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Stolz präsentiert Reinhard Kawan seine Interpretation von Gustav Klimts verschollenem Werk. 

Reinhard Klawan interpretiert verschwundene Meisterwerke

Ein Odelzhausener sucht die „Klimtsche Art“

Der Odelzhausener Künstler Reinhard Klawan hat eine Spezialität: Er interpretiert verschwundene Meisterwerke neu. Jetzt widmet er sich dem berühmten Gustav Klimt. Eine knifflige Aufgabe.

Odelzhausen/Wien – Der in Odelzhausen ansässige Künstler Reinhard Kawan ist dafür bekannt, dass er verschwundene Kunstwerke von namhaften Kollegen neu interpretiert und wieder zum Leben erweckt. Jetzt hat der Odelzhauser Künstler die Werke von Gustav Klimt für sich entdeckt.

Was er kann, hat er schon im Jahr 2016 am Beispiel des seit 1945 verschwundenen Werkes „Turm der Pferde“ von Franz Marc gezeigt. Damals lud er ins Odelzhausener Rathaus zur Ausstellung „Hommage an Franz Marc“ ein und präsentierte als Überraschung das nicht mehr auffindbare Werk in Originalgröße und in Farbe.

In jüngster Zeit hat sich Reinhard Kawan mit der Malweise eines anderen bekannten Kollegen befasst. Dazu hat er sich in Wien von dem bekannten Originalwerk „Der Kuss“ von Gustav Klimt für einen größeren Malauftrag inspirieren lassen. Nach fast zwei Jahren Arbeit an drei kurz vor Kriegsende verbrannten Werken von Klimt stellte er jetzt das Ergebnis vor. Zurzeit stehen die sogenannten Fakultätsbilder noch in seiner Odelzhausener Malwerkstatt.

Weil es von den verbrannten Werken von Klimt nur noch Schwarz-weiß-Fotos gibt, war es für Kawan eine Herausforderung, sich in den Farb- und Malstil der Originalwerke hineinzudenken und hineinzufühlen. Dies war nur möglich, indem er sich die Zeit genommen hat, den berühmten „Kuss“ von Gustav Klimt lange und sehr nah in Augenschein zu nehmen. Was gar nicht so einfach war, weil die vielen Besucher das Bild im Belvedere in Wien regelrecht belagern. „Erst wenn man ein Werk lange betrachtet und studiert, kann man Klimt und seine Arbeitsweise verstehen“, fasst er seine Erfahrungen zusammen.

Nach dem Besuch in Wien hat Reinhard Kawan in seinem Atelier in Odelzhausen viele Monate lang experimentiert, wie Klimt in seinen Werken beispielsweise Gold verarbeitet hat, da es gar nicht so einfach ist, hauchdünnes Blattgold aufzutragen. Schlussendlich hat er es aber nach intensiven Studien geschafft, dass das Gold durch die Ölfarbe hindurch schimmert – ganz wie bei den Werken von Gustav Klimt. Zwischen den einzelnen Malphasen darf Ehefrau Hedwig immer die neueste Entwicklung der Werke in Augenschein nehmen. Und erst, wenn sich beide sicher sind, dass die „Klimtsche Art“ getroffen ist, geht Reinhard Kawan an die weitere Umsetzung der Gemälde.

Da aber wie im Fall der Fakultätsbilder nur Schwarz-weiß-Fotos vorlagen, war Interpretationsgabe gefordert, um das stimmige Kolorit zu treffen. Immerhin blieb Kawan der Spießrutenlauf, dem Gustav Klimt damals ausgesetzt war, erspart. Denn dessen Auftraggeber hat die Bilder noch im laufenden Malprozess ständig kritisiert – auch, als sie bereits fertiggestellt waren.

Kawans Auftraggeber war aber zufrieden mit der Ausführung. Für Kawan ein Grund mehr, nach neuen Herausforderungen zu suchen und verschwundene beziehungsweise bewusst oder unbewusst vernichtete Werke wieder ins Leben zurückzuholen. Es bleibt spannend, welchen Werken sich der Odelzhauser als Nächstes annimmt.  dn

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