Am Dachstein: Frau stürzt in Österreich 300 Meter in die Tiefe - und überlebt

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Martyrium für junge Frau

Nacktbilder der Ex-Freundin verschickt

Dachau – „Das ist der Fluch der neuen Medien“ sagt Richter Daniel Dorner, während eine in Tränen aufgelöste junge Frau vor ihm am Amtsgericht Dachau sitzt.

Die heute 18-Jährige schildert, welches Martyrium sie seit nun schon zehn Monaten durchmacht. Ihr Ex-Freund hat Nacktbilder der damals Minderjährigen übers Handy an Freunde weitergeschickt. Die haben die Bilder wieder weitergeschickt, bis sie schließlich bei Facebook im Internet auftauchten. „Ich kann nirgendwo hingehen, es wird immer mit dem Finger auf mich gezeigt“, schluchzt die junge Frau. „Du bist doch die Schlampe mit den Nacktbildern“, sei sie erst kürzlich auf einer Party in München beschimpft worden. Selbst in einer Münchner Universität sollen die Bilder im Umlauf sein. „Ich hab das sogar meinem Chef gebeichtet“, erzählt die gedemütigte junge Frau.

Währenddessen sitzt ihr 19-jähriger Ex-Freund auf der Anklagebank. Er gibt zu, die Bilder weitergeschickt zu haben, nachdem die Beziehung beendet war. Warum er das getan hat, daran will sich der Einzelhandelskaufmann-Azubi nicht mehr genau erinnern. „Das war bei Partys, ich hab schon was getrunken“, sagt er. Dann will er sich bei seiner Ex-Freundin entschuldigen. Doch die blockt ab: „Ich will nichts von ihm hören – gar nichts.“

Der Vorwurf, der dem Angeklagten gemacht wird: „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“. Dieses Gesetz wurde mit den neuen Medien notwendig, erklärt Richter Dorner. „Wenn einmal was im Umlauf ist, kann man es nicht mehr aufhalten.“ Der 19-Jährige ist auch wegen Nötigung und der Verbreitung jugendpornographischer Schriften angeklagt – denn unter den verschickten Bildern soll eines von den Genitalien der jungen Frau sein. Außerdem sagt die 18-Jährige, dass ihr Ex-Freund sie bedroht hat: Sie sollte neue Nacktbilder schicken, ansonsten würde er die alten verbreiten. „Ich habe zum Spaß nachgefragt, zu dem Zeitpunkt hatte ich nicht vor, die Bilder weiterzuschicken“, sagt der Azubi.

Um zu zeigen, welche Bilder er weitergeschickt hat, muss er sich mit dem Richter alle Bilder durchsehen. Es sind rund 50 Fotos, die er von seiner Ex-Freundin erhalten hat. Welche er genau weitergeschickt hat, weiß er nicht mehr. Einem Freund, dem er ein Bild seiner Ex mit entblößten Brüsten gesendet hat, sitzt mit auf der Anklagebank. Der hat das Bild an zwei weitere Bekannte geschickt. Ihn verurteilte der Richter nach Jugendstrafrecht zu 300 Euro Geldstrafe, denn ihm „hätte klar sein müssen, dass das der jungen Frau nicht recht war“. Der Ex-Freund selbst wurde noch nicht verurteilt, seine Verhandlung geht im Februar weiter. Bis dahin will die Staatsanwalt prüfen, ob der 19-Jährige auch Bilder mit pornografischen Posen verschickt hat.

christian chymyn

Rubriklistenbild: © dpa

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