Seelnverwandte: Die Nonne sagt: „Max ist ein Geschnenk für mich.“ Foto: Bayerischer Rundfunk

Die Nonne, die ein Kloster rettete

Dachau - Solche Lebenswege gibt es nicht oft: Da kommt ein bildhübsches Mädchen aus der westfälischen Provinz an die Münchner Residenzstraße, um in der Stadt des schönen Scheins eine Mode-Karriere zu machen.

Doch dann wird sie Nonne in einem der strengsten Orden des Abendlandes und an einem Ort, an dem zigtausendfach gemordet und gefoltert wurde. Elija Boßler ist seit über 45 Jahren Nonne im Karmel Heilig Blut, dem Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen beim ehemaligen KZ Dachau.

Dort machte die Schwester Karriere auf ganz anderen Feldern: Sie wurde zur gefragten Fotografin von KZ-Überlebenden, sie ist als geistliche Begleiterin für Menschen aus dem nahen München da, die mit allen Therapien durch sind und keine Hoffnung mehr haben. Und sie rettete auf Bitten des ehemaligen Münchner Kardinals Friedrich Wetter das Franziskanerinnen-Kloster Reutberg bei Bad Tölz vor dem drohenden Aus. Als Oberin brachte sie Frieden in den Konvent und Ordnung in die Finanzen. Ordensübergreifend - ein Novum im Ordensland Bayern.

Autor Peter Dermühl hat Schwester Elija Boßler (67) in einer 30-Minuten-Dokumentation für das Bayerische Fernsehen portraitiert. Die Nonne, die wie der Münchner Kardinal Reinhard Marx aus dem kleinen ostwestfälischen Ort Geseke stammt, besucht noch einmal den ehemaligen Arbeitsplatz an der Luxusmeile. Dann stellt sie fest, dass sie die Menschen zwar schon möge: „Aber jetzt will ich wieder nach Hause in mein Kloster.“ Im Film sagt die Karmelitin auch, sie sei ihrem Gott für alles dankbar, besonders aber für ein „großes Geschenk“: Die innige Freundschaft mit dem Juden Max Mannheimer, Überlebender von Dachau und Auschwitz.

Mannheimer, kürzlich 91 geworden, ist bundesweit bekannt als Zeitzeuge gegen das Vergessen des Nazi-Terrors. Er geht heute noch in Schulen, schildert sein Leben und hält Vorträge. Die Nonne und der Jude: Er ist ihr Berater, sie seine Kraftquelle. Sie sind Seelenverwandte. Dermühl hat die beiden auch begleitet: Im ehemaligen KZ, als sie die einstige Lagerstraße entlang gehen und ihre tiefe Verbindung erklären. Oder im Karmel Heilig Blut, wo sie sich treffen und anhand von Elijas Bildern über einen gemeinsamen Besuch in Ausschwitz sprechen, der für den heute noch traumatisierten Mannheimer auch eine Art Therapie gewesen war. Oder nach Reutberg: „Hätte Max nicht Ja dazu gesagt, wäre ich nicht dorthin gegangen,“ sagt die Nonne.

Von sich sagt die 67jährige Nonne mit den schönen, lebendigen Augen und dem herzerwärmenden Lachen, sie sei keine Frömmelnde in dunkler Klausur, sie sei bei den Menschen. dn

TV-Tipp:

Am Freitag, 25.März, 17 Uhr, zeigt das Bayerisches Fernsehen das Portrait dieser ungewöhnlichen Frau.

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