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Ein Turm steht noch vom ursprünglichen Schloss. Der Nordturm musste schon vor langer Zeit abgerissen werden.

Schlossgut Odelzhausen

Seit 100 Jahren in Familienbesitz

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Einen Adelstitel hat Familie Eser aus Odelzhausen zwar nicht, dafür aber ein echtes Schloss. Seit 100 Jahren besitzt sie das Schlossgut Odelzhausen.

Odelzhausen – „Mein Urgroßvater hat das Schloss im September 1918 gekauft“, erklärt der heutige Besitzer Hans Eser (58). Jahrhunderte lang war es zuvor ein Sitz für den niederen Adel gewesen, erst 1852 gelangte es in bürgerliche Hände. Nach mehreren Eigentümerwechseln griff Esers Urgroßvater Josef Sedlmayr, ein Güterhändler mit großem kaufmännischem Geschick, zu. Selbst tätig wurde Sedlmayr in Odelzhausen aber nie, er setzte gleich seine Tochter und seinen Schwiegersohn Hans Eser als Verwalter ein. Sie legten den Schwerpunkt auf die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion.

Es waren harte Zeiten. Das Gut war heruntergekommen. „Zwei Pferde, die nicht kriegstauglich waren, waren der Überlieferung nach die einzigen noch verbliebenen Tiere“, berichte Hans Eser.

Das eigentliche Barockschloss hatte damals noch zwei Türme und bildete einen vierseitigen Trakt. Doch das Gebäude war in so schlechtem Zustand, dass der Nordturm sogar einstürzte. Ein Gutachten aus dem Jahr 1933 hatte deswegen entweder eine grundlegende Sanierung oder gleich den Abriss des Gebäudes empfohlen – die Esers entschieden sich für letzteres. Dass der linke Turm und ein Rückgebäude trotzdem noch stehen, ist ein Zufall: „Mein Großvater hatte wegen des Krieges keine Leute mehr für den Abriss“, sagt Hans Eser.

Auch die drei Eser-Söhne mussten einrücken. Der Älteste – und eigentliche Gutserbe – starb in Russland. Hans Esers Vater Karl Eser sprang ein - obwohl er eigentlich studierter Arzt war. „Es war eine ganz andere Welt für ihn“, sagt Hans Eser, in seiner Stimme klingt Stolz mit. „Aber er hatte den Wunsch, dieses Schlossgut in seiner Größe und seiner Schönheit ungeschmälert weitergeben zu können. Und das hat er geschafft.“

Nach dem Krieg ging es aufwärts. Hans Esers Tante Irma Eser eröffnete 1952 ein Bräustüberl in der alten Fasswäscherei. Sie hoffte auf Kunden von der nahen Autobahn. „Es war eine gute Entscheidung, die sich heute noch auswirkt“, sagt Hans Eser. Später erkor sich Irma Eser den Turm als Altersruhesitz aus und errichtete dort einige Fremdenzimmer – ein weiterer Geschäftszweig, der Bestand hat. 1963 folgte ein weiterer Erfolg: Die Brauerei bekam den Auftrag, zur Wiedereröffnung des Münchner Nationaltheaters das offizielle Festbier zu kreieren. Noch immer wird der sogenannte „Operator“, ein Starkbier in Doppelbockqualität, im Schlossgut ausgeschenkt. Damals war er der Startschuss für weitere Aufträge.

Leben heute auf dem Schloss: Franziska, Gabi, Hans Esers Mutter Gertraud und Hans Eser.

Odelzhauser Bier wurde an Minister, Kanzler, internationale Botschafter und viele Honoratioren verschickt. Auch den einen oder anderen Promi verschlug es nach Odelzhausen. Georg Lohmeier zum Beispiel schrieb dort Teile des Königlich Bayerischen Amtsgerichts, Franz Josef Strauß ging auf die Jagd. Unvergessen sind auch viele Feste. Legendär ist die Party eines reichen Augsburger Industriellen im Jahr 1969. Er war Stammgast im Bräustüberl und fragte beim Bürgermeister an, ob er nicht der offiziell 1000. Bürger von Odelzhausen werden könne – und schlug einen Deal vor: „Er hat dafür Freibier und eine Brotzeit für die ganze Ortschaft gezahlt“, erinnert sich Hans Eser. Acht Zentner Leberkäse und neun Hektoliter Starkbier wurden ausgegeben. In Odelzhausen gelebt hat der Industrielle dann zwar nie. „Aber es war ein Spaß“, sagt Eser.

Wenn der 58-Jährige an die Kindheit zurückdenkt, die er mit seinen vier Schwestern auf dem Schlosgut hatte, fallen ihm viele schöne Erinnerungen ein. „Es war sagenhaft“, sagt er. „Wir waren jeden Tag draußen und haben zum Beispiel gefischt oder nach Schätzen gegraben.“ Später machte Eser eine Banklehre und eine Ausbildung zum Braumeister – und führt seit 1996 gemeinsam mit seiner Frau Gabi (54) den Familienbesitz fort. „Es ist einfach meine Heimat“, sagt er. „So etwas kann ich doch nicht einfach aufgeben.“ Er hofft, dass irgendwann seine 21-jährige Tochter Franziska weitermachen wird.

Ein Großteil der landwirtschaftlichen Flächen ist heute verpachtet, der Schwerpunkt liegt auf der Gastronomie. Die hat das Ehepaar Hans und Gabi Eser immer weiter ausgebaut. Es errichtete ein neues Sudhaus, baute das nicht mehr genutzte Brauereigebäude zum Hotel um und ergänzte das Bräustüberl um einen Wintergarten. 2004 entstand außerdem eine kleine Kapelle, in der auch die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Schloss-Jubiläum gefeiert wurden.

Dazu bleibt nur eine Frage: Spukt es in den noch erhaltenen Schlossgemäuern? Hans Eser lacht. „Es gibt Überlieferungen von einer weißen Frau“, erzählt er. „Begegnet ist sie mir noch nie.“

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