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Gehört doch nicht der Kirchenstiftung: die Geiselwies-Kapelle. Damit kommen auf die Gemeinde unerwartete Kosten zu.

Geiselwies-Kapelle gehört doch der Gemeinde

Über Nacht zum Kapellenbesitzer

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Damit hat Bürgermeister Markus Trinkl nicht gerechnet: Die Geiselwies-Kapelle gehört der Gemeinde – und nicht der Kirchenstiftung. Jetzt kommen auch noch unerwartete Kosten auf Odelzhausen zu.

Sittenbach/Odelzhausen - Ein idyllischer Platz ist die Lichtung am Waldrand zwischen Sittenbach, Sixtnitgern und Langengern: Nur über Kieswege kommt man dorthin, vor ein paar Bäumen steht dort die Kapelle Geiselwies. Ein kleines Kirchlein, zu dem seit über 250 Jahren Katholiken pilgern. Noch heute ist sie eine der bekanntesten Marienwallfahrtsstätten im Landkreis, immer wieder machen Gläubige, Wanderer oder Radfahrer dort Halt. Aber: Wem gehört das Gebäude eigentlich? Bei dieser Frage gab es jetzt große Verwirrung.

Überraschung für den Bürgermeister

Und die Gemeinde Odelzhausen wurde über Nacht zur Kapellenbesitzerin. „Wir sind bisher immer davon ausgegangen, dass sie der Kirchenstiftung gehört hat“, sagt Bürgermeister Markus Trinkl (parteilos). „Jetzt hat sich ergeben, dass das Grundstück Eigentum der Gemeinde ist.“

Damit haben auch die Sittenbacher Gläubigen nicht gerechnet. „Es war auch für uns eine Überraschung“, sagt Kirchenpfleger Herbert Weißenböck, der sich bisher mit weiteren Sittenbachern ehrenamtlich um die Pflege der Geiselwies-Kapelle gekümmert hat. Jede Woche putzen die Sittenbacher das Gebäude, zünden an Sonn- und Feiertagen Kerzen an und besorgen Blumenschmuck.

Erst vor wenigen Jahren konnte die Kirchenstiftung St. Laurentius Sittenbach dank einer Spende die Decke der Kapelle renovieren. Jetzt stehen wieder Sanierungsarbeiten an. An den Wänden der Kapelle hängen Votivtafeln, zum Teil über 100 Jahre alt. Mit den Tafeln bitten Gläubige um Unterstützung oder bedanken sich für Hilfe. 

Wie kam das Ganze ans Licht?

Ein Täfelchen neben dem anderen zeugt von den Sorgen und dem Dank der Pilgerer: Sebastian und Veronika Kottermeir aus Allersbach freuten sich 1878 über Hilfe bei Viehkrankheit, auf der anderen Seite bedankt sich jemand für die Heilung eines 18-jährigen Soldaten, der im Krieg verwundet wurde.

Trinkl sieht den Kirchenzuwachs gespalten

Doch viele Bilder sind in schlechtem Zustand, sie sind verblasst, beschädigt, manche Texte nur noch schwer lesbar. Rund 100 Votivtafeln wollten die Sittenbacher deshalb renovieren lassen. Sie schalteten den Denkmalschutz ein. Dort prüfte man die Sache und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Das Landratsamt fand heraus, dass laut den Grundbüchern das Grundstück und damit auch die Geiselwies-Kapelle der Gemeinde gehört.

„Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich selber noch nicht so genau“, sagt Trinkl. Einerseits ist es ein Besitzzuwachs, andererseits ist die Kommune nun auch für die Instandhaltung des Kirchleins zuständig. 

Wer übernimmt die Kösten für das Kirchlein?

Sie holt derzeit Angebote für die Sanierung der Votivtäfelchen ein. „Ich rechne mit einem fünfstelligen Betrag. Wie hoch der ist, kann ich aber beim besten Willen noch nicht sagen.“ Trinkl geht aber davon aus, dass der Gemeinderat der Renovierung zustimmt.

So sieht es auch sein Stellvertreter Johann Heitmair (CSU). „Da hat mit Sicherheit gar keiner ein Problem“, sagt er. „Wir müssen jetzt mit der Kirche noch abstimmen, wie alles genau läuft.“ Für das Erzbistum München Freising ist die ganze Sache ebenfalls ungewöhnlich. „Ich kenne keinen weiteren solchen Fall“, so Sprecher Christoph Kappes. Grundsätzlich seien Renovierungen Sache der Kommune. 

Eventuell beteiligt sich die Diözese aber an den Kosten, wenn die Pfarrei bestätigt, dass sie die Kapelle seelsorgerisch nutzt. Wie hoch die Zuschüsse ausfallen, müsste nach einem Antrag der Gemeinde geklärt werden. Auch wer künftig die Pflegearbeiten übernimmt, müsse besprochen werden. Die Sittenbacher würden das gerne weiter erledigen, was wohl auch im Interesse der Gemeinde ist. „So leicht geben wir die Kapelle nicht auf“, sagt Kirchenpfleger Herbert Weißenböck.

Denn die Kapelle hat bis heute für viele Menschen eine große Bedeutung: Neben den historischen Tafeln hängen mit Computern geschriebene Zettel mit Gebeten. Für Martin, der an Krebs erkrankt war, für Christian, der nach einem Unfall im Koma lag. Ein kleines Mädchen hatte 2010 einen Engel gemalt, in Kinderschrift bittet sie um Schutz für ihre Familie und besonders für ihre Tante.

Eines hat sich Weißenböck deshalb vorgenommen: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass es auch bei der Renovierung der Tafeln schnell vorwärts geht.“ Die Geschichte der 250-jährigen Wallfahrtskapelle geht weiter.

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