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Für besondere Verdienste: 2015 erhielt Uschi Hertle (mit Trophäe) den Ehrenpreis des Bayerischen Landessportverbandes für besondere Verdienste – sehr zur Freude ihrer TSC-Turnmädchen. 

Vor dem Verwaltungsgericht geht es um zu Unrecht erlangte Zuschüsse und gefälschte Dokumente

Streit um TSC spaltet Odelzhausen

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In Odelzhausen tobt ein erbitterter Streit zwischen dem TSC Odelzhausen und der Gemeinde Odelzhausen mit Bürgermeister Markus Trinkl an der Spitze. Drei Gerichtsverfahren sind die Folge.

Odelzhausen – Zwei Lager stehen sich in Odelzhausen unversöhnlich gegenüber: die Gemeinde mit Bürgermeister Markus Trinkl auf der einen und der TSC Odelzhausen mit seiner Vorsitzenden Uschi Hertle auf der anderen Seite. Es geht um zu Unrecht erlangte Zuschüsse und gefälschte Dokumente sowie Aussagen des Gemeindechefs dazu.

„Der TSC Odelzhausen richtet sich ausschließlich auf leistungsorientierten Breitensport mit besonderem Schwerpunkt auf dem Turn- und Tanzsport aus“, heißt es auf der Homepage des Vereins. Der TSC Odelzhausen habe keinerlei Vereinsleben, heißt es in einem Beschluss des Verwaltungsgericht (VG) München. Drei Prozesse waren oder sind dort in Sachen TSC gegen die Gemeinde Odelzhausen sowie Bürgermeister Trinkl anhängig.

In Prozess eins wehrte sich der Verein, der 1993 als Kinderzentrum „Jolly Jumper“ gegründet und 1997 in TSC Odelzhausen umbenannt worden war, gegen den Rauswurf aus der Odelzhauser Schulturnhalle zum 1. Oktober 2019. Das Verfahren hat sich bereits erledigt, weil der Verein mittlerweile in Sulzemoos trainieren darf.

Prozess zwei ist eine Anfechtungsklage des TSC gegen einen Bescheid der Gemeinde, indem diese knapp 29 000 Euro angeblich zuviel bezahlter Zuschüsse aus den Jahren 2003 bis 2018 zurückverlangt.

Prozess drei schließlich offenbart das gesamte Ausmaß der Streitereien. Oder wie ein Sprecher des VG sagt: Man habe bei Gericht selten einen derartig umfangreichen Berg an Akten anlegen müssen. Die zuständige Kammer habe zahllose Telefonate mit den Parteien führen müssen. „Eigentlich“, so der Sprecher weiter, „gehört hier eine Mediation her.“

In Prozess drei beantragten der TSC, die Vorsitzende Uschi Hertle sowie Hertles Tochter Carolin Hertle gemeinsam den Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen Trinkl auf Unterlassung und Widerruf von Äußerungen, die der Gemeindechef in den zurückliegenden Monaten über die drei Kläger getätigt haben soll. Die 7. Kammer des VG lehnte das Begehr mit Beschluss vom 14. November ab. Die Begründung, die den Dachauer Nachrichten vorliegt, ist eine schallende Ohrfeige für Mutter und Tochter Hertle.

„Unwidersprochen“, so heißt es Gerichtsentscheidung, „sei der Vorwurf, dass es keinerlei Vereinsleben gegeben habe, der Verein sei tatsächlich nur eine Fassade für die wirtschaftliche Betätigung der Antragstellerin (Anm. d. Red.: Uschi Hertle) gewesen.“ Doch damit nicht genug. Das Gericht sehe es als hinreichend belegt an, dass Uschi Hertle der Gemeinde eine Vielzahl von Dokumenten mit unrichtigem Inhalt im Hinblick auf angebliche Vorstandssitzungen bzw. Hauptversammlungen des TSC übermittelt habe.

Dazu hat das VG sieben Personen herausgefiltert, die in den angeblichen Protokollen zu Mitgliederversammlungen benannt werden. Alle sieben berichten, so heißt es in einer weiteren Passage der 36 Seiten umfassenden Begründung des VG, dass sie daran nicht teilgenommen bzw. keine Unterschriften dazu getätigt hätten. Eine der Befragten behauptete, dass ihre Unterschrift gefälscht worden sei. Eine andere gab gegenüber dem VG an, dass, wenn sie sich ihre angebliche Unterschrift ansehe, diese so aussehe, als habe ihre Mutter dies geschrieben.

Gegen den Beschluss des VG haben die Hertles Beschwerde zum Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt. Die Entscheidungsfindung hierüber „kann sich länger hinziehen“, so ein VG-Sprecher.

Bürgermeister Markus Trinkl möchte sich im Hinblick auf das laufende Verfahren derzeit nicht äußern.

Carolin Hertle, die laut Homepage als TSC-Kassier amtiert, sagt, dass der Verein an Wettkämpfen teilgenommen, Galas und vieles mehr veranstaltet habe. Der TSC sei im Vereinsregister als rechtsfähiger Verein eingetragen und vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt worden. Deshalb sei es aus der Luft gegriffen zu behaupten, er existiere nicht und es habe kein Vereinsleben stattgefunden. „Bei uns heißen die Mitgliederversammlungen Elterninformationsabende oder Teamsitzungen.“ Auch gefälschte Unterschriften habe es nicht gegeben. „Die Leute, die abgestimmt haben, haben unterschrieben“, so Hertle. Die Vorwürfe der Gemeinde seien von einem anerkannten Vereinsrechtler geprüft und widerlegt worden, so Hertle.

Der Rechtsanwalt des TSC und der Hertles, Dr. Wolfgang Patzelt, konkretisiert die Vorwürfe, die seine Mandanten gegenüber Gemeinde und Bürgermeister erheben: „Die Gemeinde darf keine falschen Zahlen oder Behauptungen über den Verein oder dessen Vorstände verbreiten lassen. Im Kern wehrt sich der TSC gegen die Diffamierung und Einflussnahme durch die Gemeinde auf seine Vereinstätigkeit. Wenn elf von 17 Trainern und sieben von acht Mannschaften plötzlich wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit einem gemeindlichen Rückforderungsbescheid vom TSC zum SV Odelzhausen wechseln, dann kann es offensichtlich nicht nur um eine monatliche Förderung von nur 125 Euro gehen“, so Patzelt. Dafür, meint Patzelt, lasse man keinen Rechtsanwalt auf Steuerzahlerkosten einen derartigen Aufwand betreiben.

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