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Fachmännisch legt der fünfjährige Tobias seinem Freund Vincent einen Verband an.

Neues Programm des Jugendrotkreuzes

Erste Hilfe? Kinderleicht!

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Vierkirchen - Wie lege ich einen Verband an? Was hilft gegen Nasenbluten? Und wie kühle ich eine Beule? Beim neuen „Trau Dich“-Programm des Jugendrotkreuzes lernen Kindergartenkinder die Grundlagen der Ersten Hilfe. Und auf einmal will jeder ein Pflaster.

Mit geübtem Griff reißt der kleine Tobias mit den blonden Locken die Plastikverpackung des Wunderbands auf. Er ist erst fünf Jahre alt, oder wie er sagt, „eine Hand voll“, aber wie man einen Verband anlegt, das weiß er schon ganz genau. Sein Kindergarten-Kumpane Vincent streckt den Arm aus und schiebt den Ärmel hoch. Ein paar mal konzentriert wickeln und schon hat Tobias seinen Sitznachbarn vorbildlich verarztet. Beide begutachten den Arm. „Sieht gut aus“, sagt Vincent und Tobias kichert.

Vincent fehlt natürlich nichts. Er sitzt im Turnraum des Kindergartens „Villa Kunterbunt“ in Vierkirchen im Kreis Dachau zwischen den anderen Kindern. Alle haben mindestens einen Verband am Arm oder um die Hand, dazu jede Menge Pflaster – nur Schmerzen hat keiner. Sie haben gerade gelernt, wie man eine Wunde versorgt. Denn das ist ein Teil des neuen „Trau Dich“-Programms des Bayerischen Jugendrotkreuzes.

Zielgruppe dieses Programms sind Kinder ab vier Jahren. „Wir wollen die Kinder damit spielerisch an das Thema Erste Hilfe heranführen und ihnen die Hemmungen nehmen“, sagt Florian Rößle vom Bayerischen Jugendrotkreuz. „Dafür haben wir mit Hilfe von Erziehern einen Ordner mit sieben Einheiten angelegt.“ Darin geht es um die Wehwehchen, die den Kindern immer wieder im Alltag und auch im Kindergarten selbst begegnen.

Neben der Wundversorgung lernen die Kinder, wie und wo sie im Ernstfall Hilfe holen können, was bei Beulen und Quetschungen, bei Verbrennungen und Verbrühungen oder Verätzungen hilft. Aber auch beim nervigen Nasenbluten. In der letzten Einheit erfahren sie auch noch, was es mit der stabilen Seitenlage auf sich hat. Ein guter Ansatz, findet Bernhard Seidenath, CSU-Landtagsabgeordneter und BRK-Vorsitzender des Dachauer Kreisverbands. „Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Für ihn ist das Programm auch eine Erziehung zur Zivilcourage.

Die Stars des Programms sind die Handpuppen Solfi und Rino mit Latzhose und Strubbelkopf. Mit ihren Geschichten führt Erzieherin Emilie Rückert die Kinder zum Thema der jeweiligen Einheit. Heute gehen Solfi und Rino gemeinsam mit Pfeil und Bogen in den Wald. Bevor jedoch der böse Wolf kommt, den ein Kind schon hinter dem Baum vermutet, stolpert Rino auf einem der Comic-Plakate über eine Wurzel und schürft sich auf. „Ohje, das ist schiefgegangen“, schreit eines der Kindergartenkinder entsetzt. Hier kommt der Erste-Hilfe-Korb ins Spiel. Emilie Rückert zeigt der Gruppe, wie der Verband auf die Wunde gehört – und dann dürfen alle fleißig selbst ausprobieren.

„Ich hab mich erst beim Spielen am Fuß verletzt“, erzählt die sechsjährige Isabell, während sie der gleichaltrigen Slendy die Finger zusammenwickelt und dann noch ein Pflaster auf den Arm klebt. „Da hab ich auch einen Verband gebraucht.“ Das musste damals noch der Papa machen. Und heute? „Jetzt kann ich das selbst“, sagt Isabell und strahlt.

Nutzen kann die Materialien im Grunde jeder Kindergarten. „Wir stellen sie auf unserer Internetseite bereit“, sagt Florian Rößle. Interessierte Erzieher können sich über den örtlichen BRK-Kreisverband eine Einweisung holen – oder die Ausbilder des BRK für einen ganzen Projekttag anfragen.

Emilie Rückert ist zufrieden mit der Einheit, die sie mitentwickelt hat. Sie sammelt noch die vielen Pflasteraufkleber vom Boden zusammen. Beim nächsten Mal will sie den Kindern zeigen, wie sie eine Beule kühlen. In Zukunft soll es in der Villa Kunterbunt außerdem eine Pflasterkiste geben – damit die Kinder ihre Wehwehchen gleich selbst verarzten könnnen. „Jetzt wissen sie ja, wie es geht.“

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