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Der Mensch hinter dem Politiker Hans Zehetmair

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Hans Zehetmair foto: flg
Hans Zehetmair foto: flg

Dachau - Hans Zehetmair, ehemaliger Kultusminister, ist ein vom Katholizismus geprägter Violoncello spielender Löwen-Fan. Das brachte das erste Hinterzimmergespräch der CSU zutage.

Hinterzimmergespräch, das klingt nach Heimlichtuerei, nach Mauschelei und Intrige. Insofern ist die neue Veranstaltungsreihe der Dachauer CSU Etikettenschwindel. Denn mit Geheimniskrämerei hatte das erste Hinterzimmergespräch zwischen Stadtrat Dominik Härtl und dem ehemaligen Kultusminister Hans Zehetmair nichts zu tun. Die lockere Unterhaltung der beiden Politiker geriet zu einer gelungenen Premiere des neuen Formats.

„Mit dem Hinterzimmergespräch wollen wir den Bürgern den Menschen hinter dem Politiker zeigen“, nannte CSU-Ortsvorsitzender Peter Strauch das Ziel der Veranstaltungsreihe. Dominik Härtl, der als Moderator fungierte, sprach von einem „Experiment“. Eineinhalb stunden später stand fest: Experiment gelungen.

Die Dachauer CSU hatte im Vorfeld der vier Dinge richtig gemacht. Erstens hatte sie den 15-jährigen Dachauer Marimba-Spieler Christian Benning eingeladen, der das Gespräch mit seiner Musik wunderbar umrahmte. Zweitens konnte sie mit Hans Zehetmair eine passende Galionsfigur gewinnen. Für Strauch ist Zehetmair „der Politiker, der mir immer am sympathischsten war“. Tatsächlich erwies sich der jetzige Leiter der Hanns-Seidl-Stiftung als angenehmer, mitteilsamer, mitunter sogar humorvoller Gesprächspartner. Drittens passte die Wahl des Veranstaltungsorts wie die Faust aufs Auge: Das Gespräch fand in einem Klassenzimmer der Scheibner-Schule statt - ein passender Ort, immerhin arbeitete Zehetmair zehn Jahre lang als Lehrer und traf später 17 Jahre lang als Kultusminister Entscheidungen, die das Leben in den bayerischen Klassenzimmern maßgeblich mitprägten.

Die vierte gute Entscheidung war, Dominik Härtl als Moderator zu wählen. Der Dachauer Stadtrat und Kulturreferent gilt durchaus als gewitzter Intellektueller. Und er hat ein Selbstbewusstsein, das den jungen Mann vor dem einstigen CSU-Spitzenpolitiker Zehetmair nicht wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren ließ.

Da saßen sie nun im Klassenzimmer, Dr. Härtl und Dr. Zehetmair, und plauderten. Und erreichten damit das, was Ortsvorsitzender Strauch sich gewünscht hatte: dass der Mensch hinter dem Politiker gezeigt wird. Die 40 Zuhörer erfuhren, was Zehetmair außer Politiker noch ist: ein vom Katholizismus geprägter Violoncello spielender Löwen-Fan, der klassische Musik, Goethes Wahlverwandtschaften und Platons Politeia liebt, seit Jahren nicht mehr im Kino war, dafür aber mit Edmund Stoiber öfters im Jahr Essen geht. Aber von dem Ex-Ministerpräsidenten vorher fordert: „Du zahlst, weil Du hast mehr Geld.“

Unaufgeregt berichtete Zehetmair von seiner humanistischen Grundeinstellung, seinen pädagogischen Überzeugungen genauso wie von seinen Erlebnissen als Landtagsabgeordneter, Erdinger Landrat und später als Minister, ehe ihn Härtl zum Abschluss zum gemeinsamen Vortrag des Zauberlehrlings bat. Da ließ sich Goethe-Liebhaber Zehetmair nicht zweimal bitten. flg

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