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Pflegedienst macht plötzlich dicht - Betroffene erfahren es erst einen Tag vorher

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Von: Thomas Zimmerly

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Ein Pflegedienst in Odelzhausen macht plötzlich dicht - doch die Betroffenen erfahren es einen Tag vorher.
Ein Pflegedienst in Odelzhausen macht plötzlich dicht - doch die Betroffenen erfahren es einen Tag vorher. © picture alliance / dpa / Uli Deck

Eine böse Überraschung haben pflegebedürftige Menschen in der Umgebung von Odelzhausen sowie die Mitarbeiter des sie betreuenden privaten Pflegedienstes Pichlmayr erlebt. Die Mitarbeiter erfuhren vier Tage, die Kunden gar nur einen Tag zuvor, dass die Odelzhauser Niederlassung der Firma dichtgemacht wird. Der Grund: zu wenig Personal.

Odelzhausen – Der für Odelzhausen zuständige Pflegedienstleiter der Firmengruppe Pichlmayr, Heiko Tannek, war geschockt. Von seinem Arbeitgeber erfuhr er am 26. November, dass er und seine sechs Kollegen sich zum 1. Dezember einen neuen Job suchen müssten, weil die Niederlassung Odelzhausen dichtgemacht werden würde. „Diese Art und Weise geht gar nicht“, sagt Tannek heute.

Pflegedienst in Odelzhausen stellt Arbeit ein: 19 Menschen plötzlich ohne Versorgung

Dabei denkt er weniger an die Mitarbeiter, sondern vielmehr an die 19 Menschen, die er und seine Kollegen bis Ende vergangenen Monats versorgt hatten. Tannek selbst hat mittlerweile einen neuen Arbeitgeber gefunden. Und auch für die übrigen Pichlmayr-Kräfte sieht es auf dem Arbeitsmarkt nicht schlecht aus. Aber: „Die alten Menschen wissen doch nicht, was sie machen müssen.“ Zwar hat Pichlmayr beim Anschreiben an seine Kunden zwei alternative Pflegedienste angeboten. „Doch die Kunden wissen doch nicht auf die Schnelle, ob sie von diesen Firmen adäquat versorgt werden“, so Tannek.

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Die Kunden, beziehungsweise deren Angehörige, erfuhren von der Geschäftsaufgabe sogar noch kurzfristiger als die Angestellten. „Einen Tag vor Einstellung der Pflege bekamen wir die Kündigung per Post. Das muss man sich mal vorstellen!“, berichtet Petra Mang, deren 82-jähriger Vater an Diabetes leidet. Für ihren Vater sieht Mang es als einen Glücksfall, dass er noch Angehörige hat, die sich im Notfall um ihn kümmern.

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Viele ältere Kunden, vor allem die von Demenz betroffenen, sind laut Mang im Stich gelassen worden. Die Firma Pichlmayr habe die Pflegebedürftigen quasi an einen anderen Pflegedienst weitergeleitet, „jedoch ohne Einverständnis der Betroffenen“, so Mang.

Auch bei Gabriele Seibold sorgte die Kündigung des Vertrages für Aufregung: „Ich bin sehr wütend über die kurzfristige Kündigung der Firma Pichlmayr. Zumal eine Kündigungsfrist von zwei Wochen besteht.“ Seibolds 87-jähriger Vater leidet unter den Folgen eines Schlaganfalls und vertraute sich dem Pflegedienst an.

„Wir hatten für Odelzhausen zu wenig Personal“, nennt Geschäftsführer Florian Pichlmayr den Grund für die Geschäftsaufgabe in Odelzhausen. Die Firmengruppe mit Sitz in Eggenfelden betreibt aktuell unter anderem 20 Wohn- und Pflegeheime in Ober- und Niederbayern sowie ambulante Pflegedienste in Karlsfeld und Taufkirchen. Laut Florian Pichlmayr sind den Odelzhauser Kunden zwei alternative Pflegedienste angeboten worden. „Einmal eine Dame, die Patienten von uns übernehmen wollte, und ein anderer ambulanter Dienst, von dem wir nicht wussten, ob er einspringen könnte.“

Unabhängig von den Pichlmayr-Angeboten gab es doch noch ein Happy End für die Familien Mang und Seibold. „Der fürsorgliche Pfleger Heiko Tannek wechselte zwar zum Pflegedienst Salveo in Mammendorf, betreut aber weiterhin meinen Vater sowie den von Petra Mang“, sagt Gabriele Seibold. Beide Familien sind sehr dankbar, und „wir freuen uns auf ein weiterhin gutes Pflegeverhältnis“, so Seibold.

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