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„Mia san mia – ob ma des a sei soidad?“: Gedichte und Lieder über den Herbst gab es von Schriftsteller Norbert Göttler, Sängerin Kathrin Krückl und Gitarrist Martin Off in der Furthmühle zu hören. 

In der Furthmühle

Hintergründiges und Melancholisches

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Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler, Bluessängerin Kathrin Krückl und Gitarrist Martin Off begeisterten mit ihren Texten.

Von Claudia Schuri

Furthmühle Der Wind rauscht durch die bunten Blätter, die Vögel ziehen gen Süden, in den Bäumen sammelt sich der Nebel, die Tage werden kürzer und dunkler: Wenn nach dem Sommer der Herbst Einzug hält, dann bringt er eine ganz besondere Stimmung mit sich. Sentimentalität und ein Gefühl der Vergänglichkeit gehören dazu, aber auch Zweisamkeit und lauschige Abende vor dem Kamin. Diese Stimmung haben der Bezirksheimatpfleger und Schriftsteller Norbert Göttler, die Bluessängerin Kathrin Krückl und der Gitarrist Martin Off in die Furthmühle gebracht.

Die Lesung war mit dem Titel „Herbstwindwischpara“ umschrieben – und tatsächlich glaubte man trotz des schönen Spätsommerwetters das leise Flüstern des Herbstwindes zu spüren. „Dialekt kann manche Emotionen besser ausdrücken“, erklärte Göttler dem Publikum – und lieferte mit seinen Gedichten gleich den Beweis für diese These. Manche der Texte waren melancholisch, traurig, sogar ein wenig morbid. Sie erzählten von Stürmen und Herbstgewittern, von der Heimatlosigkeit der Vögel, von der Sehnsucht nach einem letzten Rest Wärme. Die Botschaft: Nichts bleibt, wie es ist, alles verändert sich, auch wenn oft etwas Wehmut dabei ist. Die Furthmühle bot die passende Kulisse dazu: Im Hintergrund waren die Gerätschaften der ehemaligen Getreidemühle zu sehen, vorne sprach Göttler über frühere Zeiten in Bayern. Er erklärte die Herkunft alter, zum Teil längst vergessener bairischer Begriffe, ging auf Jahrhunderte alte Traditionen ein – und schaffte es dabei immer wieder, einen Bogen zur Moderne zu schlagen.

Dabei sparte Göttler nicht mit aktueller Sozialkritik: Er sprach von Asylantenheimen, die mit Opferkerzen angezündet werden, beklagte, dass es immer wieder in der Gesellschaft „brandelt“ und stellt sich bezüglich des bayerischen Lebensmottos „Mia san mia“ die Frage, „ob ma des a sei soidad“? „Das Bairische hat auch die Dimension des Philosophischen“, erklärte Norbert Göttler den Zuhörern. Er trug zwei Prosa-Texte vor, in denen er die existenziellen Fragen des Lebens abhandelte: Es ging um Sein oder Nicht-Sein, um die Besonderheiten des Menschseins – natürlich alles im Dialekt.

Neben diesen ernsten, hintergründigen Themen gab es bei der Lesung auch viel zu lachen. „Der Herbst ist auch die Zeit der Liebe, der Erotik des Zusammenrückens“, so Norbert Göttler. Der Hallodri, der den Mädels den Kopf verdreht, gehört genauso dazu wie das Liebespaar oder das Liebespaar, das auf Glasscherben Schlittschuh läuft.

Besonders stark wirkten die Gedichte durch die Kombination von Sprache und Musik. Die Sängerin Kathrin Krückl und der Gitarrist Martin Off haben ein Dreivierteljahr intensiv an der Vertonung von einigen von Göttlers Texten gearbeitet. Herausgekommen sind gefühlvolle Lieder, die vor allem durch Krückls klare Stimme sehr berührend waren und zum Träumen und Nachdenken einluden. Wenn sie zum Beispiel von den tausend Farben sang, die der Wald für zwei Liebende hat, oder musikalisch dazu aufrief, auszubrechen, das Gewohnte zu verlassen und etwas ganz Neues zu wagen, dann hatte das Gänsehautpotenzial. In Kombination mit sanften Gitarrensoli ergab sich so ein stimmiges Herbstbild, das weit über die Klischees, die man mit dieser Jahreszeit verbindet, hinaus ging. Trotzdem kam am Ende der Lesung noch einmal der Sommer zu Wort, als Kathrin Krückl über ein Streitgespräch von Sommer und Herbst sang. Dieses beendete der Sommer schließlich mit einer treffenden Feststellung: „Oans miassast wissen, mei liaba Schatz. Winter wenn’s wert, ghean mia oi zwoa da Katz.“

Die Lesung

„Herbstwindwischpara“ mit Norbert Göttler, Sängerin Kathrin Krückl und Gitarrist Martin Off findet noch einmal am Freitag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr im Museumsforum Altomünster (Eintritt fünf Euro) sowie am Freitag, 16. November, um 20 Uhr in der Kulturschranne Dachau (Eintritt zehn Euro) statt.

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