Beweis für die weiße Weste

Vereine müssen Betreuer überprüfen

Dachau - Alle Fußballtrainer, Feuerwehrausbilder und Pfarrjugendleiter im Landkreis müssen sich eine weiße Weste bescheinigen lassen und künftig ein Führungszeugnis vorlegen.

Landrat Stefan Löwl scheint selbst nicht sonderlich begeistert von der Idee. „Es ist schade, dass es nötig ist“, sagte er Montagnachmittag in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Dachauer Kreistags. „Aber: Es ist nötig.“ Denn die neue Vorgabe ist gesetzlich, alle Landkreise müssen sich ab sofort danach richten: Jeder einzelne Mensch, der ehrenamtlich mit Kindern oder Jugendlichen zu tun hat, muss nun ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Das beweist: Er oder sie ist nicht einschlägig vorbestraft.

Die Idee aus dem Bundeskinderschutzgesetz soll logischerweise präventiv wirken: Jemand, der etwa wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen verurteilt wurde, hat eben kein sauberes Führungszeugnis mehr. Und wird damit von der Arbeit mit jungen Leuten verbannt. Aber auch wenn derjenige zum Beispiel pornografische Schriften verbreitet hat, Prostituierte ausgebeutet oder Kinderhandel betrieben hat, ist es vorbei mit dem Ehrenamt.

Grundsätzlich hört sich die Idee gut an: Die Kinder werden vor solchen Verbrechern geschützt. Doch gleichzeitig werden die Ehrenamtlichen gewissermaßen unter eine Art Generalverdacht gestellt, so Löwl, „und die kann der Jugendarbeit weh tun“. Nicht nur hat der Ehrenamtliche nun die lästige Aufgabe, sich ein erweitertes Führungszeugnis zu besorgen – er muss es theoretisch auch dem Vereinsvorsitzenden vorlegen. Der wiederum dann aber nicht nur die hoffentlich leeren Spalten im einschlägigen Bereich sieht – sondern auch die eventuell gefüllten Spalten in vollkommen anderen Bereichen, die nichts mit dem Thema Jugendarbeit zu tun haben. Aber: Eventuell den Ruf des Ehrenamtlichen zerstören. „Auch Steuerstraftaten stehen da drinnen“, erklärt Stefan Löwl. „Und mit diesem Sündenregister muss ich dann zum Vorsitzenden gehen.“

Um diese vielleicht unangenehme Situation zu umgehen, um zu verhindern, dass die Vereinsvorsitzenden zu „Geheimnisträgern“ werden, hat das Landratsamt sich zusammen mit den Gemeinden eine andere Option ausgedacht: Nach einem „Regensburger Modell“ können die Ehrenamtlichen mit ihrem Führungszeugnis zur Gemeinde gehen und sich dort beim Einwohnermeldeamt eine „Negativerklärung“ abholen. Darin wird dann amtlich bescheinigt, dass kein Tätigkeitsausschluss vorliegt. Der Clou daran: Die Amtspersonen sind den strengen Datenschutzrichtlinien verpflichtet. Und so unterliegt der Ladendiebstahl aus der Jugend der Schweigepflicht des Gemeindemitarbeiters.

Ein wenig kompliziert, das Ganze. Aber: Der Landkreis und die Gemeinden hegen die Hoffnung, dass den Ehrenamtlichen damit die unangenehme Aufgabe etwas erleichtert wird. „Nicht dass jemand sagt: Ich helf ja gerne, aber einen Striptease muss ich nicht machen“, erklärte Löwl. Trotzdem bleibt der ganze Aufwand beim Ehrenamtlichen. Und: Das Ganze muss alle fünf Jahre wiederholt werden. „In der Theorie war das schön ausgedacht“, seufzte Löwl. „Aber es ist Bürokratismus bis zum Geht- nicht-mehr."

np

Rubriklistenbild: © dpa

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