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Mit Kindern aus dem Dorf: Verena Fischer aus Taxa hilft bei einem sozialen Projekt in Südindien.

Verena Fischer aus Taxa ist seit neun Monaten in Indien

Das Abenteuer ihres Lebens

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Seit September hilft Verena Fischer aus Taxa bei einem sozialen Projekt in Indien. Sie will das Leben der Frauen ein wenig verbessern und sich dort für Gleichberechtigung einsetzen. Allerdings hat die 21-Jährige selbst mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Taxa – Es ist das Abenteuer ihres Lebens: 7500 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Taxa in Oberbayern und Puducherry in Südindien, der Unterschied zwischen beiden Orten ist riesig. Trotzdem wollte Verena Fischer unbedingt in die indische Stadt – als Helferin, um das Leben der Menschen dort ein kleines bisschen zu verbessern (wir berichteten). Die 21-Jährige kam zum Freiwilligendienst-Programm Weltwärts, der mit der Unterstützung von Freiwilligen mit verschiedenen Projekten Entwicklungshilfe in Indien leistet. Ihr Hauptinteresse galt vor allem der Arbeit der Frauen. „Ich fand es spannend, mehr über ihre Lebensumstände zu erfahren“, sagt sie. Wie gefährlich ist es für sie dort wirklich? Welche Rechte haben sie? Welche Zukunftschancen haben sie?

In Puducherry hilft Verena Fischer jetzt bei einem Projekt, bei dem Frauen in Selbsthilfegruppen betreut werden, die einen kleinen Kredit für Investments aufnehmen. „Ein Beispiel ist der Kauf von ein paar Hühnern, deren Eier das Einkommen ein wenig aufbessern“, erklärt Verena Fischer. Meist arbeitet sie sechs Tage in der Woche. Sie begleitete eine Kollegin in die Dörfer, schreibt die Finanzbücher für die Selbsthilfegruppen, besucht Kindergärten und hält Vorträge zu Themen wie Schwangerschaft und Hygiene. Am Wochenende gibt es ein Nachmittagsprogamm, bei dem sich die Kinder aus dem Dorf spielerisch mit Themen wie ihren Körper oder gesunder Ernährung auseinandersetzen.

Die Hilfe ist oft eine Herausforderung, alleine schon wegen der Sprachbarrieren. Verena Fischer spricht die Sprache Tamil noch nicht so gut, die Frauen aus dem Dorf wiederum können schlecht Englisch. „Es ist schwierig, aus der Zuschauerrolle herauszukommen“, berichtet die 21-Jährige. „Ich würde gerne noch viel mehr leisten. Manchmal fühlt man sich einfach ratlos, verzweifelt oder frustriert.“

Eine der Schwierigkeiten, mit denen Verena Fischer zurecht kommen muss, ist die Situation der Frau in Indien. „Zwar kann man das nicht verallgemeinern, aber vor allem in den ländlichen Regionen sind die Rollenbilder von Mann und Frau stark unterschiedlich“, berichtet sie. „Die Frau ist dem Mann klar untergeordnet.“ Die Kleiderordnung ist streng, auch für sie. Der BH-Träger darf nicht sichtbar sein, das T-Shirt muss über den Po gehen, die Schultern müssen bedeckt sein. „Für die Arbeit im Dorf ist sogar westliche Kleidung, die all den Ansprüchen gerecht wird, noch zu freizügig“, erzählt Verena Fischer. Dann müssen indische Hosen her. Vor allem in ländlichen Regionen ist die traditionelle Kleidung noch allgegenwärtig. „Man sieht fast nirgendwo Frauen, die sich ohne Saris, geflochtene Haare mit Blumengestecken und dem roten Punkt zwischen den Augen, dem Bindi, in der Öffentlichkeit blicken lassen“, sagt sie.

In ihrer Freizeit reist Verena Fischer gerne, hat sie schon viele Sitten und Bräuche kennengelernt. „Mich freut es immer wieder, wie gastfreundlich und hilfsbereit viele Inder sind“, sagt sie. Wenn mal wieder alles aussichtslos erscheint, kann es passieren, dass man aus heiterem Himmel Hilfe angeboten bekommt.“ Einmal musste sie einen Zug erwischen, durch viele ungünstige Zufälle war sie knapp dran. Kurzerhand bot ihr ein netter Inder an, sie zum Bahnhof zu fahren.

Ein anderes Mal lernte sie auf einer Reise mit ein paar Freundinnen den Besitzer eines Tattoostudios kennen. Der Mann lud die ganze Gruppe zu einer Geburtstagsparty ein. „Wir waren mitten in einem Geburtsag, der für ein zweijähriges Kind ausgerichtet wurde“, erzählt die 21-Jährige. Denn der zweite Geburtstag ist der einzige Geburtstag, zu dem man es in Indien krachen lässt. Das Buffet war rund 40 Meter lang, ein DJ spielte Bollywood-Musik zum Tanzen, für Kinder gab es Bullenreiten, eine Hüpfburg, ein Trampolin und sogar einen kleinen Zug. „So etwas habe ich vorher noch nie erlebt“, sagt Verena Fischer.

Es ist eines der schönen Erlebnis, die sie bei ihrem Indien-Abenteuer nie vergessen wird. Bis Ende August ist sie noch in Puducherry, bis dahin kommen sicher noch viele weitere dazu.

Internet-Reisebericht

Über ihren Indienaufenthalt bloggt Verena Fischer im Internet auf der Seite verenagoestoindia.wixsite.com/verenagoestoindia. Außerdem kann man auf Instagram (www.instagram.com/verenagoestoindia/) und Snapchat (dreamwithverena) verfolgen, wie es ihr geht. Unter der E-Mailadresse verenagoestoindia@gmx.de beantwortet sie Fragen.

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