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Die Biker Stefanie und Christian Bührer mit ihren Kindern Kaspar (l. 12) und Xaver (r. 14), die sich schon freuen, wenn sie endlich 18 sind und den Motorradführerschein machen dürfen.

Bikertreffen in Odelzhausen

Das große Knattern

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Es rattert und knattert in Odelzhausen, Motorgeruch liegt in der Luft. Wer auf den Straßen im Ort unterwegs ist, fühlt sich ein bisschen wie auf einem Highway in den USA. Die ganz große Freiheit, das Gefühl, alles hinter sich zu lassen, während einem auf der Harley-Davidson der Wind um die Nase bläst – einmal im Jahr ist das auch in Odelzhausen zu spüren.

Odelzhausen – Vor dem Gasthaus zur Sonne fand das große Bikertreffen mit Weißwurstfrühstück statt. Eine Veranstaltung, die in der Szene und im Ort längst Kult ist. Dabei hatte vor 22 Jahren hat alles ganz klein angefangen.

Wirt Xaver Willibald, selbst begeisterter Harley-Davidson-Fan, hatte ein Fest für seine Biker-Spezln organisiert. „Wir waren zuerst nur 30 bis 35 Leute auf unserer Terrasse“, erzählt er. „Das hat sich dann immer weiter entwickelt.“ Die kleine private Feier hat quasi eine Turbo-Beschleunigung hingelegt, von 30 auf viele hundert Gäste in wenigen Jahren. Heuer waren es 2000 Besucher sowohl aus der Gegend als auch aus ganz Bayern – und das, obwohl der Termin ganz kurzfristig um einen Tag vorverlegt worden war.

Normalerweise findet das Treffen traditionell am ersten Mai statt, dieses Jahr war es schon einen Tag zuvor. „Das war wetterbedingt“, erklärt Willibald. Strahlender Sonnenschein, wärmere Temperaturen und kein Regen – das wollte er ausnutzen. Es war die richtige Entscheidung: Die Bikes glitzerten in der Sonne, während wenige Meter weiter die Biker draußen gemütlich ihre Würste aßen und bei einem kühlen Glas Weißbier über die neuesten Trends im Harley-Markt fachsimpelten. Tattoos, Lederjacken, Clubembleme, lange Haar, Rocker-Kutten: Es waren coole Typen, die nach Odelzhausen gekommen sind – genauso,S wie man sich ganz klischeehaft einen echten Biker vorstellt. Biker, für die Harley-Fahren nicht nur ein Hobby ist, sondern ein Lebensstil.

Joachim Panke, 56, Bandana-Kopftuch im USA-Stil, Sonnenbrille, schwarze Jacke mit unzähligen Abzeichen, ist zum Beispiel das ganze Jahr über mit seiner Maschine, einer Triumph Rocket III, beschäftigt. „Es ist das serienmäßig hubraumstärkste Motorrad der Welt“, erzählt er stolz. Und es ist Pankes großes Projekt. Im Sommer geht er damit auf Touren, im Winter schraubt er daran rum. Airbrush-Bilder, andere Auspuffe und Scheinwerfer, zusätzliche Chromteile, ein selbstleuchtendes Kennzeichen: Längst hat er aus seiner Harley ein Einzelstück gemacht. Er investiert viel Zeit und noch mehr Geld, um sie immer wieder weiter zu entwickeln. „Über das Jahr hin sammelt man Inspirationen und macht sich Gedanken, wie man sie die Pläne dann im Winter am besten leisten kann“, sagt Panke selbstironisch. Er lebt selbst in Odelzhausen, da war das Treffen für ihn quasi ein Heimspiel.

Sein Kumpel Hans Bruckbauer, 56, dagegen ist aus Landsberg angereist. Seit er 18 ist fährt Bruckbauer Motorrad, einige Jahre musste er aber aus Zeitgründen aussetzen. „Dann habe ich zuerst mit einem Roller wieder angefangen“, erzählt er. „Aber das ging gar nicht.“ Also trat er ein in den illustren Kreis der Harley-Fahrer – und hat es nie bereut. „Es ist einfach etwas Besonderes“, sagt er. „Alleine schon, weil jedes Motorrad völlig anderes aussieht.“

Auch in Odelzhausen nutzten viele Besucher die Gelegenheit, sich umzuschauen, welche Ideen die anderen Biker für ihre Maschinen haben. In der Szene hilft man sich untereinander. „So eine Gemeinschaft wie bei den Harley-Fahrern findet man sonst nirgends“, sagt Frank Belitz,58, der mit seiner Harley Davidson Chopper jedes Jahr zwischen 10 000 und 14 000 Kilometer zurücklegt. „Die Harley verbindet alle. Woher wer kommt oder was er macht, spielt da keine Rolle mehr.“

Die schönsten Bilder vom Bikertreffen in Odelzhausen

Belitz hat einen Harley-Stammtisch gegründet, jeden Freitag treffen sich die Mitglieder im Dachauer City-Pub, außerdem machen sie gemeinsame Ausfahrten. Sogar Amor war schon dabei: Frank Belitzs Lebensgefährtin Sylvia Hartmann, 59, ist ebenfalls seit 1991 begeisterte Harley-Fahrerin, durch das Hobby haben die beiden sich kennen und lieben gelernt. Kein Wunder, dass es geknistert hat, schließlich ist das Knattern der Harley für Sylvia Hartmann mit ganz viel Gefühl verbunden: „Eine Harley, die läuft, ist wie der Herzschlag einer Mutter“, sagt sie. In Odelzhausen pulsierte das Herz beim Biker-Treffen besonderes laut.

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