Lügen und Gerüchte rund um die Uhr

Mobbing per Smartphone in der Schule

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Die Schule als größter Alptraum? Das trifft immer häufiger zu. Schuld sind allerdings nicht immer Prüfungen oder Lehrer, sondern die Mitschüler – und das Handy. Cybermobbing heißt die Form der Beleidigung, bei der die Opfer im Internet oder in Chats schikaniert werden.

Hat das Handy in der Schule etwas zu suchen? Die meisten Schulen im Landkreis verbieten das Smartphone. Denn es lenkt nicht nur ab, sondern schafft auch Nährboden für Hänseleien und Beleidigungen. In Windeseile verbreiten sich Lügen, Gerüchte oder Fotos, die den Betroffenen kompromittieren, via Facebook oder Whatsapp.

Auch an den Schulen im Landkreis Dachau ist diese Form der Ausgrenzung gang und gäbe. Erwin Lenz, Leiter des Ignaz-Taschner-Gymnasiums in Dachau, berichtet, dass vor allem in den sechsten bis achten Klassen Cybermobbing ein Problem sei. „Die Kleineren gehen einfach völlig unbedacht mit dem Internet um.“ Sie kennen sich technisch aus, wissen aber oft nicht, was sie tun, erklärt der Pädagoge. „Sie treten oft eine Lawine los. Deshalb ist das so brisant.“ Als Beispiel nennt Lenz ein Foto von einem Mitschüler, der eine komische Pose macht oder dem die Hose verrutscht ist. „Da springen die sofort auf, und das Foto geht in Windeseile herum.“ Beleidigungen oder Hänseleien habe es früher auch gegeben. „Das war aber immer in einem privaten Rahmen mit ein oder zwei Beteiligten. Jetzt, mit den technischen Möglichkeiten, explodiert das.“ Vor allem über Facebook und Whatsapp, womit kostenlos Nachrichten und Fotos verschickt werden können, würden die diskreditierenden Fotos oder Mitteilungen verbreitet.

Mobbing in Whatsapp-Gruppen, auf Instagram oder Snapchat ist bereits Alltag geworden, bestätigt der Jugendbeamte Thomas Slamanig (34) von der Polizei Dachau. Denn mittlerweile hat jede Klasse einen Whatsapp-Klassenchat und kann sich außerhalb der Schule austauschen – aber auch die Mobbing-Opfer der Klasse auf Trab halten: „Früher war Mobbing nach der Schule in der Regel vorbei, und die Schüler hatten zu Hause eine gewisse Zuflucht. Durch die Möglichkeiten, die die neuen Medien bieten, geht Mobbing heute oft 24 Stunden. „Es wird geschrieben, dass der Gemobbte schwul ist, oder es wird ein peinliches Video oder Foto hochgeladen und behauptet, dass das Mobbing-Opfer darauf zu sehen ist.“ In einem Klassenchat wurden sogar rechtsextreme Inhalte veröffentlicht, so Slamanig. „Manchmal liest ein Schulsprecher oder Vertrauenslehrer bei den Nachrichten mit – aber nicht in allen.“

Das Cybermobbing läuft erst in einer bestimmten Gruppe ab – dann werden die Kreise immer größer. „Leider sind wir meistens die Letzten, die es erfahren“, berichtet Lenz. Erst, wenn die Eltern sich nicht mehr zu helfen wissen, würden sich diese an die Schule wenden. Zum Beispiel, weil das Kind jeden Morgen Bauchweh habe, nicht mehr in die Schule gehen wolle. Dann versucht die Schule mit Hilfe des Schulpsychologen herauszufinden, was passiert ist. Die beleidigenden Inhalte müssen dann gelöscht werden – aus dem Internet und von den Smartphones aller Schüler. Außerdem nimmt die Schule mit den Eltern des Täters Kontakt auf. „Meistens ist eine Einsicht da“, so Lenz. Dann erfolge eine Entschuldigung. Andererseits müsse das Opfer stabilisiert werden, damit es wieder angstfrei in die Schule gehen könne.

Manchmal ist es aber unumgänglich, Psychologen und die Polizei einzuschalten – immerhin handelt es sich um Straftaten wie üble Nachrede, Verleumdung, Beleidigung oder Verletzung des Rechts am eigenen Bild. Wenn sich Vertraute, Lehrer oder Eltern der Mobbing-Opfer oder die schikanierte Person selbst bei Slamanig melden, spricht der Jugendbeamte zunächst mit dem Opfer. Er geht darauf ein, was der Jugendliche will oder nicht will, damit die Klassenkameraden mit dem Mobbing aufhören. Und er spricht mit der Klasse, um das Problem zu lösen. „Aber jeder Schritt, der gegangen wird, passiert in Kommunikation mit dem gemobbten Jugendlichen. Ich treffe keine Entscheidungen über seinen Kopf hinweg."

Anna Schwarz

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