Die nächsten Betriebe sind schon in Bau

Odelzhausen - Nach dem Ausfall der Kläranlage und der anschließenden Verunreinigung der Glonn geht die Gemeinde Odelzhausen nun gegen einen örtlichen Großbetrieb vor: Der Feinkostproduzent darf sein Abwasser nicht mehr in die Kanalisation ableiten. Dass damit das Abwasserproblem dauerhaft gelöst, ist jedoch unwahrscheinlich.

Der Feinkostproduzent Dahlhoff muss wegen der Abwasserkrise in der Glonntalgemeinde zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen. Das Abwasser der Firma darf derzeit nicht mehr in die Kanalisation abgeleitet werden, sondern wird mit Lkw abgeholt.

Da die Kläranlage wegen dauerhafter Überbelastung vor einer Woche ausfiel (wir berichteten), muss der Betreiber - also die Gemeinde - jetzt dafür sorgen, dass die Abwassermengen reduziert werden. Deshalb untersagte die Gemeinde der Firma, weiterhin Abwasser in die Kanalisation einzuleiten. Die Abwasserrohre wurden verschlossen, weil sie nach Angaben von Bürgermeister Konrad Brandmair nicht der Abwassersatzung der Gemeinde entsprechen. Keine Auskunft konnte er darüber geben, ob dies die Abwassermengen oder -werte betrifft. Die Gemeinde versucht laut ihrem Oberhaupt derzeit, die Kläranlage wieder zum Laufen zu bringen. Hohe Mengen von nur teilweise geklärtem Abwasser aus dem gesamten Gemeindegebiet liefen in den Fluss Glonn.

Brandmair betonte gegenüber dieser Zeitung, dass die Kläranlage niemals völlig ausgefallen sei: „Die Anlage war nie tot, sondern nur gestört. Statt 100 Prozent lieferte sie nur 75 Prozent Reinigungsleistung. Es ist nie und nimmer ungeklärtes, sondern nur unvollständig geklärtes Wasser in die Glonn abgegeben worden. Es sind keine Fische, keine Pflanzen gestorben.“ Laut Brandmair erholt sich die Kläranlage aber schnell: „Die Ablaufwerte des Wassers, das nach wie vor in die Glonn abgegeben wird, sind schon wieder besser als vor dem Störfall.“

Das im täglichen Produktionsbetrieb anfallende Abwasser lässt die Firma Dahlhoff jetzt auf unbestimmte Zeit und auf eigene Kosten von einer Spezialfirma mit Tanklastwagen abholen. Nach Angaben von Inhaber Johannes Dahlhoff „eine absurde Situation“. Erst Ende vergangenen Jahres hatte der Feinkostbetrieb nach einer intensiven Planungsphase in Zusammenarbeit mit der Gemeinde in Odelzhausen seine Produktion aufgenommen. Dahlhoff ist entsprechend aufgebracht: „Ein unglaublicher Zustand! Das habe ich woanders noch nicht erlebt.“ Wer letztendlich die Kosten für die nun extern durchgeführte Abwasserentsorgung trägt, ist noch unklar.

Nicht betroffen ist der Reinigungsmittelhersteller Kiehl. Inhaber Johannes Kiehl bestätigte, dass das Abwasser der Firma wie immer intensiv geprüft und weiter in den Kanal eingeleitet werde: „Wir haben in den vergangenen Jahren stetig an einer Verbesserung der Abwasserwerte gearbeitet und die Mengen sogar reduziert.“

Doch Kiehl und Dahlhoff sind nicht die einzigen großen Abwasserproduzenten in Odelzhausen. Zur Zeit befinden sich zwei weitere große Gewerbebetriebe - ein Logistikunternehmen und ein Hersteller von Medizininstrumenten - in der Bauphase und wollen in absehbarer Zeit ans Kanalnetz gehen - was die Belastung der Kläranlage nicht verringern dürfte.

Die Gemeinden Odelzhausen und Sulzemoos hatten bereits vor Monaten hierfür formell einen Abwasserzweckverband gegründet, um gemeinsam eine Kläranlage zu betreiben. Hierzu soll die bestehende Kläranlage der Gemeinde Odelzhausen im Ortsteil Taxa ausgebaut und ihre Leistungsfähigkeit erhöht werden.

Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes ist Sulzemoos Bürgermeister Gerhard Hainzinger. Seitdem die Überbelastung der Odelzhausener Kläranlage bekannt wurde, ist das gemeinsame Projekt jedoch auf Eis gelegt. Sulzemoos, dessen aus den 1980er-Jahren stammende Kläranlage ebenfalls unter hohen Druck steht, fordert nun Transparenz in Sachen der hohen Abwassermengen aus dem Gewerbegebiet Odelzhausen. Frühestens ab Herbst, nach Vorliegen aller Entscheidungsgrundlagen, sollen sich die zuständigen Gremien dann erneut mit der künftigen Abwasserentsorgung der beiden Gemeinden befassen.

(sm/cst)

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