+
Ergänzten sich hervorragend: Hugo Siegmeth, Stefan Hunstein und Axel Wolf (von links). 

Malztenne Odelzhausen

Jazzige Klänge und ganz viel Romantik

Eine ungewöhnliche, letztlich aber bestens passende künstlerische Kombination war jetzt in der Malztenne Odelzhausen zu erleben: Schubert mit Jazz und Lyrik. Leicht war der Stoff nicht.

Odelzhausen – Gleich zu Beginn des Konzertes gab es eine Warnung: „Es wird intensiv und heftig“, versprach Saxophonist Hugo Siegmeth dem leider vergleichsweise nur kleinen Publikum, das nach Odelzhausen in die Malztenne gekommen war. Dort hatte der Kulturverein Kult A8 ein Konzert unter dem Motto „Schubert & Jazz – Adaption von Schuberts Winterreise“ organisiert. Zu hören waren ungewöhnliche Instrumental-Kombinationen, bei der sich swingige Saxophonklänge von Hugo Siegmeth mit eingängigen Lautenmelodien von Axel Wolf vermischten.

So trafen die Kompositionen Franz Schuberts auf verschiedene Jazzstile und Improvisationen. Vervollständigt wurde das Arrangement durch 24 Gedichte des romantischen Dichters Wilhelm Müller, die der Münchner Schauspieler Stefan Hunstein vortrug.

Das Trio nahm das Publikum mit auf eine Winterreise, bei der ein unglücklich verliebter junger Mann durch die Natur schreitet und seinen Gefühlen nachhängt. Dabei ginge es nicht um „oberflächliche Schönheit, die sich sofort erschließt, sondern um etwas Tieferes“, erklärte Siegmeth. Er behielt Recht: Schilderungen von scheinbar kleinen, alltäglichen Erlebnissen und metaphorische Landschaftsbeschreibungen regten zum Nachdenken über das große Ganze, den Sinn des Lebens und die Liebe an.

Gefühlvoll, klar und emotional war der Vortrag Hunsteins, die Klangfarbe seiner Stimme passte gut zur Musik von Axel Wolf und Hugo Siegmeth. Deren Darbietung war mal träumerisch, locker, leicht und eingängig, mal bissig, aufregend, heulend und atmosphärisch. Dadurch, dass sich Moderne und Klassik ergänzten, entstand ein eigener, berührender Stil. Es war ein sehr dichtes Konzert, bei dem man sich konzentrieren musste, um auch die vielen versteckten Botschaften zu erfassen – doch es lohnte sich, sich auf die Musik und die Gedichte einzulassen. Wie das lyrische Ich in den Gedichten waren auch die Zuhörer auf der Suche nach „versteckten Stegen“. Sie fühlten mit „dem Träumer, der Blumen im Winter sah“, und mit dem Unglücklichen, der sich nach „Ruhe in der Schlummerstunde“ sehnt.

Passend dazu war auch das Ende der Veranstaltung sehr hintergründig: Hunstein las einen Text über einen Straßenmusiker vor, einen alten Leiermann. Dessen Instrument steht still, sein Teller bleibt leer – und das lyrische Ich stellt sich eine Frage: „Wunderlicher Alter, soll ich mit Dir gehen?“ Im Publikum herrschte erst einmal Stille, bevor der Applaus begann.

CLAUDIA SCHURI

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Schicksalsschlag: Vater versucht Spagat zwischen Kindern, Beruf und der Pflege seiner Frau zu meistern
Von heute auf morgen waren der Vater und seine beiden Töchter auf sich gestellt: als die Mutter einen schweren Schlaganfall hatte. Unterstützung erhielten sie von der …
Nach Schicksalsschlag: Vater versucht Spagat zwischen Kindern, Beruf und der Pflege seiner Frau zu meistern
UBV will Kompetenzen nutzen
ie Unabhängige Bürgervereinigung 85247 (UBV) hat zu ihrer Aufstellungsversammlung ins Gasthaus Göttler nach Rumeltshausen eingeladen. Fraktionsvorsitzender Fritz Büchler …
UBV will Kompetenzen nutzen
100 Prozent für Anton Kerle
Es war eine klare Angelegenheit für Anton Kerle: Der amtierende Gemeindechef von Altomünster bewarb sich am Donnerstagabend erneut als Bürgermeisterkandidat für die CSU. …
100 Prozent für Anton Kerle
49 Medaillen beim Adventsschwimmen
Die Indersdorfer Haie haben in Neuburg ihr Können erfolgreich unter Beweis gestellt. Beim 47. Adventsschwimmen sahnen sie 49 Medaillen ab
49 Medaillen beim Adventsschwimmen

Kommentare