+
Beim Festakt zur Ausstellung wurden die Festschrift der Amperland-Zeitschrift mit Aufsätzen zum Kloster sowie das Jubiläumsbier offiziell vorgestellt. Stehend, v.l.: Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler, Autor Horst Heres, Autor Klaus Wolf, Landrat Stefan Löwl, Autorin Katharina Friedl, Kreisheimatpflegerin Brigitta Unger-Richter, Autorin Renate Zauscher, Bürgermeister Markus Trinkl, MdL Bernhard Seidenath; sitzend: Professor Wilhelm Liebhart und Autor Roderich Zauscher.

400 Jahre Wallfahrt zum Kloster Taxa

Kostbare Erinnerungen

  • schließen

Die Sterneier sind natürlich berühmt. Doch es gibt noch viele weitere historische Schätze, die an 400 Jahre Wallfahrt zum Kloster Taxa erinnern. Jetzt werden sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Odelzhausen – Alte Schätze entdecken statt über Gemeindepolitik zu diskutieren: In der Gemeinde Odelzhausen wird in diesem Jahr das 400-jährige Jubiläum der Wallfahrt zum Kloster Taxa gefeiert. Zum Start der Festlichkeiten wurde der Sitzungssaal im Rathaus zu einem Ausstellungssaal umgewandelt.

Über das Kloster Taxa gibt es viele Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel die Geschichte über die Sterneier: Der Legende nach soll Graf Wilhelm von Hundt, Hofmarksherr von Odelzhausen, im Jahr 1606 in Seenot geraten sein und ein Gelübde abgelegt haben: Sollte er wieder heim kommen, würde er eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes bauen. Von Hundt überstand die Reise – und vergaß sein Versprechen. Bis er eines Tages ein ungewöhnliches Ei fand, das eine schwarze Henne auf einen frisch gebrannten Ziegelstein gelegt haben soll. In der Schale waren ein Sternenkranz und ein Frauenhaupt zu sehen.

Den Grafen plagte das Gewissen und er ließ am Fundort eine Kapelle bauen. Daraus soll dann die große Wallfahrt entstanden sein, berichtete der Prediger Abraham a Santa Clara. Dass der bekannte Geistliche dabei wohl geflunkert hat, erklärte Historiker Prof. Wilhelm Liebhart den Besuchern. „Es ist manipuliert worden“, sagte er.

Die ersten Eier mit der deformierten Schale seien erst nach dem Kapellenbau aufgetaucht sein. „Und das schönste der Taxa-Eier wurde nicht in Taxa sondern in Altomünster gefunden.“ Es soll sogar dem Kurfürsten überreicht worden sein.

Bei der Ausstellung konnten auch die normalen Bürger die Taxa-Eier bewundern. Genauso wie viele weitere historische Gegenstände, die die Geschichten zu dem Kloster wieder lebendig werden lassen: Gezeigt wurden zum Beispiel eine historische Bibel und geistliche Schriften, Kirchenfiguren und ein Kreuz, das ursprünglich immer beim Tod eines Mönchs in Taxa neben dem aufgebahrten Toten gestanden hatte. Auch das Uhrwerk aus dem Refektorium, dem Speisesaal des ehemaligen Klosters, war zu sehen.

An den Wänden des Sitzungssaals hingen viele Bilder und kirchliche Gemälde aus den Gebäuden, darunter einige Raritäten, zum Bespiel eine Kopie der bekannten „Schwarzen Madonna von Brünn“. Auf der Rückseite des Bildes befindet sich ein Siegel: „Damit galt die Replik genauso als heilig wie das Original“, erklärte Roderich Zauscher. Ihm ist es zu verdanken, dass die Kunstwerke wieder in Odelzhauser Besitz ist. Nachdem bei der Säkularisation das Kloster Taxa dem Erdboden gleichgemacht wurde, hatte ein reicher Bauer das Inventar erworben. Über Generationen wurde es innerhalb der Familie vererbt, bis es dann 2009 versteigert worden ist.

Zufällig hatte Zauscher von der Auktion erfahren und sofort eine große Spendenaktion gestartet. In nur sechs Tagen kamen 45 000 Euro zusammen, in zwei Auktionen sicherte sich Roderich Zauscher viele ehemalige Klosterschätze. Der Kostbarste ist der Entwurf eines Deckengemäldes, bei dem die Aufnahme von Maria in den Himmel zu sehen ist. „Ein herausragendes, seltenes Stück von dem bekannten Kirchenmaler Johann Chrysostomus Wink“, erklärte Zauscher.

Im Sitzungssaal waren all die Werke nur kurz zu sehen – doch das soll sich langfristig ändern, kündigte Zauscher an: „Es ist ein dauerhaftes Museum oder ein Heimathaus geplant.“ Bis es so weit ist, wird noch das ganze Jahr über das 400-jährige Wallfahrtsjubiläum gefeiert. Die Schlossbrauerei hat extra ein Taxa-Bier gebraut, und die Zeitschrift Amperland hat eine Festschrift mit verschiedenen Aufsätzen zum Kloster herausgebracht. Immer wieder stehen Veranstaltungen an.

Und immer wieder geht es um eine Frage: Wie hätte sich die Gemeinde entwickelt, wenn das Kloster nicht verschwunden wäre? „Dann wären wir heute wahrscheinlich nicht in Odelzhausen, sondern in Taxa“, vermutete Bürgermeister Markus Trinkl beim Festakt zur Ausstellung.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Versuchte Vergewaltigung in Dachau: Aufmerksamer Zeuge führt Polizei zu mutmaßlichem Täter
Albtraum für eine 33-Jährige in Dachau: Auf dem Heimweg wurde sie von einem Fremden zu Boden gerissen und betatscht. Die Polizei konnte nun den mutmaßlichen Täter …
Versuchte Vergewaltigung in Dachau: Aufmerksamer Zeuge führt Polizei zu mutmaßlichem Täter
Kaufhaus in Odelzhausen in Brand: Anwohner entdeckt Feuer
Großeinsatz für die Feuerwehr am Dienstag in Odelzhausen: In der Marktstraße ist in den frühen Morgenstunden ein Kaufhaus in Brand geraten. Ein Anwohner entdeckte das …
Kaufhaus in Odelzhausen in Brand: Anwohner entdeckt Feuer
„Alle freuen sich, nicht nur Grüne!“
Der sogenannte Politische Dienstag im großen Volksfestzelt gehört in diesem Jahr den Grünen. Und die haben für die Veranstaltung am 21. August ein echtes …
„Alle freuen sich, nicht nur Grüne!“
Feuerwerk kann stattfinden
Dank dem Regen kann das Volksfest-Feuerwerk am Donnerstagabend stattfinden.
Feuerwerk kann stattfinden

Kommentare