Letzter Tag im Mordprozess: Gestern fiel das Urteil gegen Arvid K., der vor einem Jahr die damals 76-jährige Ursula S. getötet hat. foto: dpa

Mord an Ursula S.: Arvid K. muss lebenslang ins Gefängnis

Erdweg/München - Arvid K. (27), der Mörder von Ursula S., muss lebenslang ins Gefängnis. In einem wichtigen Punkt folgte der Vorsitzende Richter dem Staatsanwalt im gestrigen Urteil jedoch nicht.

Arvid K. ist gestern wegen Mordes an der Erdwegerin Ursula S. zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Regungslos nahm der 27-Jährige vor dem Landgericht München II sein Urteil entgegen. Anschließend setzte er eine Kappe auf und ließ sich abführen.

Detailliert hatte Vorsitzender Richter Martin Rieder die Tat vom 28. Oktober 2014 rekonstruiert. Demnach war Arvid K. ohne Tötungsabsicht in die Wohnung der 76-Jährigen gekommen. Er wollte ihre Handtasche nach EC-Karte und PIN-Nummer durchsuchen. Doch die resolute Dame wehrte sich. Ab diesem Moment war Arvid K. überfordert. Der Mann, laut Richter von unterer Intelligenz, sah keinen anderen Ausweg, als die Frau umzubringen. K. wollte unbedingt die 1350 Euro bekommen, um seine Verlobte aus dem Gefängnis auszulösen. Er schlug zu, nahm das Kabel einer Computer-Maus und erdrosselte die 76-Jährige, er schnappte sich ein Messer, das auf dem Tisch lag und stach auf sie ein, insgesamt 14 Mal.

Zwei Tage später fuhr er mit seiner Mutter zum Gefängnis. Das Geld für seine Freundin hatte er angeblich von der Oma. Dass die Polizei ihn als Täter entlarvte, lag an einem aufmerksamen Beamten. Der hatte ihn wenige Tage vorher bei einer Gerichtsverhandlung getroffen und erkannte ihn auf einer Überwachungskamera wieder.

Die vom Staatsanwalt geforderte Schuldschwere lehnte das Schwurgericht ab. Natürlich sei der Angeklagte auf eine brutale Art vorgegangen, doch er habe keine sadistischen Züge gezeigt, die 76-Jährige nicht gefoltert. „Es gibt keine Anhaltspunkte“, so Richter Rieder, „dass er sie quälen wollte.“ K. schien allerdings nicht zu interessieren, dass er keine zusätzliche „Schwere der Schuld“ kassierte, die ihm eine vorzeitige Haft-Entlassung erschwert hätte.

Als Mordmerkmale nannte Rieder Habgier und Verdeckung einer Straftat. Erpressung konnte nicht festgestellt werden. Nach der Bluttat nahm Arvid K. die EC-Karte und Schmuckstücke an sich und verschwand. (mm)

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