Platz für mehr Wohnraum

Bürgermeister sprechen sich für höhere Häuser aus

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Im Landkreis Dachau leben immer mehr Menschen. Und die brauchen ein Zuhause. Die Gemeinden müssen also Wohnraum schaffen – und wollen in Zukunft mehr in die Höhe bauen. Dadurch werden sich die Dörfer verändern.

Dachau– Einen Plattenbau am Indersdorfer Bahnhof fürchteten einige Anwohner, als die Gemeinde die Pläne vor 14 Jahren auf den Tisch legte: Sie wollte einen 13 Meter hohen Bau mit vier Stockwerken für Sozialwohnungen. Die Bürger gingen dagegen auf die Barrikaden: Es sei ein Monstrum, Indersdorf würde zur Stadt verkommen. Die bayerischen Grünen hingegen fordern schon lange, dass Bauherren „mehr in die Höhe statt in die Breite“ bauen sollen, die CSU stellt sich nun auf deren Seite. Die CSU-Fraktion im Landtag will die Gemeinden fördern (wir berichteten). Nur wie, das ist noch offen. CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber jedenfalls wirft Bürgermeistern vor, dass sie Neubaugebiete auf dem Land mit Einfamilienhäusern zupflastern. Doch im Landkreis Dachau gibt es einige Gemeinden, die längst in die Höhe bauen. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass die Orte städtischer werden.

In Indersdorf wird sich das Ortsbild am Bahnhof ändern. Dort forderten die Anwohner zwar drei statt vier Stockwerke. Doch die Gemeinde setzte sich durch. Nach 14 Jahren Streit mit Anwohnern und im Gemeinderat war im vergangenen November Schluss: Spatenstich für das umstrittene Projekt am Bahnhof. Letztlich werden dort Sozialwohnungen auf vier Stockwerken entstehen. Geschäftsleiter Klaus Mayershofer verteidigt die Entscheidung. Bauland sei teuer geworden im Landkreis: „Wir müssen uns langfristig öffnen, in die Höhe zu bauen – aber verträglich.“ Einerseits gebe es natürlich Anwohner, die sich wegen der hohen Gebäude gestört fühlen. Andererseits: „Je mehr Stockwerke es gibt, desto mehr Wohnfläche entsteht natürlich.“

Der Bedarf an Wohnraum ist da: Lebten vor rund 25 Jahren noch 112 000 Menschen im Landkreis, waren es im Januar 2018 bereits 150 839.

Vierkirchen ist die Gemeinde, die im Landkreis am zweitstärksten wächst – nach Schwabhausen. Für Vierkirchens Bürgermeister Harald Dirlenbach (SPD) steht fest: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, da müssen wir letztlich höher bauen.“ Ein Wermutstropfen: „Du veränderst deine Ortschaften komplett.“ Derzeit plant die Gemeinde ein Wohngebiet am Bahnhof in Pasenbach (siehe Seite 8), das höchste Gebäude hat drei oder vier Stockwerke – es könnte zehn bis 12 Meter hoch werden. Die absolute Höchstgrenze für Dirlenbach? Nein – „es geht noch höher“, so Dirlenbach. Das Firmengebäude von Andritz in Vierkirchen sei mit vier Stockwerken und Keller noch höher.

Es sei eine neue Entwicklung, dass die Gemeinden im Landkreis in die Höhe bauen, sagt Kreisbaumeister Georg Meier. In den vergangenen Jahrzehnten war der ländliche Raum von Ein- und Zweifamilienhäusern oder Doppelhäusern geprägt, nur in Dachau und Karlsfeld gab es Geschossbau. Das wohl höchste Gebäude im Landkreis ist bislang das 27 Meter hohe Bürogebäude „Theo 8“ an der Ecke Theodor-Heuss-/Schleißheimer Straße in Dachau. Mittlerweile bauen die Gemeinden im Landkreis aber genauso Gebäude mit zwei oder drei Geschossen, sagt Meier: „Dieser Trend wird sich fortsetzen. Das Modell Mama, Papa und Kinder wohnen zusammen, hat ausgedient.“ Die Gemeinden müssen eine Vielfalt an Wohnraum schaffen: Single-Appartments, behindertengerechte Wohnungen für Senioren, Sozialwohnungen – und das am besten in Hochhäusern. Denn: „Der Grund wird bei uns immer teurer.“

Auch die Gemeinde Schwabhausen – dort ist der Zuzug am größten – will Platz sparen. Das hat in der Vergangenheit bereits zu Widerstand im Volk geführt, als die Volksbank-Raiffeisenbank mehrstöckige Wohn- und Geschäftshäuser an der Münchner Straße bauen wollte. Die Anwohner befürchteten Schatten auf ihren Grundstücken. Doch der Gemeinderat stimmte für das Projekt. Bürgermeister Josef Baumgartner sagt: „In die Höhe zu bauen, wird auf jeden Fall zu Widerstand in Ausschüssen und der Bevölkerung führen, aber so können wir den Raum besser nutzen.“ Er kann sich daher Bauten mit vier oder fünf Stockwerken im Ortskern vorstellen, denn „richtig dörflich ist Schwabhausen schon lange nicht mehr“.

Rubriklistenbild: © dpa

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