„Zeugnis“ mit Bestnoten: Ernst Fischer übergibt an Rektorin Anette Schalk die Urkunde. mw

Realschule Odelzhausen

Die Leuchtturm-Schule

Es waren nichts weniger als drei Leuchtturm-Projekte, die da in der Realschule Odelzhausen entstanden sind. Da konnte und wollte das Kultusministerium nicht anders und machte aus der Realschule eine ausgezeichnete Realschule.

Odelzhausen– Die Realschule Odelzhausen leuchtet. Ein Hip-Hop-Song für den Frieden, ein Geschichtskurs, bei dem Fische mumifiziert und Mittelalterburgen nachgebaut werden, eine große Spendenaktion für Flüchtlinge – wie Leuchttürme haben diese Projekte bis nach München ins Kultusministerium gestrahlt. Das Ministerium hat die Schule deswegen für besondere außerschulische Leistungen im Schuljahr 2015/2016 ausgezeichnet.

Jetzt fand dazu ein feierlicher Festakt statt. Ehrengäste, Lehrer, Schüler, alle nahmen an der Feier teil. Dabei überreichte unter anderem Ministerialbeamter Ernst Fischer der Realschulrektorin Anette Schalk als Anerkennung eine Urkunde.

Fischer lobte besonders das Engagement der Lehrer. Sehr beeindruckt war er auch davon, dass die Realschule ihren Schülern so ein breites Angebot eröffnet – obwohl sie die kleinste der rund 80 staatlichen und städtischen Realschulen ist, die sich für den Preis beworben hatten.

„Wir mussten drei Leuchtturmprojekte einreichen“, erklärt Rektorin Anette Schalk. „Wir wollten, dass von allem etwas dabei ist, und dass es Projekte sind, die an anderen Schulen nicht laufen.“

Die Taktik ist aufgegangen. Bei der Preisverleihung stellten Schüler und Lehrer noch einmal alle drei Aktionen vor. Die Schülermitverwaltung präsentierte ihre Flüchtlingsaktion, die sie gemeinsam mit Lehrerin Nelli Mai gestartet hatte.

Seit November 2015 leben Asylbewerber in Containern am Ortsrand von Odelzhausen, ein Helferkreis hilft bei der Integration. Für die Schüler war klar: Sie möchten auch ihren Beitrag dazu leisten. Die ganze Schule sammelte Sachspenden, bastelte Postfächer für die Spinde in der Unterkunft und backte Plätzchen. Eine Schülerabordnung übergab die Willkommensgeschenke an die Asylbewerber.

Was kann man im Kleinen machen, um die Welt zu verbessern? Mit dieser Frage beschäftigte sich vergangenes Schuljahr auch die Klasse 7b. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Benjamin Häußler erstellten die Schüler einen Hip-Hop-Song mit Friedensbotschaften. Sie schrieben eigene Texte zu dem Thema, sprachen diese selbst ins Mikrofon ein und suchten die passenden Beats dazu heraus. Mit viel Erfolg: Für einen der Songs gab es sogar den dritten Preis beim Multimediawettbewerb „crossmedia“. „Wir haben viel ausprobiert und experimentiert“, erzählt Lena Schäffler, 13, eine der Schülerinnen.

Ganz praktisch geht es auch im Wahlfach „Geschichtsclub“ mit Lehrer Robert Seidel zu. Zahlen und trockene Fakten pauken? Das erwartet man hier vergeblich. Wohl auch deshalb beschäftigen sich Schüler aus allen Jahrgangsstufen in ihrer Freizeit freiwillig mit den alten Römern, der Hochkonjunktur der Ägypter oder dem Leben im Mittelalter. „Es ist kein herkömmlicher Unterricht“, erklärt Anette Schalk. Die Jugendlichen durchstöbern stattdessen beispielsweise das Gemeindearchiv und unterhalten sich mit den Bewohnern der Seniorenresidenz über die guten und die schweren alten Zeiten.

Die Teenager selbst sind ebenfalls schon eingetaucht in die Vergangenheit. In dem Kurs spielen sie zum Beispiel historische Spiele, kochen einen Steckrübeneintopf aus der Nachkriegszeit, bauen eine Mittelalterburg nach oder mumifizieren sogar eine Regenbogenforelle. Auch den Ministerialbeamten Ernst Fischer nahmen sie mit auf eine Zeitreise: Er bekam eine extra hergestellte Toga – die er natürlich sofort anprobieren musste.

Für gute Unterhaltung bei der Preisverleihung sorgten außerdem die Fünftklässler der Bläserklasse, die die musikalische Umrahmung der Feier übernommen hatten. Ein bisschen aufgeregt waren die Nachwuchsmusiker schon, schließlich üben sie erst seit Schuljahresbeginn an ihren Instrumenten und hatten zuvor erst einen Auftritt. Doch die Nervosität war ganz umsonst: Das Zusammenspiel klappte einwandfrei.

Am Ende gab es deshalb für die Schüler noch eine große Überraschung: Ernst Fischer gab allen Klassen früher schulfrei. Er selbst und viele Lehrer feierten bei einem Stehempfang noch weiter. Schließlich ist die Ehrung für die Schule etwas ganz Besonderes: „Die Anforderungen sind absolut hoch“, erzählt Rektorin Anette Schalk. „Wir hätten nicht gedacht, dass es mit der Bewerbung was wird. Nächstes Jahr machen wir wieder mit, das ist eine Ehrensache.“

Jetzt aber überlegt sich die Realschule erst einmal, was sie mit den 450 Euro Preisgeld macht. Eine Idee gibt es schon, so Schalk: „Vielleicht können wir ja im Bereich Sprache oder Theater noch was machen.“ cla

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