Ohne sie gibt’s keinen Maibaum: Michael Eberhardt, Stefan Spaderna und Franz-Josef Hechtl vom Feuchten Club. Foto: cb

Danke fürs Brauchtum

Indersdorf - Es gibt Feste, da feiert der ganze Ort - engagiert haben sich nur wenige. Bürgermeister Josef Kreitmeir hat jetzt die zum Neujahrsempfang eingeladen, die sich um die Maibäume kümmern. Weil für sie Brauchtum keine leere Floskel ist.

27 Meter ist er lang. Franz Josef Hechtl schaut zufrieden auf den riesigen Lackl von Baumstamm, der da vor ihm in der Bauernhalle liegt. Es ist nämlich sein Lackl von Baumstamm. Zumindest hat er ihn mit seinen Männern vom Feuchten Club ausgesucht. Und zwar mit einem ganz besonderen Anspruch: Der Baum soll der perfekte Maibaum werden. Der perfekte Maibaum für Indersdorf.

Seit zehn Jahren kümmert sich Hechtl mit seinen Männern um diese Tradition. Deshalb stehen jetzt drei von ihnen im Indersdorfer Rathaus beim Neujahrsempfang. Bürgermeister Josef Kreitmeir hat heuer die eingeladen, die sich Jahr für Jahr um die Maibäume in den Ortschaften der Gemeinde Indersdorf kümmern - 14 Vereine und Clubs engagieren sich hier für diese Tradition. „Wir wollten Euch danke sagen. Ihr sorgt dafür, dass der ganze Ort beim Maibaumaufstellen feiern kann - ohne euch gäb’ es diese Feste nicht“, sagt Kreitmeir.

Das sehen auch die Drei vom Feuchten Club so. „Wenn wir’s nicht machen, macht’s vielleicht keiner mehr“, sagt Michael Eberhardt. Er erinnert sich noch gut daran, wie er schon als Bub immer dabei war, als noch die Väter im 6er-Club den Baum für die Gemeinde aufgestellt haben. Seit 1973 hat sich der Club um die Tradition gekümmert. Dann „als sie ins gewisse Alter kamen, haben wir den Brauch eben übernommen“ sagt Hechtl.

Seitdem stehen er und seine Männer alle drei Jahre im Wald und suchen einen Baum aus. Dann schälen sie die Rinde ab und lassen ihn zwei Monate trocken. Und dann, so im Februar, wird aus dem 27-Meter-Waldbaum ein Maibaum. „Wir hobeln ihn erstmal ab, dann kriegt er zwei Schichten Weiß drauf“, sagt Hechtl. Zehn bis zwölf Liter Farbe braucht das Prachtstück. Und das ist begehrt.

Das weiß auch Bürgermeister Josef Kreitmeir. Zur Tradition gehört nämlich nicht nur das Maibaumaufstellen, sondern auch das Stehlen. „Die Burschen aus Sigmertshausen haben sogar T-Shirts, wo sie auf die Rückseite drucken, wo sie schon überall geklaut haben“, sagt Kreitmeir und lacht. Indersdorf steht allerdings nicht drauf. Da haben sich schon viele die Zähne ausgebissen.

Denn der Feuchte Club hat eine ganz verrückte Diebstahlsicherung: Der Baum ist nämlich immer zu lang für die Halle, in der er lagert. Und über das freie Ende, da stülpen die Männer einfach was drüber. Aber nicht irgendwas: „Wir ziehen einfach einen Schiffscontainer drüber“, verrät Hechtl. Und um den wegzukriegen, braucht es schon schweres Gerät. Auch damit haben es schon einige versucht. „Mit Stapler und Tieflader sind sie mal angerückt“, sagt Hechtl. Doch da ging nix. Die Alarmierung lief eins-a: „Um drei in der Nacht haben mich Nachbarn angerufen, dass sich was bei unserem Baum tut“, sagt er. „Innerhalb einer Minute war ich da. Die hatten keine Chance“. Aber nicht nur der Container schützt den Baum.

An den letzten vier Tagen vor dem ersten Mai lässt der Feuchte Club sein Prachtstück nicht mehr aus den Augen. „Da ist rund um die Uhr jemand da“, sagt Michael Eberhardt. An einem Abend passen sogar die alten Hasen vom 6er-Club auf. Und der letzte Abend, der gehört den Frauen. „Wir müssen doch am nächsten Tag fit zum Aufstellen sein“, sagt Eberhardt.

Müssen sie - und die andern Vereine, die für die Maibaumfeste sorgen auch. Damit die Indersdorfer zusammen feiern können.

Christiane Breitenberger

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