+
Herr der Pläne: Oskar Schmirler (l.) behält im Materialraum die Nerven. Ihn unterstützen Helmut Extner (M.) und Gerhard Proske (r.). Edi Kern und Christa Berger-Stögbauer wissen, dass sie sich auf ihr Team verlassen können.

Wie Nervenkitzel zur Vorfreude wird

Für einige Karlsfelder hat der Ausnahmezustand schon vor ein paar Tagen begonnen. Als die ersten Schausteller mit ihren Wohnwagen und Lastern auf dem Siedlerfestplatz anrückten. Mitgebracht haben sie nicht nur ihr Material – sondern auch das Kribbeln, das bei den Siedlern jedes Jahr um diese Jahreszeit einsetzt.

Edi Kern braucht dieser Tage viel Zeit für einen Spaziergang über den Siedlerfestplatz. An fast jeder Bude, an fast jedem Fahrgeschäft bleibt er kurz stehen. Es sind viele bekannte Gesichter, die in dieser Woche nach Karlsfeld gereist sind. Schaustellerfamilien, die er seit vielen Jahren kennt. Die immer wieder gerne kommen. Edi Kern kennt von manchen sogar schon die Eltern oder Großeltern. Der Vorsitzende der Siedler ist jetzt 79 Jahre alt. Aber das Kribbeln kommt nach wie vor. Jedes Jahr Ende Juni. Wenn die letzten Tage vor der Eröffnung beginnen.

Für Festreferentin Christa Berger-Stögbauer ist es mehr als ein Kribbeln. „Fast schon ein Bauchgrummeln“, sagt sie und lacht. Ihr Handy klingelt im Zehnminutentakt. Ihre Tasche ist voll mit Notizzetteln und Unterlagen. Für sie und die Mitglieder der Siedlergemeinschaft Karlsfeld-Nord dauert das Fest nicht zehn Tage, sondern zehn Monate. Bereits im September haben sie mit den Vorbereitungen begonnen, Bewerbungen diskutiert, Pläne gezeichnet, das Programm zusammengestellt.

Wer Volksfeste organisiert, muss starke Nerven haben

„So gut die Organisation auch läuft, vor unerwarteten Überraschungen ist man nie gefeit“, sagt Edi Kern. Wer ein Großereignis organisiert, darf nie die Nerven verlieren. Und muss erfinderisch sein. Vor ein paar Jahren hatte es beispielsweise so geregnet, dass am Tag des Brillantfeuerwerks der gesamte Volksfestplatz unter Wasser stand, erinnert sich Christa Berger-Stögbauer. „Wir haben den Platz mit Pumpen leergesaugt“, erzählt sie. Das Fest ging weiter, das Feuerwerk konnte stattfinden.

Sie sind selten, die Momente, in denen Edi Kern und Christa Berger-Stögbauer das Siedlerfest einfach genießen können. Aber die beiden finden immer wieder einige Minuten, in denen sie das Kribbeln im Bauch bewusst auskosten. Wenn sie gemeinsam über den Platz laufen, sich mit den Schaustellern unterhalten, Hände schütteln und Scherze machen. Aus den Augenwinkeln sehen sie Oskar Schmirler auf seinem olivgrünen Klapprad vorbeifahren. In der Hand den großen Lageplan, auf dem Kopf einen beigen Sonnenhut.

Oskar Schmirler bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Er ist den ganzen Tag im Materialraum am Siedlerfestplatz. Er löst gemeinsam mit Helmut Extner und Gerhard Proske jedes Problem, das bis zur Eröffnung des Vergnügungsparks heute Abend auftreten könnte. Dieses eingespielte Team ist der Grund, der Edi Kern und Christa Berger-Stögbauer so ruhig bleiben lässt. Sie wissen, sie können sich auf die Helfer im Hintergrund verlassen.

Die beiden Organisatoren schlendern durch das leere Bierzelt, um Festwirt Burkhard Greiner Hallo zu sagen. Die Tische und Bänke sind längst aufgebaut, das Zelt ist fertig dekoriert. Aber es ist ungewohnt still – so still wie man Bierzelte nie erlebt. Ohne Besucher, ohne Musik, ohne Bedienungen. Es sind Augenblicke, in denen die Siedler ihr Fest noch ganz für sich alleine haben. Als Edi Kern und Christa Berger-Stögbauer aus dem Zelt kommen, fährt gerade wieder Oskar Schmirler auf dem Rad vorbei. Er winkt fröhlich, den Plan in der Hand. Es ist der Moment, in dem sich Christa Berger-Stögbauers Bauchgrummeln auflöst. Der Moment, in dem aus Nervosität Vorfreude wird.

(kwo)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Geheimnis weichen Wassers
Wasser ist kostbar und Karlsfelder Wasser ist obendrein noch weich. Das liegt an mehreren Faktoren und an Leuten, deren Leidenschaft die Arbeit ist
Das Geheimnis weichen Wassers
„Gemütlichkeit ist schlicht nicht möglich“ - So geht es den Wirten im Landkreis nach der Öffnung
Endlich wieder eine frisch gezapfte Halbe im Biergarten genießen, einen deftigen Schweinsbraten oder ein feines Fischgericht im gemütlichen Lokal: Alles wieder möglich, …
„Gemütlichkeit ist schlicht nicht möglich“ - So geht es den Wirten im Landkreis nach der Öffnung
Dachauer Freibad: Keine Öffnung per Eilverfügung
Die Dachauer CSU forderte eine Öffnung per Eilentscheidung, die  Bäderreferentin im Stadtrat, Ingrid Sedlbauer, fordert: Sommer daheim - nicht ohne unser Freibad. Doch …
Dachauer Freibad: Keine Öffnung per Eilverfügung
Hoher Preis: EU zeichnet Ignaz-Taschner-Gymnasium aus
Das Ignaz-Taschner-Gymnasium hat für seinen hochwertigen Unterricht über die Europäische Union als erste deutsche Schule den Jan Amos Comenius Preis der EU-Kommission …
Hoher Preis: EU zeichnet Ignaz-Taschner-Gymnasium aus

Kommentare