Wolf lugt hinter Baum hervor.
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Ein Wolf tötete im westlichen Landkreis Dachau ein Reh. Der Jagdpächter vermutet weitere Beutezüge in der Region. (Symbolbild)

Erster Wolfs-Nachweis im Landkreis Dachau

DNA-Spuren bestätigen Verdacht: Wolf reißt Reh nahe München - Jäger in Sorge

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Ein Wolf hat im Landkreis Dachau ein Reh gerissen. DNA-Proben haben den Wolfsangriff im Adelzhauser Forst bestätigt. Naturschützer freuen sich, Jagdpächter nicht.

Pfaffenhofen – Spaziergänger haben den grausigen Fund gemacht: ein Reh in einer Blutlache, fast aufgefressen, nahe eines Wanderwegs im Wald an der Landkreisgrenze nördlich der Staatsstraße zwischen Odelzhausen und Freienried (Landkreis Aichach-Friedberg). Die örtlichen Jagdpächter aus Unterumbach (Gemeinde Pfaffenhofen a.d. Glonn) und Brugger-Süd (Gemeinde Eurasburg) nahmen das Tier in Augenschein. „Aufgrund der Bissverletzung habe ich schon vermutet, dass es sich um einen Wolf handeln könnte“, sagt einer der beiden benachbarten Jagdpächter. „Der Wolf macht einen typischen Todesbiss im Bereich der Kehle, ein Hund beißt irgendwo zu, der hat das Töten so nicht gelernt.“

Pfaffenhofen: DNA-Spuren weisen auf einen Wolf hin

Aufgrund des typischen Tötungsbildes wandten sich die Jagdpächter an das Netzwerk „Große Beutegreifer“, das zum Wildtiermanagements vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) bayernweit etabliert wurde. Eine Gutachterin nahm DNA-Proben von dem Kadaver des Rehs.

Das getötete Reh wurde Mitte Januar von Spaziergängern nahe eines Wanderweges im Adelzhauser Forst gefunden. Die DNA-Analyse bestätigt nun die Vermutung, dass ein Wolf das Tier gerissen hat.

Vergangene Woche lag dann das Ergebnis der genetischen Analyse vor: Anke Simon vom Netzwerk „Große Beutegreifer“ teilte mit, dass nachweislich ein Wolf eine große Bisswunde am Nacken des Rehs verursacht habe. Neben dem Wolf und einem Fuchs hat auch ein Hund an dem Tier gefressen. Der Nachweis des Wolfes im Landkreis ist bereits in der Monitoring-Tabelle des LfU mitaufgeführt.

Pfaffenhofen: Der Wolf oder die Wölfe haben bereits merhere Rehe gerissen

Der Jagdpächter glaubt nicht, dass es eine einmalige Beobachtung ist. „Im Nachhinein ist es wahrscheinlich, dass der oder die Wölfe auch im Nachbarrevier noch mehr gerissen haben“, so der Jagdpächter. Bei Eurasburg und Eismannsberg wurden nach Aussagen der dortigen Jagdpächter in den vergangenen Wochen seit Dezember mehrere getötete Rehe gefunden. Eine DNA-Analyse wurde nicht veranlasst, weil man nicht mit einem Wolf, sondern von wildernden Hunden ausging.

Vergangene Woche habe der Unterumbacher Jagdpächter eine Blutlache mit vielen Rehhaaren gefunden: „Der Wolf hat das Reh bestimmt verzogen.“ Er ist überzeugt: „Den Wolf gibt’s schon länger bei uns.“ Einen Beweis dafür hat er nicht: Auf den Fotofallen im Wald sei bisher noch kein Wolf entdeckt worden.

Im vergangenen Sommer wurde ein Wolf von einer Wildtierkamera aufgenommen, gute zehn Kilometer Luftlinie enttfernt von der Fundstelle des Rehs, bei Igenhausen im Landkreis Aichach. Das Tier hat sieben Schafe gerissen.

Pfaffenhofen: Natürschützer freut sich über die Wolfs-Entdeckung

Für die Jagd sei der Wolf nicht gut, erklärt der Jagdpächter, der über das Auftreten des Raubtiers in seinem Revier nicht erfreut ist. Rehe meiden Gegenden, in denen Wölfe leben. „Und der Schäfer freut sich noch weniger.“

Wer sich aber freut: die Naturschützer. Roderich Zauscher, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, empfindet eine „wunderbare Freude“ auf diese Nachricht hin. Er findet es sehr schön, „dass ein Wolf durch den Landkreis gezogen ist“. Allen Spaziergängern, die nun Bedenken haben, in die Natur zu gehen, nimmt er die Angst: „Der wilde Wolf ist völlig harmlos.“ Seit 1945 gebe es in ganz Europa keinen dokumentierten Zwischenfall zwischen Wolf und Menschen. Das Tier werde ohnehin längst nicht mehr hier sein, so Zauscher, es sei nicht zu erwarten, „dass sich bei uns dauerhaft Wölfe halten“. Der Landkreis sei zu dicht besiedelt, es gebe keine großen Freiräume.

Hier ist der Jagdpächter anderer Ansicht: Das Waldgebiet erstreckt sich „von Erdweg bis Kissing, bis kurz vor Augsburg hängt der ganze Wald zusammen – das ist dem Wolf groß genug“. Aber auch er kann Naturliebhaber beruhigen: Es gebe bisher keine Konfrontation zwischen Mensch und Wolf, das Tier sei scheu und meide Menschen. Konfliktpotenzial gebe es erst, wenn der Wolf Schafe oder Pferde reißt. Sollte sich hier ein Wolfsrudel ansiedeln, werde es im dicht besiedelten Großraum zwischen München und Augsburg früher oder später zu Übergriffen auf Schafe und Pferde kommen, so der Jagdpächter. „Erst dann wird die Bevölkerung der Neubesiedelung unserer Region mit dem Wolf deutlich kritischer gegenüberstehen.“ (Manfred Sailer und Nikola Obermeier)

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