Die jungen Schauspieler beeindruckten die Zuschauer mit ihrer Spontaneität und ihrem Können, wie hier: Sami (l.) tanzt, Robert (r.) rappt. foto: hab

„Menschen, die ausgegrenzt werden, sind traurig“

Dachau - Neun Sinti- und Roma-Kinder haben in der Versöhnungskirche der KZ-Gedenkstätte ein Improvisationstheater aufgeführt

„Es wäre schon cool, wenn ich sagen könnte: Ich bin Sinto, und die sagen: Ja!“, sagt der 13-jährige Robert. Er ist einer der insgesamt zwölf jungen Schauspieler des Improvisationsprojekt ImpRoma.

Die Schauspieler von „ImpRoma: Hier sind WIR!“ hatten nun ihren Auftritt: Im Innenhof der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau fand das Improvisationstheaterstück statt. Insgesamt neun Sinti- und Roma-Kinder begeisterten an diesem Abend die Zuschauer. Unterstützt wurden sie von zwei Schauspielern des fastfood Theaters München und einem Musiker.

Björn Mensing, Pfarrer der Versöhnungskirche, war erfreut darüber, die Kinder und Jugendlichen an diesem besonderen Ort willkommen heißen zu können. Die Idee für dieses Theaterstück kam von der evangelischen Theologin Sabine Böhlau. Damit soll bewusst gemacht werden, dass Sinti und Roma „heute noch nicht ausreichend Anerkennung bekommen“, sagt Sabine Böhlau. Dies ist ein „Ort, vor dem wir höchsten Respekt haben“, stellt sie klar, „die Folgen des Genozid sind bis heute in jeder Sinti- und Roma-Familie erkennbar.“

Die Kinder stellten verschiedene Szenen dar. Manche sind Szenen aus vorherigen Auftritten ähnlich, andere sind komplett neu und mit der eigenen Fantasie der Kinder improvisiert. Andreas Wolf vom fastfood Theater führt Regie. So stellt er sich nach den ersten zwei Szenen auf die Bühne und bittet die Zuschauer um eine Ortsangabe für eine neue Szene. „Wo würde man Sinti und Roma nicht erwarten? Denken sie an Klischees“, fordert Andreas Wolf das Publikum auf. Eine Zuschauerin meint: „In der Universität.“ Andreas Wolf gibt fünf Kindern eine Rolle. Kreativ und witzig stellen sie eine Mathematik-Vorlesung dar.

Im März hatten die Sinti- und Roma-Kinder im Rahmen von ImpRoma zusammen mit ihren Familien die KZ-Gedenkstätte besichtigt. Der 15-jährige Sami, einer der Schauspieler, sagt: „Danach ist ein Bewusstsein entstanden.“ Aus dieser Erfahrung kommt etwa eine Mobbing-Szene, bei der einer von allen anderen ausgegrenzt wird. „Menschen, die ausgegrenzt werden, sind traurig, und das ist nicht schön“, sagt Robert. Ein paar der Kinder sagen, dass sie selber auch schon mit Beleidigungen konfrontiert wurden.

Insgesamt hatte ImpRoma bis jetzt sechs Auftritte. Weitere Gastspiele sind in Planung. Casandra, 14 Jahre, ist froh, an dem Projekt teilgenommen zu haben, auch wenn sie anfangs nicht so erfreut war: „Wir sind alle Freunde geworden, der Zusammenhalt ist groß“, sagt sie. Vor dem Projekt kannten sich die meisten garnicht. Das erste Mal gesehen haben sich die jungen Schauspieler bei einem Grillfest, nachdem Kulturmittler Alexander Adler mit Hilfe von Benjamin Adler und Maria Stancu nach Teilnehmern bei Münchner Sinti- und Roma-Familien gesucht hat. Seit vergangenen Sommer haben die zwölf Kinder einmal pro Woche geprobt. Außerdem gab es eine Intensivwoche.

Bei der Aufführung in der Versöhnungskirche waren dabei: Casandra, Joel, Jonny, Laschan, Lorena, Manulito, Nadine, Robert, Sami, Tom Ditz (Fastfood theater), Karin Krug (fastfood theater); Musik: Michael Gumpinger; Regie: Andreas Wolf.

(msc)

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