Im Schutt suchen sie nach brauchbaren Dingen: Iris Wagner mit einer Küchenwaage – sie backt gerne. Ihr Mann Udo will die Waage wieder auf Vordermann bringen. Im Hintergrund ist das zu sehen, was von der Wohnung der Wagners übrig geblieben ist. foto: habschied

Um Mitternacht ging alles in Flammen auf

Taxa - Ihr Mann sagte nur drei Worte: „Sofort raus hier." Das war der Moment, in dem Iris Wagner alles verloren hat - beim Feuer der Schreinerei Schmid in Taxa.

Es ist Montagnacht, kurz vor halb 12 Uhr. Iris Wagner und ihr Mann Udo schlafen bereits. Doch dann wird die 44-Jährige plötzlich wach, riecht Rauch. Als sie auf die Uhr sehen will, merkt sie: Der Strom ist weg. „Ich wusste sofort, dass da etwas nicht stimmt, und hab’ meinen Mann geweckt“, sagt Iris Wagner. Als der 45-Jährige aus dem Fenster schaut, sieht er das Feuer in der Schreinerei. „Sofort raus hier“, ist alles, was er sagt.

Die beiden wecken ihren Sohn Kevin (20). Zeit zu überlegen, was sie retten könnten, bleibt keine. „Ich hab’ nur die Handys und den Geldbeutel eingesteckt“, sagt Iris Wagner „Wir sind in Stiefel geschlüpft, haben Jacken angezogen und sind rausgestürmt - wir wussten ja nicht, ob irgendetwas explodiert.“ Draußen muss die Familie mit ansehen, wie ihre Wohnung, in der sie fast 23 Jahre gelebt haben, niederbrennt, wie die Feuerwehr die Wände zu ihrem frisch renovierten Schlafzimmer einreißt, um den Flammen Herr zu werden. Udo Wagner sieht nicht nur, wie seine Wohnung verbrennt, sondern auch sein Arbeitsplatz, die Schreinerei.

Vor 25 Jahren kamen Udo und Iris Wagner aus Siebenbürgen nach Odelzhausen. In der Hand nur einen Koffer. „Nach und nach haben wir uns hier alles aufgebaut, jetzt müssen wir wieder ganz von vorne anfangen“, sagt die 44-Jährige.

Gestern hat Iris Wagner einen Schritt gemacht, der ihr alles andere als leicht gefallen ist. Sie hat bei der Gemeinde Odelzhausen um Hilfe gebeten. Und die hat sofort ein Spendenkonto eingerichtet.

Der Familie ist nichts geblieben. Kleider, Dokumente, Erinnerungsstücke - alles verbrannt. Doch Iris Wagner ist stark. Und unendlich dankbar. „Die Hilfsbereitschaft von Freunden und Bekannten ist gigantisch.“ Die größten Helfer waren die, die selbst ihren gesamten Betrieb verloren haben: Die Schmids stellten den Wagners eine Wohnung in Odelzhausen zur Verfügung. „Wir haben erstmal ein Dach über dem Kopf, das ist das Wichtigste“, sagt Iris Wagner. „Der Rest ist ja nur Materielles - Hauptsache, wir sind gesund. Hadern bringt ja niemanden weiter.“ An die verbrannten Fotos von ihrem früheren Leben kann sie nicht denken - das schmerzt zu sehr. Sie will nach vorne schauen. „Wir müssen jetzt erstmal schauen, wie es überhaupt weitergeht.“

(Christiane Breitenberger)

Das Spendenkonto

Wer helfen will, kann Spenden für die Wagners über die Bürgerstiftung Odelzhausen an die Stiftergemeinschaft der Sparkasse Dachau überweisen. IBAN: DE60 7005 1540 0280 1919 82 BIC: BYLA DE M1 DAH Verwendungszweck: Bürgerstiftung Odelzhausen „Brand Schreinerei“ Bei Spenden ab 200 Euro bitte mit angeben, dass es sich um eine Spende handelt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Burschen klauen mitten in der Nacht Maibaum - erst dann merken sie, wem er gehört
Die Burschen aus Prittlbach haben in Indersdorf im Landkreis Dachau einen Maibaum geklaut. Doch nicht irgendeinen, wie sie dann merkten.
Burschen klauen mitten in der Nacht Maibaum - erst dann merken sie, wem er gehört
Behörden verbieten Osterfeuer - der Grund ist absurd
Seit 40 Jahren brennen die Arnbacher Burschen in der Sandgrube hinter dem Sportgelände das Osterfeuer ab. Heuer untersagen die Behörden diese Tradition. Weil eine …
Behörden verbieten Osterfeuer - der Grund ist absurd
Vermittler zwischen Patient und Klinik
Als Ergänzung zu ihrem Beschwerdemanagement haben die Helios Amper-Kliniken Dachau und Indersdorf nun eine sogenannte Ombudsstelle eingerichtet.
Vermittler zwischen Patient und Klinik
Protest gegen das „Quartier Rosenstraße“
Die Anwohner des Neubaugebiets Rosenstraße in Petershausen haben 260 Unterschriften gesammelt und widersprechen damit der Projektplanung für das „Quartier Rosenstraße“. 
Protest gegen das „Quartier Rosenstraße“

Kommentare