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Haben einen harten Beruf: die Schauspieler Jürgen Füser und Janet Bens (vorne, von links) sowie Christina Schäfer, Ansgar Wilk, Tobis Zeitz und Annalena Lipp (hinten, von links). 

„Der Nackte Wahnsinn“ im Hoftheater Bergkirchen

Liebeserklärung an die Bretter, die die Welt bedeuten

Alles läuft schief, morgen ist Premiere, und keiner weiß, wo es langgeht: „Der nackte Wahnsinn“ spielt sich derzeit auf der Bühne des Hoftheaters Bergkirchen ab. Mit dem turbulenten Stück von Michael Frayn in der deutschen Übersetzung von Ursula Lyn und der witzigen Inszenierung von Ansgar Wilk hat das Ensemble die Zuschauer Augenzeugen werden lassen von den atemberaubenden Abläufen vor und hinter den Kulissen.

Bergkirchen –In dieser genialen Parodie auf den Theaterbetrieb, die zugleich eine Liebeserklärung an die Bretter, die die Welt bedeuten, ist, geben die Schauspieler alles, um den Anweisungen des genervten Regisseurs Lloyd Dallas (Herbert Müller), der sich wie „der liebe Gott“ aufführt, Folge zu leisten. Bei der Generalprobe für „Nackte Tatsachen“ liegen bei allen Mitwirkenden die Nerven blank, sie können ihren Text nicht, verpassen die Einsätze oder verzetteln sich in ihrem Geltungsdrang in Eifersüchteleien. Sieben Türen gehen ständig auf und zu.

Und Sardinen spielen eine große Rolle, mal stehen sie da, mal sind sie weg, nur weil die schusslige Haushälterin Mrs. Clackett nicht in der Lage ist, sie an den richtigen Platz zu stellen; Janet Bens spielt diese Rolle hinreißend, kaum wiederzuerkennen ist sie mit ihrem behäbigen Auftreten in Schürze und Hausschuhen. Als begriffsstutzige Anfängerin Brooke Ashton ist im verführerischem schwarzen Hemdchen Annalena Lipp zu erleben, herrlich, wie sie blinzelt, wenn sie ihre Kontaktlinsen mit Hilfe ihrer Kollegen sucht, und ihre Entspannungsübungen zum Greifen nah vor dem Publikum macht. Sie ist die Geliebte des umtriebigen Roger Trampleman (Ansgar Wilk), doch als störend erweist sich, dass die Hausbesitzer, Philip und Flavia Brent (bestens besetzt mit Jürgen Füser und Christina Schäfer), auf der Flucht vor der Steuerfahndung unerwartet in ihrem Domizil auftauchen und für neuen Wirbel sorgen. Charmant bleibt Tobias Zeitz auch als alkoholabhängiger Einbrecher Seldson Mowbray, der sich durchs Fenster Einlass verschafft. Verzweifelt versuchen Regieassistentin Poppy Norton Tayer (Lisa Wittemer) und Inspizient Tim Allgood (Stephan Roth) Einfluss zu nehmen auf das absurde Geschehen auf der Bühne: „Zeig, dass du Schauspieler bist, Haltung bewahren“. Das ist nicht einfach, etwa wenn Jürgen Füser seine Hose verliert oder auf den Sardinen ausrutscht.

Dem Ensemble des Hoftheaters ist das Kunststück gelungen, den „nackten Wahnsinn“ auf der kleinen Bühne einfallsreich umzusetzen, denn diese „unsinnige und lebensechte Theaterkomödie“ wird in erster Linie von großen Häusern gespielt. Im Stück heißt es: „Was sind wir doch für ein tolles Team!“ Genau das haben die neun Akteure mit ihrem Spaß am Spiel gezeigt! Nicht zu vergessen ist Ulrike Beckers, die wochenlang geschneidert und geschreinert hat, um der Aufführung mit Bühnenbild und Kostümen das Gesicht zu geben. Als Regie- und Ausstattungsassistent hat Jonathan Kramer an dieser Winterkomödie mitgewirkt, die zunächst bis Faschingsdienstag, 13. Februar, auf dem Programm steht.

Bei den Premieren-Besuchern kam das rasante Spektakel bestens an. Mit lang anhaltendem Applaus bedankten sie sich bei den Darstellern und räumten ein, dass Schauspieler, wie es heißt, einer der schwersten Berufe überhaupt ist.

Karten für die weiteren Vorstellungen gibt es unter mail@hoftheater-bergkirchen.de oder unter Telefon 0 81 31/32 64 00. Ingrid Koch

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