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Sie haben viel nachzuholen: Die Zwillinge Leon (rechts) und Luis, vier Jahre alt, sind vor zwei Jahren an Leukämie erkrankt. Sie haben eine schwere Zeit hinter sich – aber jetzt geht es ihnen besser. Heuer kann die Familie endlich richtig Weihnachten feiern. 

So geht es den an Leukämie erkrankten Zwillingen Leon und Luis

Das erste richtige Weihnachten

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Diagnose Leukämie: Für die Eltern der damals zweijährigen Zwillinge Leon und Luis war das ein harter Schlag. Heute sind die Jungen aus Egenburg vier Jahre alt, es geht ihnen besser.

Egenburg – Leon und Luis, beide vier Jahre alt, dürfen heuer das erste Mal Plätzchen naschen. „Wir haben Monde, Sterne und Herzchen ausgestochen“, erzählt Leon ganz stolz. Für ihn und seinen Bruder ist das etwas ganz Besonderes, denn die beiden haben eine schwere Zeit hinter sich: Die Zwillinge aus Egenburg sind vor rund zwei Jahren an Leukämie erkrankt (wir haben berichtet).

Nun geht es den beiden besser, sagt Mama Sabine Weikenstorfer, 44: „Sie sind sehr neugierig. Ich habe das Gefühl, sie haben wahnsinnig viel nachzuholen.“ Es ist heuer das erste Weihnachten, das die Familie – in Ruhe – daheim in Egenburg feiern darf. In den vergangenen Jahren verbrachten Eltern und Zwillinge die Adventszeit zwischen Kinderkrankenhaus, Tagesklinik, dem Zuhause in Egenburg und der Schwabinger Wohnung. Denn nach der Diagnose Leukämie wurden Leon und Luis im Schwabinger Kinderkrankenhaus behandelt, sie bekamen dort mehrere Chemotherapien. Damals mussten Helmut und Sabine Weikenstorfer sogar zwischenzeitlich ihre Jobs als Lagerist und Sachbearbeiterin aufgeben. In dieser schweren Zeit wurden sie auch von den Lesern der Heimatzeitung mit großzügigen Spenden der „Kette der helfenden Hände“ unterstützt. Außerdem bekam die Familie durch eine Elterninitiative für krebskranke Kinder eine Wohnung in Schwabing nahe dem Kinderkrankenhaus. Zum Glück, sagt Sabine Weikenstorfer, denn jeden Tag zwischen Egenburg und Schwabing zu pendeln, wäre nicht möglich gewesen: „Wir wären sonst nur auf der Straße unterwegs gewesen.“

Seit einigen Monaten geht es bergauf: Im Juli hat Luis seine letzte Chemotherapie bekommen, Leon im August. Die Zwillinge gehen in den Kindergarten in Pfaffenhofen an der Glonn, haben dort Freunde gefunden und machen sogar bei der Ballschule des VfL Egenburg mit. Luis hat mehr Spaß beim Kicken, Leon fängt die Bälle lieber. Beide sind quirlig und abenteuerlustig, toben und klettern gerne und freuen sich schon, wenn sie im Frühling mit ihren neuen Gokarts, die sie zum Geburtstag bekommen haben, durch den Garten düsen können.

Mittlerweile halten Leon und Luis Mama und Papa ganz schön auf Trab, alles wollen sie entdecken und erforschen. „Sogar ein leerer Wassertopf ist für die beiden interessant“, sagt Sabine Weikenstorfer.

Feuerwehrmann Sam ist das große Idol der Buben, im Wohnzimmer lassen sie die Eisenbahnzüge auf Holzgleisen hin und her sausen – ein Stück Normalität zieht in den Alltag der Familie ein. „Einfach nur schön ist das“, sagt Sabine Weikenstorfer. „Mehr wollen wir gar nicht.“ Zu Weihnachten wünscht sich Luis einen Hubschrauber vom Christkindl, Leon ein Motorrad. „Ein ganz, ganz Großes“, erzählt er. Heuer durften die Buben das erste Mal mit ihrer Mama Plätzchen und Lebkuchen backen, zum ersten Mal Nüsse und Mandeln naschen.

In den vergangenen Jahren war das alles wegen möglicher Bakterien auf den Plätzchen und Pilzen in den Nüssen verboten. Aber die Leckereien sind nicht das Wichtigste. Viel wichtiger ist: Die Familie darf Weihnachten in Egenburg feiern, ohne in die Klinik oder auf Reha zu müssen. Denn im vergangenen Jahr waren die Zwillinge in den Tagen vor Heiligabend noch auf Reha, bevor sie in Egenburg feiern konnten: „Das war mehr Stress als Erholung“, sagt Sabine Weikenstorfer.

Seit der letzten Chemotherapie müssen die Zwillinge zwar immer noch alle vier Wochen zur Blutuntersuchung nach München. Doch für die Familie hat ein neues Leben begonnen. Obwohl es immer noch Einschränkungen gibt, sagt die Mama der Zwillinge: „Die Kinder dürfen zum Beispiel nicht ins Schwimmbad“ – wegen möglicher Pilze und Bakterien im Wasser, die sie runterschlucken könnten. Außerdem sind sie noch anfälliger für einige Krankheiten. Denn Leon und Luis wurden noch nicht mit den sogenannten Lebendimpfstoffen gegen Masern, Röteln oder Windpocken geimpft. Die Impfung wäre noch eine zu große Herausforderung für ihr angeschlagenes Immunsystem.

Doch das Wichtigste für Sabine Weikenstorfer ist: „Ihnen geht es besser, sie haben die gleichen Krankheiten wie die anderen Kinder im Kindergarten“, sagt sie. Trotzdem haben die vergangenen Jahre Spuren bei der Familie hinterlassen: „Wir knabbern da alle noch dran, es war einfach eine schlimme Zeit für uns.“ In den nächsten fünf Jahren wird sich zeigen, ob die Zwillinge den Blutkrebs endgültig besiegt haben.

Jetzt aber freuen sich alle erst einmal auf Weihnachten. „Im Kindergarten ist der Baum schon geschmückt“, erzählt Luis. „Auf unseren hängt das Christkind erst noch die Kugeln hin.“ Wenn dann am Heiligabend endlich der Christbaum im Wohnzimmer steht und hell erstrahlt, wollen die Buben singen: „Oh Tannenbaum“, ihr Lieblingsweihnachtslied. Den Text können sie schon fast auswendig.

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