Der ehemalige Häftling Ernst Grube hielt im vergangenen Jahr im Rahmen eines Projektes des ITG Vorträge im Dachauer Jugendgästehaus. Foto: cb

„Nie wieder“ - auch auf dem Fußballplatz

Dachau/München - Die Deutsche Fußball Liga und die Klubs gedenken am Freitag, 28. Januar, der Opfer des Holocaust und des Nationalsozialismus. Die Aktion geht auch auf die Initiative der evangelischen Versöhnungskirche in Dachau zurück.

„Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben frei und von Gleichaltrigen angenommen gefühlt.“ So erinnert sich der Münchner Malermeister Ernst Grube (78) an seine Zeit als linker Verteidiger in Jugendmannschaften des TSV 1860 München und Helios München in den Jahren 1947 bis 1951. Dass er mitspielen durfte und anerkannt war, war für ihn keine Selbstverständlichkeit. „In der Nazi-Zeit erlebte ich als jüdisches Kind fast nur Ausgrenzung. Ich durfte weder in die Schule gehen, noch in einem Verein Fußball spielen.“

Von Februar 1945 bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 war er als Zwölfjähriger mit seinen beiden Geschwistern und seiner Mutter im KZ Theresienstadt (heute Tschechien) eingesperrt.

Als Gast in Fußballstadien muss sich Grube heute auch rechtsradikale Parolen anhören. „Es macht mich fassungslos, wenn da zur Verunglimpfung des Gegners beispielsweise gesungen wird: ,Auschwitz ist eure Heimat. Eure Häuser sind die Öfen.’ Oder: ,Wir bauen euch eine U-Bahn bis nach Auschwitz’“, sagt der Fußballfan. Dann empfinde er eine starke Wut.

Seit sieben Jahren setzen immer mehr Fußballfreunde mit Unterstützung des Deutschen Fußballbundes (DFB), Vereinen und Fanclubs solchem Treiben etwas entgegen. Rund um den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 findet die Aktion unter dem Motto „Nie wieder“ der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Stadien und Vereinszeitschriften statt, in diesem Jahr an den kommenden Spieltagen von Freitag bis Montag (28. bis 31. Januar).

Die Initiative ging von Mitarbeitern der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau und dem Münchner Fanclub „Löwen gegen Rechts“ aus. Wie in den vergangenen Jahren wollen Stadiondurchsagen sowie Artikel auf den Internetseiten der Vereine und in Vereinszeitschriften für Menschlichkeit und Fairness werben. (mm)

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