiven Erfahrungen, die sie bei Partnerschaften von Dachau und Vierkirchen beobachtet haben. Vierkirchens Verbindung zum italienischen Genazzano sei „sehr lebendig mit Fußballturnieren und Musikauftritten für junge und alte Leute“, so Tschirge.

Bürgermeister Franz Obesser recherchierte zum Thema Gemeindepartnerschaften Indersdorf und fand heraus: „In Indersdorf gab es schon früher immer mal wieder Bemühungen, eine Partnerschaft zu schaffen, wie mit Ungarn oder dem Augustiner-Kloster Neustift in der Gemeinde Vahrn in Südtirol.“ Doch draus geworden ist nie was. Obesser steht einer Partnerschaft wie die restlichen Gemeinderäte sehr offen gegenüber. Aber: Die Indersdorfer müssen mitziehen. „Der Wunsch muss aus der Bürgerschaft kommen. Wenn die Partner zu Besuch kommen, will ich sie ja nicht beim Hohenester oder so einquartieren. Da müssen unsere Leute dahinterstehen und die Sache unterstützen.“

Die Gemeinde hat 5000 Euro für den Start des Projekts in den Haushalt 2017 eingestellt. Einstimmig beschlossen die Gemeinderäte, einen Aufruf im Mitteilungsblatt zu veröffentlichen, dass Bürger und Vereine gebeten sind Vorschläge für eie mögliche Partnerschaft zu machen.

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