In diesem Haus in Großberghofen (Kreis Dachau) wurde Ursula S. erdrosselt und erstochen. Foto: Betz
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In diesem Haus in Großberghofen (Kreis Dachau) wurde Ursula S. erdrosselt und erstochen.

Bluttat in Erdweg

Mordopfer Ursula S.: In den letzten Wochen überkam sie böse Vorahnung

  • Angela Walser
    VonAngela Walser
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München - „Da will mir wohl jemand das Licht ausmachen“, sagte die ermordete Rentnerin aus Erdweg im Landkreis Dachau einmal zu ihrer Reha-Therapeutin.Vor lauter Angst schaltete sie sogar die Polizei ein.

Ein Beamter, der am Freitag im Mordprozess am Landgericht München II als Zeuge aussagte, erinnerte sich noch gut an eine Herrenjacke, die eines Tages über dem Bewegungsmelder im Garten von Ursula S. hing. Vermutlich gehörte sie einem Nachbarn, der genervt war über das nächtliche Lichtkonzert. Ursula S. hatte nämlich einen Besuchskater, der nachts auf der Terrasse ihres Hauses schlief und mit jeder Bewegung das Licht neu aktivierte. Doch Ursula S., so erinnerte sich die Therapeutin (59) war in Sorge, dass ihr jemand nach dem Leben trachten würde. Der Streit mit den Nachbarn um den Bewegungsmelder hatte ihr sehr zugesetzt.

Denn eigentlich strebte sie nach Harmonie. Noch vor vier, fünf Jahren nahm sie eines Morgens gegen zwei Uhr früh einen stark betrunkenen Jugendlichen und dessen Kumpel bei sich auf. Den Jugendlichen kannte sie aus der Mittagsbetreuung, wo sie mitgewirkt hatte. Der Bursche traute sich in seinem Zustand nicht nach Hause. Die beiden jungen Männer durften bei Ursula S. ihren Rausch ausschlafen. Am nächsten Morgen machte sie Frühstück für sie. Der Spezl (18) erinnerte sich gestern als Zeuge noch gut an diese Situation. Die Seniorin hatte ihn beeindruckt. Der 18-Jährige erinnerte sich aber auch an den Mörder Arvid K. (27), den er wenige Stunden nach der Tat am 28. Oktober 2014 im Bus von Erdweg nach Dachau getroffen hatte. Arvid, stets gesprächig, hätte an diesem Tag sehr abwesend gewirkt. Er hielt die Augen geschlossen und wischte sich mit einer seltsamen Bewegung ständig über das Gesicht.

Offenbar war der 27-Jährige auf dem Weg nach München, um nach der Erdrosselung von Ursula K. bei verschiedenen Banken mit der Kreditkarte des Opfers Geld abzuheben. Das brauchte er bekanntlich, um seine schwangere Freundin aus dem Gefängnis zu holen.

Kein gutes Haar ließ eine Reinigungskraft (62) an ihm. Sie warf ihm vor, zusammen mit Mutter und Vater ihren Ex-Mann verprügelt zu haben. Der soll den Angeklagten wegen Drogenabgabe an seinen 13-jährigen Enkel zur Rede gestellt haben. Daraufhin gingen Vater und Sohn mit einem Prügel auf den Ex-Mann los. Die Geschichte konnte allerdings richterlich nie nachgewiesen werden. Arvid K. wurde schließlich freigesprochen.

Und auch der 18-jährige Bursche erinnerte sich nicht positiv an seinen Freund. „Er war ein ziemlich paranoider Kerl“, sagte der junge Mann, „stand oft schweißgebadet vor mir. Entweder er war auf Entzug oder völlig zugedröhnt“, vermutete der Zeuge, der dem Angeklagten Verfolgungswahn unterstellte. Einmal hätten sie übers Kiffen gesprochen. Arvid hätte sich stets umgeschaut und geflüstert: „Nicht so laut.“ Der Prozess dauert an.

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