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Allein im Kloster: Schwester Apollonia Buchinger in den Gängen des Klosters Altomünster, das nun aufgelöst wird.

Schweater Apollonia ist die letzte Nonne

Nach 519 Jahren: Kloster Altomünster wird aufgelöst

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Altomünster - Nach 519 Jahren ist Schluss. Das Kloster Altomünster wird aufgelöst. Es lebt noch eine Birgitten-Schwester im Kloster, die 60-jährige Apollonia Buchinger.

Der erste Schock hat sich gelegt. „Die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet“, sagt Konrad Wagner, 24 Jahre lang Bürgermeister des Marktes Altomünster (Kreis Dachau). Wagner sitzt im Café Mair, mitten im Ortszentrum, und bestellt ein Pater Simon Pils. Pater Simon Hörmann war einst bedeutender Prior des Birgittenordens in Altomünster. Das Kloster steht nicht nur mitten in der Marktgemeinde, seine Geschichte ist überall im Ort. Im Klosterladen, im Klostermuseum, auf den Straßenschildern – oder eben auf dem Flaschen-Etikett der örtlichen Brauerei. „Wir waren alle überrascht“, sagt Wagner. Für Altomünster ist eine weitreichende Entscheidung gefallen, und niemand in der Gemeinde durfte mitreden. Entschieden wurde in Rom.

Am Mittwoch vergangener Woche überbrachte eine Delegation die Nachricht der vatikanischen Ordenskongregation. Schwester Gabriele Konrad vom Franziskanerorden im nahegelegenen Schönbrunn wurde beauftragt, „die Gemeinschaft auf dem Weg zur unvermeidlichen Auflösung des Klosters zu leiten“. Wobei Gemeinschaft weit gegriffen ist: Es lebt noch eine Birgitten-Schwester im Kloster, die 60-jährige Apollonia Buchinger. Eine zweite Schwester ist in einem Münchner Pflegeheim untergebracht. Somit könne keine ordentliche Leitung mehr gebildet werden, heißt es in dem Dekret. „Um Novizinnen auszubilden, braucht das Kloster nach kirchlichem Recht mindestens drei Schwestern, die auch im Kloster wohnen“, sagt Ordinariats-Sprecher Christoph Kappes.

Dass dem Kloster die Schwestern ausgehen, ist nicht neu. Von 1947 an, als 62 Nonnen in Altomünster lebten, ging die Zahl kontinuierlich zurück. Vor zwei Jahren hatte sich eine Art Beraterkreis gegründet, die sogenannten fratres et sorores ab extra (Brüder und Schwestern von außen), mit dem Zweck, das Kloster zu erhalten. Altbürgermeister Wagner zählt dazu, ebenso wie Historiker Wilhelm Liebhart oder Bezirkstagspräsident Josef Mederer.

Liebhart sitzt neben dem Altbürgermeister im Café. Er sagt: „Das Kloster und der Markt – das war immer eine Symbiose.“ Die Gemeinde unterstützte die Schwestern, im Gegenzug bekam die Kommune bei Bedarf Baugrund aus den Gebieten des Ordens. Wagner nimmt einen Schluck Pater Simon und sagt: „Früher haben wir Wäsche an die Klosterpforte gebracht.“ Für wenig Geld erledigten die Nonnen Wasch- und Bügelarbeiten. Sonst lebten sie von Verpachtungen und Erbbaurechtszinsen. „Identitätsstiftend“ sei das Kloster für Altomünster immer gewesen. Obwohl den Großteil der Räume auf dem mehrere tausend Quadratmeter großen Gelände kaum je ein Bürger zu Gesicht bekam. Sie sind den Ordensschwestern vorbehalten. „Wir haben immer die Hoffnung gehabt, einen lebendigen Konvent zu erhalten“, sagt Wagner. Bis zuletzt habe es zwei ernsthafte Anwärterinnen gegeben. Außerdem wurde über einen Beitritt der seit kurzem im Kloster angesiedelten Gemeinschaft Donum Domini spekuliert. Kirchlich anerkannt sind die ultrakonservativen Abtreibungsgegner aber nicht – wegen „konfuser Statuten, die nicht den Standards entsprechen“, wie Kappes sagt.

Doch anscheinend hat Rom nicht nur wegen des Nachwuchs-Problems eingegriffen. Offenbar wurde kritisch beäugt, wie Jörg Fehlner, Direktor des ebenfalls im Kloster angesiedelten Gästehauses, die Gemäuer eigenmächtig umbaute. Er habe dafür keine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis gehabt, heißt es aus dem Landratsamt. Im August hat die Behörde deshalb einen Baustopp ausgesprochen. Auch das als neue Einnahmequelle geplante „BurnoutCentrum“ am Gästehaus sahen viele Altomünsterer kritisch. Die Vortragsliste wartete mit teils esoterisch-angehauchten Themen auf, mit Seminaren über „Neuroimagination“ oder „emotionale Freiheit“. Kurzzeitig sorgte die Ankündigung für Aufregung, der ehemalige Bischof von Eichstätt und Augsburg, Walter Mixa, sei unter den Referenten. Bislang hat aber noch keine Veranstaltung stattgefunden.

Bezirkstagspräsident Mederer sagt, im Beraterkreis sei die Freude über eine mögliche Zukunft des Klosters größer gewesen als der Blick für die Realität. Der Sanierungsstau im Kloster sei unübersehbar, aber „die eigenmächtigen Bauaktionen waren laienhaft und unprofessionell.“

Zum Eklat kam es, als sich der Kreis nach Bekanntwerden des Dekrets am Gästehaus zur Diskussion traf. Die neue apostolische Kommissarin machte von ihrem Hausrecht Gebrauch und untersagte die Versammlung. „Mittelalterliche Methoden“ seien das, schimpft Wagner. „Für mich ist das eine gewollte Isolation von Schwester Apollonia.“ In dem römischen Dekret heißt es auch, die Kommissarin habe die unzulässige Einmischung Dritter zu kontrollieren.

Schwester Gabriele Konrad muss sich nun darum kümmern, wo und wie Schwester Apollonia untergebracht wird. Und das Kloster? In den Statuten steht ein Passus, der besagt, dass das Vermögen im Falle einer Auflösung an das Erzbistum München und Freising übergeht – mit dem Zweck, für den Unterhalt der Schwestern zu sorgen und Priester und Ordensberufe zu fördern. Kappes bestätigt das. Aber das Dekret aus Rom besagt auch, dass die Kommissarin vor Entscheidungen in ökonomischen Angelegenheiten die Zustimmung des Dikasteriums, also der päpstlichen Kongregation, einholen muss. Damit ist die Zukunft des Klosters völlig offen – das letzte Wort hat der Vatikan.

Die Unterstützer hoffen, dass eine kirchliche Einrichtung erhalten bleibt. „Ein Bildungszentrum mit einem kirchlichen Träger wäre schön“, sagt Liebhart. Die schlechteste Lösung sei eine „totale Verwertung durch einen privaten Investor, ein Event-Kloster Altomünster“. Über Direktor Fehlner sagt Wagner nach den Querelen der vergangenen Tage: „Ich glaube nicht, dass er hier eine Zukunft hat.“

Update 18. März 2016: 

Gästehaus-Direktor Fehlner hat sich unterdessen zu Wort gemeldet und die Vorwürfe von Bezirkstagspräsident Mederer vehement zurückgewiesen. Es habe sich keineswegs um „eigenmächtige Umbauten“ gehandelt. Er habe lediglich einige notwendige Reparaturen sowie Maßnahmen zur Notsicherung in Angriff genommen, teilte Fehlner mit. Dies sei mit Schwester Apollonia Buchinger abgestimmt gewesen. Darüber hinaus habe es eine erste Vorplanung für eine mögliche Sanierung gegeben. Die Planung sei aber noch nicht so weit fortgeschritten gewesen, dass ein Bauantrag hätte eingereicht werden müssen. Auch eine denkmalschutzrechtliche Zustimmung sei noch nicht erforderlich gewesen.

Von Dominik Göttler

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