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Unfall im März 2019: Bei Tempo 150 kollidierte ein BMW mit diesem Mercedes.

Einsatzzahlen der Feuerwehr auf der A8 steigen

Weniger Unfälle dank Tempolimit?

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Seit die Autobahn ausgebaut ist und es kein Tempolimit mehr gibt, steigen die Einsatzzahlen, sagt der Odelzhauser Feuerwehrmann Michael Drexl. Er fordert eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Odelzhausen – Die Grünen wollen ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf allen Autobahnen. Michael Drexl will das auch, zumindest auf der A8 zwischen Augsburg und München. Denn der ehrenamtliche Helfer rückt mit der Feuerwehr Odelzhausen dutzende Male im Jahr aus und sagt: „Seitdem die A8 dreispurig ausgebaut wurde und es dort kein Tempolimit mehr gibt, haben wir dort viel mehr Einsätze.“

Bis 2010 war die A8 zwischen Sulzemoos und Odelzhausen zweispurig, und bis dahin galt tagsüber ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern. Feuerwehrmann Drexl hat die Einsatzzahlen in den vergangenen 20 Jahren verglichen und sie beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr Odelzhausen am vergangenen Sonntag präsentiert. Sein Fazit: „Zwischen 2000 und 2008 lagen unsere Einsatzzahlen deutlich unter 70.“ Ab 2010 wurde die A8 dreispurig – und damit jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben.

Seitdem sind auch die Odelzhauser Feuerwehrler mehr gefordert, so Drexl: „Die Einsätze sind immer mehr geworden, das Spitzenjahr war 2018 mit 149 Einsätzen – das sind fast drei Alarme pro Woche für ehrenamtliche Kräfte!“ Er fordert deshalb: „Diese Statistik spricht doch deutlich dafür, wieder eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der A8 zwischen Augsburg und München einzuführen.“

Sein Kollege Klaus Reindl, früher ADAC-Sprachrohr und heute Odelzhausener Feuerwehr-Sprecher, sieht das anders. Er plädiert eher für Verkehrsbeeinflussungsanlagen auf der A8, also Autobahnbrücken, die ein Tempolimit anzeigen, wenn es zum Beispiel regnet oder die Sicht schlecht ist: „Der Vorteil ist, dass man flexibel reagieren kann auf die Verkehrs- oder Witterungssituation. Die Akzeptanz ist wohl auch größer als für eine starre Regelung.“

Drexl sieht das anders: „Die Verkehrsbeeinflussungsanlagen sind typisch deutsch, das ist wieder ein riesiger Aufwand, die zu bauen, zu steuern – und teurer sind sie auch.“ Trotzdem sollen diese bald auf der A8 eingesetzt werden, sagt Heinz Angermeier von der Verkehrspolizei (VPI) Fürstenfeldbruck.

Auf Drexls Seite ist auch der Odelzhauser Feuerwehrkommandant Oliver Mathis: „Ich fände ein Tempolimit zwischen Augsburg und München gar nicht mal so schlecht, man müsste halt schauen, ob die Zahl der Unfälle wieder zurückgeht.“ Einerseits gebe es das Problem, dass sich viele bei Tempo 120 plus überschätzen, aber Mathis sieht ein weiteres Unfallrisiko: „Der Verkehr hat zugenommen, weil die Autobahn ausgebaut wurde“ – wohl auch ein Grund für die erhöhten Einsatzzahlen.

Das sieht auch Angermeier von der VPI Fürstenfeldbruck so. Die VPI kümmert sich um die A8 zwischen München-West und Adelzhausen. Angermeier sagt: „Man kann die Unfallzahlen nicht miteinander vergleichen – das ist ein Unterschied, ob die A8 nur zweispurig ist oder dreispurig. Als es nur zwei Spuren waren, war dort ja noch viel weniger los.“ Und weniger Verkehrsteilnehmer bedeuten auch: weniger Unfälle.

Momentan sehe er deshalb keinen Anlass für ein Tempolimit: „Das geben die Unfallzahlen einfach nicht her, da müsste es mehr schwere Verkehrsunfälle geben.“ Außerdem sieht er nicht nur das Rasen als Problem, sondern: „Vor allem morgens haben wir viele Unfälle, weil die Leute zum Vordermann keinen Abstand halten.“ Zu einem bundesweiten Tempolimit auf Autobahnen, sagt Angermeier: „Darüber muss die Politik entscheiden.“

CSU-Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath ist wie sein Parteikollege, Verkehrsminister Andreas Scheuer, ein vehementer Gegner von Autobahn-Tempolimits: Er sehe sie als Verbot und deswegen als Freiheitseinschränkung: „Wenn man schneller fahren kann, dann sollte man es doch auch tun dürfen.“

Feuerwehrkommandant Oliver Mathis verweist hingegen auf andere EU-Staaten: „In Österreich und Italien gibt es ja schon ein Tempolimit auf den Autobahnen, da ist man doch beim Fahren viel entspannter.“ Und Feuerwehrler Dexl findet: „Man könnte es mit dem Tempolimit doch mal ausprobieren. Sollten die Einsatzzahlen der Feuerwehren wieder sinken, wäre das ein großer Beitrag zur Entlastung der ehrenamtlichen Kräfte an der A8.“

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