Krebserzeugende Stoffe freigesetzt

Auf Indersdorfer Baustelle falsch mit Asbest gearbeitet?

Indersdorf - Bauarbeiter hatten in Indersdorf auf Asbestplatten herum geschnitten. Jetzt mussten sich ein Bauingenieur und dessen Bauleiter vor dem Dachauer Amtsgericht verantworten.

„Früher haben wir die Asbestplatten noch mit der Flex geschnitten“, erzählte Vorarbeiter Heinz L. (Namen der Angeklagten geändert) dem Richter Tobias Bauer und grinste. Denn die Richtlinien für den Umgang mit Asbest haben sich in den letzten Jahren enorm verschärft. Seit rund 16 Jahren ist Asbest in der ganzen Europäischen Union verboten und muss unter der Aufsicht eines Experten mit besonderer Lizenz und durch Arbeiter in Ganzkörperoverall, Schutzmaske und Gummihandschuhen entsorgt werden.

Heutzutage muss bei den Abbrucharbeiten ein Sachkundiger vor Ort sein und die Bauarbeiter einweisen und kontrollieren. Außerdem muss der gesetzlich verpflichtende Experte auf dem Bau auch darauf achten, dass die Arbeiter die hochgiftigen Asbestplatten nicht einfach zertrümmern.

Auf der Indersdorfer Baustelle fehlte dieser Spezialist mit einer entsprechenden Lizenz für Asbestabbruch jedoch. Der Schaden für die Umwelt war groß: Der starke Wind im März vergangenen Jahres verwehte die hochgiftige Faser.

Der 58-jährige Bauingenieur Simon H. wusste zwar über die besonderen Vorschriften Bescheid, aber machte sich keine großen Gedanken über die nötige Lizenz. Er beauftragte einfach die Firma seines langjährigen Freundes Fritz T. für den Abbruch der Asbestfassaden. Dass dessen nötige Lizenz für die Beseitigung der hochgefährlichen Faser im März letzten Jahres schon jahrelang abgelaufen war, störte den Ingenieur nicht weiter: „Wir kennen uns schon seit 15 Jahren, ich wusste, dass er Asbestarbeiten schon einmal gemacht hat. Für mich gab es keinen Grund, nochmal weiter nach einer Lizenz nachzubohren.“

Deshalb warf Staatsanwalt Sven Jaspers dem Gröbenzeller Ingenieur Simon H. und dessen zuständigem Bauleiter Michael P. (48) vor, dass kein Asbestexperte vor Ort war: „Durch den unsachgemäßen Trümmerabbruch der asbesthaltigen Hausfassade sind fortpflanzungsgefährdende, erbgutverändernde und krebserzeugende Stoffe freigesetzt worden.“

Das bestätigte auch der Umweltschutzbeamte, der zur Kontrolle auf der Baustelle war. Er habe damals gesagt: „Alle Arbeiten sofort einstellen! Denn bei dem starken Wind fliegen die gefährlichen Asbestfasern wieder in die Luft“. Zuvor hatte der Beamte eine Klage vom Gewerbeaufsichtsamt der oberbayerischen Regierung auf den Tisch bekommen, da sich Bürger über die Indersdorfer Baustelle beschwerten: „Die Asbestplatten wurden runtergehackt und fielen auf den Boden. Danach sind die Arbeiter dann darauf herumgetrampelt.“

Richter, Staatsanwalt und die zwei Verteidiger werden in etwa zwei Wochen weitere Zeugen hören.

Anna Schwarz

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