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Der Zug kommt! Was normalerweise, gerade für Pendler, eine gute Nachricht ist, erleben die Anwohner eines Bahnübergangs in Niederroth gerade als Alptraum.

Defekte Schranke am Bahnübergang in Niederroth

Zug-Hupen treibt Anwohner in den Wahnsinn

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Die Anwohner rund um den Bahnübergang an der Sigmertshauser Straße in Niederroth machen seit drei Tagen kein Auge zu. Der Grund: Die Schranke ist defekt und schließt nicht mehr, weshalb die S-Bahnfahrer mit einem lauten Hupen auf ihre Durchfahrt hinweisen – und zwar rund um die Uhr.

Niederroth – Der sogenannte Streckenagent, also der Störungsmeldungsservice der Bahn für die Münchner S-Bahn, war gestern um 9.53 Uhr noch guter Dinge: Zwar bestünden „weiterhin an zwei Bahnübergängen zwischen Dachau und Altomünster technische Störungen“, allerdings komme es dadurch „derzeit zu keinen Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr“.

Für Menschen, die nicht in Niederroth wohnen, mag das – angesichts der vielen Störungen im S-Bahn-Streckennetz – eine gute Nachricht sein. Anwohner des Bahnübergangs an der Sigmertshauser Straße in Niederroth dagegen spüren sehr wohl „Auswirkungen“. Besser gesagt: Sie hören sie!

Denn: Aufgrund eines Defekts lässt sich seit Samstag die Schranke an dem Übergang nicht mehr schließen. S-Bahnfahrer machen daher schon von weitem mit einem – laut Ohrenzeugen – „lauten, langen, durch Mark und Bein gehenden“ Signalgeräusch auf sich aufmerksam. Die Anwohner der Häuser im Umfeld des Übergangs werden dadurch regelmäßig aus dem Schlaf gerissen.

Einer dieser Lärmgeplagten ist Wolfgang Strauß. Er sagt, dass er sich bereits „auf allen Kanälen“, also per E-Mail, Telefon und Twitter, an die Bahn gewendet habe, um die Störung zu melden und um Behebung des Problems zu bitten. Die Reaktion der Bahn, so Strauß: „Null.“

Klar, gibt der genervte Anwohner zu, ist das Hupen der S-Bahnfahrer insofern wichtig, als manche Häuser „nur fünf Meter vom Gleis weg“ stehen. „Nicht auszudenken, wenn da ein kleines Kind über den ungesicherten Übergang läuft“! Die aktuelle Situation stelle eindeutig „ein Sicherheitsproblem“ dar.

Auf der anderen Seite aber sei das regelmäßig und in beide Fahrtrichtungen erfolgende Hupen für die Anwohner auf die Dauer unerträglich. „Das hört um 2 Uhr nachts auf und fängt in der Früh um 4 Uhr wieder an“, so Strauß.

Die Bahn, so betont eine Sprecherin gegenüber der Heimatzeitung, bittet die Anwohner derweil „um Entschuldigung für die erhöhte Lärmbelastung“. Gemeinsam mit der Herstellerfirma laufe „aktuell die Fehleranalyse auf Hochtouren“. Sowohl Techniker der DB als auch der Herstellerfirma seien vor Ort, „die Entstörung des Bahnübergangs hat höchste Priorität“! Grundsätzlich, so die Sprecherin weiter, greife bei defekten Bahnübergängen „ein festgelegtes Verfahren“: Demnach halte der Lokführer vor dem Bahnübergang an, gebe ein Warnsignal ab, fahre langsam zur Mitte des Bahnübergangs, versichere sich erneut, dass der Bahnübergang frei ist und setze seine Fahrt anschließend fort. Ob sogenannte Bahnübergangsposten – also menschliches Personal, wie es die Anwohner sich wünschen würden – eingesetzt werden könne, hängt laut der Sprecherin unter anderem von der Länge der Störung und der jeweiligen Bahnübergangssicherung ab.

Wie lange die „24-Stunden-Lämbelästigung“, wie Anwohner Strauß sie nennt, noch weiter geht, steht also nicht fest. Da die Schranke auch schon in der Vergangenheit öfter mal defekt gewesen sei, „müsste man hier mal endlich das komplette Schrankensystem überprüfen“. Den Willen dazu kann Strauß bei der Bahn jedoch nicht erkennen, denn: „Servicekompetenz und Servicewillen: in Summe nicht vorhanden“.

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