Rinder Autobahn
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Lieblinge vieler Spaziergänger: die Schottischen Hochlandrinder, die, wie hier in Höfa, entlang der A8 weiden.

Bewohner erheben schwere Vorwürfe gegen Viehhalter

Beliebte Autobahnrinder an A8 bald Geschichte? Halter wittert Verschwörung - doch Verpächter reagiert

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Sie sind nicht nur schön anzuschauen, sondern auch nützlich für die Grünflächen an der A8 - die schottischen Hochlandrinder. Jetzt gibt es jedoch Streit zwischen den Beteiligten.

  • Die schottischen Hochlandrinder entlang der A8 sind für viele Autofahrer ein gewohntes Bild.
  • Jetzt gibt es allerdings Streit zwischen Eigentümer und Betreiberfirma.
  • Auch Anwohner mischen sich in den Diskussion ein.

Landkreis – Wer die A8 entlang fährt, kann sie nicht übersehen, die friedlich umherstreifenden Schottischen Hochlandrinder. Seit Dezember 2010, nach Vollendung des sechsstreifigen Ausbaus der Fernstraße, stehen die zotteligen Grasfresser auf zahlreichen Parzellen, sogenannten „Losen“, entlang des Asphaltbandes von Augsburg bis zum Autobahndreieck München-Allach. „Wer an ihnen vorbeifährt, denkt, sie haben es gut“, sagt Volkan Yildirim, „doch die Tiere sind verwahrlost, sie haben nichts zu futtern und zu trinken. Manche haben schon die Rinden der Bäume angeknabbert.“ Der Adelzhauser beobachte dies täglich, wenn er mit seinem Hund bei Adelzhausen und Odelzhausen an der A8 spazieren gehe. Yildirim ist nicht der Einzige, der gesehen haben will, dass sich die an sich äußerst robusten Tiere in schlechtem Zustand befinden.

Schottische Hochlandrinder an der A8: Tiere sind gut für das Öko-System auf den Wiesen

Der Ausbau der A8 erfolgte in öffentlich-privater Partnerschaft. Die Betreibergesellschaft Autobahnplus A8 GmbH ist für die Straße, aber auch die anliegenden Grünflächen zuständig. „Wir haben die Pflicht, einmal im Jahr die Wiesen zurückzuschneiden“, sagt Hermann Wenzel, für den Abschnitt zuständiger Geschäftsführer. Statt aufwendig zu mähen, kam die Gesellschaft auf die Idee, dies das gesamte Jahr über von Schottischen Hochlandrindern erledigen zu lassen. „Zur damaligen Zeit war das, das Optimale“, so Wenzel. Tatsächlich: Das Projekt ist erfolgreich. Anders als Rasenmäher fressen die Tiere nicht alles radikal ab, und der Pflanzensamen bleibt an ihnen hängen. Die Folge: Bodenbrüter und Pflanzen finden auf den vielen Losen gute Lebensbedingungen, so manche neue Tier- und Pflanzenart siedelt sich an.

Hochlandrinder an der A8: Streit zwischen Betreiberfirma und Eigentümer

Die Rinder stellt schon seit Ende 2010 Joe Engelhardt zur Verfügung. Sie haben sich im Laufe der Jahre vermehrt. Über 200 sind es mittlerweile. Er hat mit der Autobahnplus einen Vertrag abgeschlossen und bekommt seither Geld dafür. Überdies erhält er Fördergelder von der EU beziehungsweise dem Freistaat. 2015 verkaufte Engelhardt, der im Landkreis Rottal-Inn beheimatet ist, die Tiere an die Öko-Firma Benugo in Oberhaching. Er selbst blieb jedoch als Angestellter weiter für ihre tägliche Pflege zuständig. Das ist notwendig, denn er muss zuweilen Heu zufüttern sowie die Wasserbehälter nachfüllen.

Die Schottischen Hochlandrinder entlang der A8 sollen verwahrlost sein.

Nun aber hat die Betreibergesellschaft beschlossen, den Vertrag zum Ende des Jahres zu kündigen. Das Vernachlässigen der Huftiere sei einer der Gründe, warum das Vertragsverhältnis nicht fortgesetzt werde, so Geschäftsführer Wenzel. Ein weiterer ist, dass die Benugo bei den Vertragsverhandlungen „weit mehr“ Honorar forderte, als noch im jetzigen Vertrag fixiert ist. Zudem hätten, so Wenzel weiter, Benugo-Angestellte gekündigt, weil der Vertrag nicht verlängert werde. Unter all diesen Umständen spielte die Autobahnplus nicht mehr mit. „Mehr Geld für weniger Leistung zu kassieren“, so Geschäftsführer Wenzel, das sei ein Ding der Unmöglichkeit. Die Gesellschaft hat mittlerweile das Projekt ausgeschrieben. „Das Feedback ist groß“, sagt Wenzel, es gebe bereits etwa 50 Bewerber. So viel zur Attraktivität der Beweidung.

Schottische Hochlandrinder an der A8: Bürger prangern Verwahrlosung an

Dass die „Leistung“, sprich die Fürsorge für die Zotteltiere, nachgelassen haben soll, das teilt auch eine Gruppe von Bürgern mit, die im Bereich Adelzhausen oder Odelzhausen wohnt und die Situation dort seit Monaten verfolgt. „Die Tiere haben nichts zu fressen, obwohl alles abgegrast ist“, so eine Sprecherin der Gruppe.

Vernachlässigung der Rinder an der A8: Betreuer widerspricht Anschuldigungen

Joe Engelhardt widerspricht den Vorwürfen vehement und denkt sogar an eine Verleumdungsklage, gegen diejenigen, die ihn anschwärzten, nach. Seine Tiere seien „normal beieinander“. Er versichert: „Jeden Tag schaut mindestens eine Person nach den Tieren.“ Und er gibt zu bedenken, dass seine Rinder im Durchschnitt zwölf Jahre alt würden, statt der üblichen sechs Jahre. Seine älteste Kuh zähle stolze 20 Lenze, „dass die natürlich nicht mehr so gut aussieht wie ein Jungtier, ist klar. Ich selbst schaue ja auch nicht mehr aus wie vor 20 Jahren“. Schließlich führt er noch an, dass ab Juli die Wiesen immer mehr verholzen würden. Doch er könne nicht einfach weiterziehen. „Dann würde frisches Gras nachwachsen, und wenn dann im September eine Kontrolle erfolgt, wird behauptet, die Wiese sei nicht genutzt worden, und wir bekommen weniger Fördergeld“, so der Tierhalter.

Das Landratsamt stützt die Behauptungen Engelhardts. Im vergangenen Jahr sei kontrolliert worden, so Sprecher Wolfgang Reichelt, dabei habe es „keinerlei Beanstandungen“ gegeben. Dass er mehr Geld gefordert habe, sei richtig. Engelhardt meint jedoch, dass in der jüngeren Vergangenheit „immer mehr Leistungen“ von ihm gefordert worden seien.

Weitere Nachrichten aus Dachau und Umgebung: Hoher Besuch hat sich für die KZ-Gedenkstätte in Dachau angekündigt. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und der israelische Botschafter kommen in die Stadt. Ein 24-Jähriger aus Dachau erhielt jetzt zwei Jahre auf Bewährung, weil er unter anderem zuvor einen Hund als „Geisel“ genommen hatte.

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