Odelzhausen Gasthaus Zur Sonne
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Mit großer Mehrheit beschloss der Gemeinderat Odelzhausen den Abriss des Gasthauses Zur Sonne und einen multifunktionellen Neubau.

Nach Antrag von Gemeinderat Roderich Zauscher

Beschlossener Abriss des Sonnenwirts und Rathaus-Umzug in Frage gestellt: Wackelt die Entscheidung zur Odelzhauser Ortsmitte?

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Eigentlich war die große Entscheidung schon im November gefallen. Damals hatte der Odelzhauser Gemeinderat festgelegt, wie es mit dem ehemaligen Gasthaus zur Sonne weitergehen soll. Doch der Beschluss ist umstritten – und jetzt wird das Thema nochmals diskutiert. Denn Gemeinderat Roderich Zauscher hat einen Antrag auf ein weiteres Gutachten gestellt.

Odelzhausen ‒ Bei der Sitzung vergangenes Jahr stimmten die Räte einstimmig für einen Abriss der Wirtschaft an der Marktstraße 10. Stattdessen sind ein Neubau mit Erdgeschoss, erstem Obergeschoss, zweitem Obergeschoss und Dachgeschoss beziehungsweise alternativ mit vier Vollgeschossen sowie eine Tiefgarage geplant. In dem geschätzt 10,7 Millionen Euro teuren Gebäude soll zum Beispiel Platz für ein Gasthaus, die Metzgerei, einen Multifunktionssaal oder eine Art Markthalle sein.

Soweit herrscht Einigkeit im Ort und im Rat. Umstritten ist dagegen der Beschluss, dass auch die Gemeindeverwaltung in das neue Gebäude einziehen soll. Das derzeitige Rathaus ist zu klein, ein Neubau beziehungsweise eine Kernsanierung mit Erweiterung am selben Standort würde je nach Variante laut ersten Analysen zwischen 6,3 und 6,8 Millionen Euro kosten. Für beide Gebäude zusammen würden damit rund 17 Millionen Euro anfallen.   

Das Projektentwicklungsbüro CIMA plädierte dagegen für einen Umzug der Verwaltung als einzige sinnvolle Option. Im derzeitigen Rathaus könnten Räume für das Gemeinwesen errichtet werden, zum Beispiel für Jugendliche, Senioren, die Volkshochschule oder Musik- und Sportgruppen, schlugen die Berater vor. Bei einer Informationsveranstaltung zeichnete sich aber ab, dass das Thema im Ort umstritten ist und nicht alle Bürger mit dem Vorschlag einverstanden sind.

Der Gemeinderat stimmte schließlich jedenfalls für eine Verlegung des Rathauses, mit drei Gegenstimmen. Eine davon kam von Roderich Zauscher von der BGO. Er beantragt jetzt eine weitere Untersuchung durch ein anderes Stadtplanungsbüro. „Ich bin eigentlich mit dem Gutachten unzufrieden“, sagt er. „Es wurde auf viele Bürgerwünsche nicht eingegangen.“

Bei einer Bürgerbeteiligung äußerten mehrere Bürger den Wunsch, das Rathaus an der alten Stelle zu belassen. „Das hätte auch Vorteile“, sagt Zauscher. Eine weitere Überlegung wert sei, in den Neubau an der Ortsmitte neben einer Gaststätte Geschäfte, Arztpraxen und Räume für soziale Bedürfnisse wie zum Beispiel einen Bürgertreff oder ein Kulturzentrum unterzubringen. „Es würde die Ortsmitte beleben“, erklärt Zauscher.

Derartige Pläne ohne Rathausumzug wurden im CIMA-Gutachten aber als unrentabel und nicht realisierbar verworfen. Das kritisiert Zauscher. „Es wurde nur eine Variante präsentiert und keine gleichwertigen Gegenmodelle dargestellt“, bemängelt er. Auch die Kostenschätzungen seien nicht gleichwertig gewesen. Die Begründung von Zauschers Antrag auf ein neues Gutachten: „Erst wenn das Ergebnis einer solchen zweiten Untersuchung vorliegt, können Bürger und Gemeinderat sich ein anschauliches Bild machen und hätten damit eine solide Grundlage für eine Entscheidung, die auf lange Sicht die wohl wichtigste und folgenreichste für die Zukunft unserer Gemeinde darstellt.“

Ob er damit im Gemeinderat eine Mehrheit bekommt, ist jedoch fraglich. Schließlich wurde der erste Beschluss mit der sehr großen Mehrheit von 18 Ja-Stimmen gefasst.

Auch Bürgermeister Markus Trinkl befürwortet einen Umzug der Verwaltung. Er sieht die Situation ganz anders als Zauscher: „Wenn man eine mehrheitliche Entscheidung nicht akzeptieren kann, ist es ein interessantes Verständnis von Demokratie“, kritisiert er. Ein zweites Gutachten zu fordern, sei „befremdlich und ein vollkommen falsches Zeichen“.

Trinkl widerspricht der Kritik, dass das erste Gutachten Mängel habe. „Das ist inhaltlich falsch“, sagt er. „Man hat alles geprüft, analysiert und genau dargestellt.“ Sowohl die Kosten der verschiedenen Möglichkeiten, als auch die Umsetzbarkeit seien untersucht und erläutert worden – und schließlich habe sich eben ein eindeutiges Ergebnis ergeben. Der Gemeinderat wird sich in einer der nächsten Sitzungen mit dem Antrag beschäftigen.

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