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Das Chaos auf der Münchner Straße könnte bald der Vergangenheit angehören: Denn die roten Radschutzstreifen, die kurz nach der Kreuzung zur Bahnhofstraße enden, sollen entlang der inneren Münchner Straße fortgesetzt werden. Außerdem gibt’s künftig eine Spur weniger – und dafür in der Mitte eine Multifunktionsspur.

Weniger Unfälle, mehr Stau?

Die Münchner Straße wird dreispurig

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Dachau - Die innere Münchner Straße in Dachau ist eine Hauptunfallstraße. Nun soll sich das ändern. Und zwar nicht, wie geplant, mit theoretischen Überlegungen anhand einer Simulation – sondern in Wirklichkeit: mit neuen Markierungen. Und mit nur drei Spuren.

Vor genau einem Jahr hatte der Verkehrsausschuss der Stadt Dachau beschlossen, dass sich in der inneren Münchner Straße etwas ändern soll. Und zwar viel – denn die Straße ist eine der Hauptunfallstraßen in Dachau: 59 Unfälle gab es dort im Jahr 2014. Also entschied das Gremium, dass eine Simulation erstellt werden solle, mit sämtlichen Planfällen. Damals hieß es: Kostenpunkt etwa 20 bis 30 000 Euro.

Doch in den Haushaltsberatungen tauchte der Punkt dann mit 100 000 Euro auf. Was vielen Politikern sauer aufstieß: Warum so viel Geld? In der Dienstags-Sitzung des Verkehrsausschusses stellte die Stadtverwaltung dar, warum: Für die Simulation müssten zunächst die Daten der Verkehrsteilnehmer gesammelt werden, das allein würde schon 20 bis 30 000 Euro kosten. Die Simulation des Bestands würde 20 bis 30 000 Euro kosten, die Planfälle dann nochmal 10 bis 15 000 Euro. Also lautet die Summe: 50 bis 85 000 Euro.

Um diesen großen Batzen Geld zu umgehen, hatte die Stadtverwaltung allerdings gleich eine neue Lösung parat: Wie wäre es, die Idee einfach mal auszuprobieren? Also in Wirklichkeit? Die Straße ummarkieren, mit zwei Radschutzstreifen links und rechts – und der Reduzierung der vierspurigen Münchner Straße auf drei Spuren. Außerdem soll eine Mittelinsel bei der Bäckerei Denk als Überquerungshilfe gebaut werden, für etwa 10 000 Euro. Die Fußgängerampel an der Bäckerei Rackl aber war kein Thema mehr.

Die Politiker sahen diesen neuen Ansatz des Ausprobierens sehr positiv. „Bravo“, meinte etwa Volker C. Koch (SPD). Erstens sei das billiger, und zweitens werden dadurch alle Fragen endlich „geklärt“. Auch Franz Xaver Vieregg fand den Vorschlag „sehr gut“. Nur die CSU war etwas vorsichtiger: „Als Versuch wird der Vorschlag akzeptiert“, sagte August Haas (CSU). „Aber wir wollen eine zeitliche Grenze – ein Jahr.“

Darauf ließen sich alle ein. Nun muss die Verwaltung erst einmal einen Plan ausarbeiten. Denn bei einer dreispurigen Münchner Straße bleibt natürlich die Frage: Wem gehört dann der mittlere Streifen? Darüber will sich das Bauamt nun Gedanken machen. Leiter Michael Simon weist auf „unterschiedliche“ Verwendungsmöglichkeiten hin, etwa für Linksabbieger oder Querungshilfen. Klar ist: Eine Extra-Spur entweder nur für die stadtauswärts oder stadteinwärts fahrenden Kfz wird es nicht geben.

Der Verkehrsexperte der Dachauer Polizei, Richard Wacht, ist „optimistisch“, dass dies genau der richtige Weg ist für die Münchner Straße. Er vermutet, dass die Mittelspur eine Art „Multifunktionsspur“ werden könnte, „à la Karlsfeld“. Dort ist die Münchner Straße fünfspurig, und die Mittelspur kann von Abbiegern und Einfädlern genutzt werden. Was die Sicherheit der Straße erhöhen würde, meint Wacht. Die Unfälle passieren dort erstens beim Ein- und Ausparken und zweitens beim Spurwechsel. „Der Spurwechsel fällt dann ganz weg“, sagt Wacht, und zudem gebe es dann „mehr Raum zum Ausparken“. Fazit: „Ich bin mir relativ sicher, dass die Anzahl der Unfälle sinken wird.“

Auch die beidseitigen Radschutzstreifen sieht Wacht positiv: Solche rotmarkierten Streifen gibt es schon in der Nähe der Kreuzung Münchner Straße/Schillerstraße/Bahnhofstraße. Dort gab es zuvor etwa 20 bis 30 Unfälle mit Radfahrern pro Jahr – seit den Streifen hat sich die Zahl mehr als halbiert. Einziger Nachteil: „Der Verkehrsfluss wird darunter leiden“, meint Wacht.

Wie sehr, wird man eben bei dem Versuch sehen. Live und in Farbe.

Nina Praun

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