Soll erhalten bleiben: der Wasserturm als Symbol für die Papierherstellung. foto: hab

MD-Gelände: Einigkeit in fast allen Fragen

Dachau - Die Richtung, wie das MD-Gelände entwickelt werden soll, hat der Bauausschuss dem Investor, der Dachau Entwicklungsgesellschaft (DEG), in der Sitzung mit auf den Weg gegeben.

25 Fragen der DEG an die Stadt über ein städtebauliches Rahmenkonzept arbeiteten die Stadträte ab (wir berichteten).

„Grundsätzlich läuft dieses Bebauungsplanverfahren wie jedes andere auch“, betonte OB Peter Bürgel. „Wir übernehmen die Herrschaft über das Verfahren.“ Nur, dass es eben einen Investor gibt. Und der hatte einige Fragen, um grundsätzlich zu erfahren, was sich der Stadtrat auf dem Gelände vorstellen kann und was nicht.

Im Herbst hatte die DEG dem Bauausschuss ein städtebauliches Rahmenkonzept auf der Basis des Siegerkonzepts vom Büro Trojan, Trojan und Partner vorgestellt. In diesem Konzept war der MD-Sportplatz an der Rosenstraße als „Rosenaue“ aufgetaucht. Der Bauausschuss beschloss damals, dass dieses Areal nicht in das städtebauliche Planungskonzept aufgenommen wird. Der Sportplatz kam in keiner der Fragen zur Sprache.

Das Bauamt hat im Vorfeld Antworten auf die Fragen erarbeitet, die den Stadträten vorgeschlagen wurden. Einige Fragen mussten offenbleiben, bis detaillierte Aussagen der DEG vorliegen. Ein Großteil der Fragen wurde von den Ausschussmitgliedern einstimmig beantwortet. Hier ein Auszug mit Antworten oder Wortmeldungen der Stadträte:

-Welche Nutzungen und Flächen wird die Stadt selbst übernehmen und realisieren?

Antwort: Der Stadt werden üblicherweise alle öffentlichen Verkehrs-, Frei- und Grünflächen und die Flächen für die soziale Infrastruktur übertragen. Inwieweit auch Flächen für den geförderten Wohnungsbau übertragen werden sollen, ist zu entscheiden. „Das müssen wir zunächst intern klären“, sagte OB Peter Bürgel. Ob auf dem Areal ein Jugendkulturzentrum, eine Veranstaltungshalle, eine Galerie, ein Zentrum für Menschenrechte entstehen soll, darüber wird im Kulturausschuss beraten. Kulturreferent Dominik Härtl (CSU) plädierte dafür, in der Juni-Sitzung eine Entscheidung zu treffen, was entstehen soll.

-Ist der vorgeschlagene Nutzungsmix für die denkmalgeschützten Hallen passend?

Der Nutzungsmix aus Gaststätten, Ladenlokalen, Kreativwirtschaft, Lofts für Arbeiten und Wohnen ist positiv zu bewerten. (...) Weiterhin sind Mindestgrößen von 100 bis 200 Quadratmeter Verkaufsfläche und die Bereitstellung attraktiver Schaufensterflächen von elementarer Bedeutung. „Genau diese Flächen fehlen in Dachau“, betonte Christian Stangl (CSU).

-Ist der Nutzungsmix für die Baufelder passend?

„Wir wollen den alten Grundsatz Wohnen und Arbeiten wiederbeleben“, sagte der OB. Die Räte einigten sich darauf, bei einem Mischgebiet 40 Prozent der Flächen für Arbeiten und Einzelhandel festzulegen, 60 Prozent für Wohnen - nach Abzug der öffentlichen Flächen. Die DEG hatte in ihrem Konzept für Wohnen eine Fläche von bis zu 73 Prozent vorgesehen.

-Kann die Gesamtfläche von kleinteiligem und größerem Einzelhandel bis zu 10 000 Quadratmetern betragen?

„Das Gebiet soll keine Konkurrenz werden zur Münchner Straße“, so Bürgel. „Aber es ist wichtig, das Sortiment, das uns fehlt, hier anzusiedeln.“ Es gehe nicht um 10 000 oder 12 000 Quadratmeter, „sondern darum, dass es passt“. Der Bauausschuss stimmte dafür, dass sogar 15 000 Quadratmeter Gesamtfläche für Einzelhandel vorstellbar ist, allerdings müssen die Auswirkungen auf den Verkehr geprüft werden.

-Welche identitätsgebenden Hochpunkte aus dem MD-Gelände sind zu erhalten bzw. in die Neuplanung zu übersetzen?

Da insbesondere auch bei der Vermarktung des Projekts die Identität höchstwichtig ist, sollten alle identitätsgebenden Hochpunkte dem MD-Gelände auch erhalten werden. Die Identität der Industriedenkmäler sollte erkennbar bleiben. Der Wasserturm stellt dabei ein sichtbares und klares Symbol für die ehemalige Papierherstellung dar und muss erhalten bleiben. Eine Bestanderfassung mit Statik ist vorab nötig. Für diese Antwort stimmten CSU, Bündnis und Grüne. Dominik Härtl sagte, dass die Ausgestaltung des Wasserturms für die CSU von großer Bedeutung sei. Dagegen sprachen sich SPD, ÜB, FDP und FW aus.

-Ist die Verlegung des Mühlbachs grundsätzlich möglich?

Die Stadtverwaltung hatte einen konkreten Plan der DEG geprüft. „Und nach diesem ist eine Verlegung nicht möglich“, sagte Bauamtsleiter Michael Simon.

-Ist für die Stadt die Bahnunterführung der Freisinger Straße anstelle des Bahnübergangs zwingend erforderlich?

Die höhenfreie Kreuzung von Linie A und Freisinger Straße ist notwendig, um die künftigen Verkehrsmengen aus dem MD-Gelände auf den umliegenden Straßen verträglich abzuwickeln. Und nicht nur deswegen: Auch wenn die Schranke aufgrund des Ausbaus der Linie A häufiger und länger schließt, „brauchen wir eine höhenfreie Kreuzung“, so Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD).

-Reicht die Zeit aus, die angestrebte Landesgartenschau zu bewerben?

Auch in diesem Punkt war sich der Bauausschuss einig: Die Stadt Dachau wird sich nicht mit dem MD-Gelände um die Landesgartenschau 2021/22 bewerben. „Wir legen uns zeitliche Zwänge auf, die wir nicht einhalten können“, so Gertrud Schmidt-Podolsky. Helmut Esch (Grüne) plädierte dafür, das Thema endgültig von der Agenda zu streichen. Außerdem lehnte der Bauausschuss einstimmig die Aufstellung von Teilbebauungsplänen ab. „Wir möchten einen einheitlichen Bebauungsplan und die einheitliche Schaffung von Baurecht“, betonte Stangl.

Den Antrag der ÜB, „die Tragfähigkeit des Finanzierungskonzepts der DEG“ zu überprüfen, lehnte der Bauausschuss zu Beginn der Sitzung ab. „Das ist nicht Aufgabe des Stadtrats, sondern der Banken“, so Stangl.

Die nächste Aufgabe der Stadt ist es nun, ein Planungsbüro mit der Aufstellung des Bebauungsplans zu beauftragen.

Nikola Obermeier

Auch interessant

Kommentare