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Organisieren das Demenz-Café „Vergissmeinnicht“: Hildegard Hassmann (links) und Gerlinde Lechner. Hier haben sie sich für die Betroffenen ein Wortquiz ausgedacht.

Café „Vergissmeinnicht“ hilft in Odelzhausen

„Wir wollen Isolation vermeiden“

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Jeden Mittwoch findet in den evangelischen Friedensinsel in Odelzhausen seit zwei Jahren das Demenz-Café „Vergissmeinnicht“ statt.

Odelzhausen– Der Apfel-Sahne-Kuchen schmeckt allen. „Sehr gut“, lobt Marianne L. (88, alle Namen geändert). Zustimmendes Nicken überall. Der Kuchen ist selbstgemacht – extra für die Senioren, die sich einmal in der Woche in der Friedensinsel in Odelzhausen treffen. Jeden Mittwoch findet dort seit zwei Jahren das Demenz-Café „Vergissmeinnicht“ statt.

Für zwei Stunden bieten Hildegard Hassmann (64), Gerlinde Lechner (64) und eine weitere Ehrenamtliche fünf Senioren Abwechslung im Alltag und den Angehörigen etwas Entlastung. Bei Bedarf organisiert außerdem Herbert Stanglmayr von der Nachbarschaftshilfe Odelzhausen einen Fahrdienst zum Café und zurück.

Während sie am Tisch sitzen, Kaffee trinken und Kuchen essen, schwelgen sie in Erinnerungen über alte Zeiten, erzählen von den Kindern, Enkeln und Urenkeln oder ratschen darüber, was gerade alles in Odelzhausen und den Nachbarorten passiert. „Es ist immer eine nette Unterhaltung“, sagt Marianne L. „Wir sind eine gute Gemeinschaft“, fügt ihre Sitznachbarin Annemarie P. hinzu.

Alle Senioren haben in ihrem Leben schon viel erlebt. Als Kinder mussten sie meistens viel arbeiten. „Ich hab vier Brüder gehabt und war das einzige Mädchen“, erzählt Annemarie P. „Da hat es geheißen: Raus aus dem Bett!“ Anton R. wiederum ist in Tschechien aufgewachsen. „Mit sieben oder acht Jahren bin ich hierhergekommen“; berichtet er. „Seitdem war ich nie wieder dort.“ Vor kurzem hat er den 90. Geburtstag gefeiert – mit seiner Familie, aber auch mit den anderen vom Café Vergissmeinnicht. Denn Feste werden dort natürlich gemeinsam gefeiert. „Wir sind alle fröhlich, gesellig und gerne unter Leuten“, sagt die 91-jährige Magdalena K. „Und es ist schön, wenn man rauskommt.“

Genau darum geht es im Café Vergissmeinnicht: „Wir wollen Isolation vermeiden und soziale Kontakte herstellen“, erklärt Hildegard Hassmann. Ein weiteres Ziel ist es, die Selbstständigkeit der Senioren zu fördern. Dazu versuchen die Helfer, mit verschiedenen Angeboten alle Sinne anzusprechen.

Vor dem Kuchenessen haben alle gemeinsam gesungen. „Danke für diesen guten Morgen“ und „Möge die Straße uns zusammenführen“ – Lieder, die viele noch von früher kennen.

„Wir machen jedes Mal ein anderes Programm“, sagt Hassmann, „und besprechen zum Beispiel, welchen Monat und welche Jahreszeit wir gerade haben.“ Im Dezember geht es um den Advent, die Senioren lesen dann zum Beispiel eine Weihnachtsgeschichte vor oder basteln mit der Gruppe Weihnachtsdekoration.

Für den November haben sich die Ehrenamtlichen ein Wortquiz ausgedacht. Welche Begriffe sind mit diesem Monat verbunden? Allerheiligen, Allerseelen, kürzere Tage, Nebel, Raureif, Ofen, Mütze und Mantel fallen der Gruppe nach und nach ein. „Es ist ein gutes Gedächtnistraining“, sagt Hassmann.

Auch körperliche Fitness wird beim Café Vergissmeinnicht gefördert. „Zum Abschluss machen wir immer Gymnastik“, erklärt Gerlinde Lechner. „Die Ballspiele sind meistens besonders lustig.“ Die Senioren sitzen in einem Stuhlkreis, kicken oder werfen sich einen Ball zu – und immer wieder wird gelacht.

Das ist es auch, was die Helfer antreibt, sich im Café Vergissmeinnicht zu engagieren. „Es ist so eine fröhliche, herzliche und warme Atmosphäre“, sagt Gerlinde Lechner. „Wir bekommen sehr viel zurück.“ Auch wenn die Senioren alle Ende 80 oder sogar schon über 90 Jahre alt sind und inzwischen mit ein paar körperlichen und geistigen Einschränkungen zu kämpfen haben, ist ihre Lebensfreude spürbar. „Wir müssen froh sein, dass wir noch so viel Power haben“, sagt Anton R. und kickt mit dem Fuß den Ball weg. „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“

Das Demenzcafé Vergissmeinnicht findet jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr in der Friedenshilfe in Odelzhausen statt. Zwei bis drei Plätze wären noch frei. Das Angebot ist kostenlos. Anspruch darauf haben Menschen mit demenziellen Einschränkungen, die Entlastungsleistungen von der Pflegeversicherung bekommen. Voraussetzung ist mindestens Pflegegrad 1. Eine Teilnahme ist auch möglich, wenn die Demenz noch nicht diagnostiziert wurde, es aber entsprechende Tendenzen dazu gibt. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 081 31/53 96 47 oder beim Pflegestammtisch, der jeden letzten Freitag im Monat um 18 Uhr bei der mobilen Pflege, Hauptstraße 7, in Erdweg stattfindet.

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