Sensationell hoch: Odelzhausens Einnahmen aus der Gewerbesteuer.

Interview mit Odelzhausens Bürgermeister Markus Trinkl

„Wir haben eine sensationell hohe Gewerbesteuer“

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Schuldenabbau, hohe Steuereinnahmen, ein neues Gewerbegebiet: Das prägt den Haushalt der Gemeinde Odelzhausen für das Jahr 2017, den der Gemeinderat jetzt beschlossen hat. Wie es langfristig weiter gehen soll, verrät Bürgermeister Markus Trinkl im Interview.

-Herr Trinkl, wie steht die Gemeinde Odelzhausen finanziell da?

Odelzhausen geht es finanziell gut. Unsere finanzielle Lage ist derzeit auch im Vergleich zu anderen Gemeinden sehr gut. Dieses Jahr haben wir auf der Einnahmenseite eine sensationell hohe Gewerbesteuer. Im Ansatz stehen acht Millionen Euro, die sind sicher. Die Einnahmen könnten sogar noch darüber liegen.

-Was sind die Gründe dafür?

Das liegt an Gewerbesteuernachzahlungen aus vergangenen Jahren, die eine Firma leisten muss. Es handelt sich um Einmaleffekte, die sich hier auswirken. Nächstes Jahr rechnen wir wieder mit 4,7 Millionen Euro Gewerbesteuer.

-Langfristig wird die Gewerbesteuer aber wegen der Erweiterung des Gewerbegebiets steigen, oder?

Wenn im Jahr 2018 Baubeginn für die Gewerbegebietserweiterung ist, können frühestens 2019 die ersten Betriebe eröffnen. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir erst 2021 mit der höheren Gewerbesteuer rechnen können.

-Wie hoch schätzen Sie die Mehreinnahmen ein?

Ab 2021 rechnen wir jährlich mit Beträgen im sechsstelligen Bereich zusätzlicher Gewerbesteuer, die aus der Erweiterung kommt. Diese Zahlen sind natürlich nicht in Stein gemeißelt. Auch die Einkommenssteuer ist konstant am Steigen, wir schätzen jedes Jahr um rund 100 000 Euro.

-Die hohen Gewerbesteuereinnahmen in diesem Jahr haben aber auch zur Folge, dass die Gemeinde in zwei Jahren eine hohe Kreisumlage an den Landkreis zahlen muss.

Ja, das wirkt sich massiv auf die Kreisumlage aus. Wir rechnen 2019 mit 3,9 Millionen Euro, das ist eine Steigerung von 1,6 Millionen im Vergleich zum Ist-Wert.

-Wie kann das finanziert werden?

Die Kreisumlage wird aus Rücklagen gezahlt. Das ist kein Problem, trotz vielen Investitionen haben wir immer noch eine schöne Rücklage. Dieses Jahr führen wir 3,2 Millionen Euro zu den Rücklagen zu. Wir können zwei Millionen Euro Schulden tilgen.

-Wie wirkt sich die Auflösung der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft mit den Nachbargemeinden Odelzhausen und Sulzemoos auf den Haushalt aus?

Wir haben dadurch keine wesentlichen Mehrkosten. Unsere Personalkosten sind gestiegen, dafür fällt die VG-Umlage weg. Das gleicht sich aus.

-Wenn die Gemeinde keine finanziellen Probleme hat, warum müssen dann trotzdem für die Kanalsanierung in den nächsten Jahren die Gebühren erhöht werden? Kann das nicht anders finanziert werden?

Bei den Kanalgebühren spielt es keine Rolle, ob es der Gemeinde schlecht oder gut geht. Die Gebührenkalkulation muss kostendeckend sein. Da kann man die Sanierung nicht anders machen, als sie über Gebühren zu finanzieren.

Das Interview führte
Claudia Schuri


Auf diesen Gebieten investiert die Gemeinde:

-Obdachlosenunterkunft/sozialer Wohnungsbau: Erstmals im Haushalt eingeplant sind dieses Jahr 85 000 Euro für eine Containerunterkunft für Obdachlose. „Wir haben uns eine Musterunterkunft für acht Personen zusammenstellen lassen“, erklärt Bürgermeister Markus Trinkl. Ein Standort und genauere Planungen stünden jedoch noch nicht fest. Generell beschäftigt auch die Gemeinde Odelzhausen das Thema sozialer Wohnungsbau. Derzeit gibt es noch keine Sozialwohnungen in der Gemeinde. „Es ist relativ schwer, den Bedarf einzuschätzen“, so Trinkl. „Ich kann mir aber schon vorstellen, dass es einen Ansturm darauf gäbe, wenn wir vor Ort ein Angebot hätten.“ Im Neubaugebiet in Höfa-Nord wird die Gemeinde deshalb mindestens ein Gebäude mit sechs bis elf sozialen Wohnungen bauen.

-Ortsmittengestaltung: Eigentlich hätte es dieses Jahr weiter gehen sollen mit der Ortsmittengestaltung von Odelzhausen: Die Marktstraße Süd soll umgestaltet werden, außerdem wird an der Kreuzung mit der Hauptstraße ein neuer Kreisverkehr gebaut. Weil die Gemeinde dafür aber heuer keine Zuschüsse mehr bekommt, wurden die Maßnahmen um ein Jahr verschoben. Für das kommende Jahr 2018 sind 620 000 Euro für den Kreisverkehr sowie 590 000 Euro für den Straßenbau eingeplant. 

-Umgehungsstraße: Noch ist die Entscheidung zwar nicht gefallen, ob die Gemeinde Odelzhausen die Genehmigung für den Bau einer Ortsumfahrung bekommt. Für das Haushaltsjahr 2017 stünden jedoch 620 000 Euro für den Kauf von Grundstücken und Planungen zur Verfügung. 

-Gewerbegebietserweiterung: Die Gemeinde profitiert von den Einnahmen aus der Gewerbeflächenerweiterung. In den vergangenen Jahren hat sie für den Kauf von Grundstücken inklusive der Nebenkosten rund 1,453 Millionen Euro investiert. Jetzt werden die Gewerbeflächen wieder verkauft: In den Haushaltsplanungen sind für die Jahre 2017 und 2018 Erlöse von insgesamt über 18 Millionen Euro eingerechnet. Für eine weitere Erweiterung des Gewerbegebiets investiert die Gemeinde rund 710 000 Euro in den Grundstückserwerb. Sie rechnet für das Jahr 2019 durch den Verkauf der entwickelten Fläche mit Einnahmen in Höhe von über drei Millionen Euro.

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